1997 - Frankreich

Reisezeit:

26. Juni - 11. Juli 1997

© für alle Fotos: Ulrich Spittka

Reiseroute:

Der erste Urlaub mit dem Motorrad war schon eine aufregende Sache. Obwohl wir es uns mit der Anreise recht einfach gemacht haben. Wir sind mit dem Autoreisezug von Köln-Deutz bis nach Avignon gefahren. Angesichts der Wetterlage war das auch kein schlechter Entschluss.

1. Tag

Von Gelsenkirchen über Köln-Deutz nach Avignon.

Als wir am Freitagmittag nach Köln-Deutz fuhren, um die Motorräder auf dem Waggon des Autoreisezuges zu verladen, mussten wir unter diversen Autobahnbrücken vor dem Regen zuflucht suchen. Das Verladen und Verzurren ging mit fachkundiger Hilfe der Bahnangestellten recht einfach. Die Spanngurte waren ja im, sicherlich nicht geraden geringen, Preis inbegriffen. Anschließend wechselten wir den Bahnsteig und suchten unser Abteil auf. Vollgepackt mit Tankrucksack, Packtaschen und Seesack zwängten wir uns durch den engen Gang im Waggon. Endlich waren wir in "unserem" Abteil angekommen.

Das Ehepaar, das dieses Abteil mit uns teilte, schaute recht erschrocken, als wir uns vorstellten und dann kurzerhand unsere sieben Sachen in das Abteil verfrachteten und sofort wieder loszogen, um die Verpflegung einzukaufen. Gut versorgt mit einigen Knabberein und einem Sixpack Bier kamen wir nach kurzer Zeit zurück. Der erste Schreck unserer Mitreisenden hatte sich gelegt und wir kamen schnell ins Gespräch. Das Pärchen wollte mit diesem Zug nach Narbonne und dann weiter nach Spanien reisen, um dort den Urlaub auf einer Jacht zu verbringen. Der schicke BMW musste mit und stand auch schon auf dem Autoreisezug.

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2. Tag

Von Avignon nach St. Tropez.

Die Nachtfahrt ging schnell vorüber und wir wurden um sieben Uhr vom Zugbegleitpersonal geweckt. Als wir von der Morgentoilette zurück zum Abteil kamen, war das Nachtlager schon abgebaut und der Frühstückstisch gedeckt. Unser nettes Ehepaar hatte schon alles vorbereitet. Im Hauptbahnhof von Avignon verabschiedeten wir uns vom freundlichen Ehepaar. So, wo waren jetzt die Motorräder ? Am Bahnsteig herrschte allgemeine Ratlosigkeit, was die Fahrzeuge anging. Endlich wurden wir informiert, dass wir mit einem Nahverkehrszug noch zum Güterbahnhof gebracht werden sollten. Also wieder die Brocken aufgeladen und weiter zum Güterbahnhof. Da standen endlich die Waggons mit den Motorrädern. Es warteten noch drei Pärchen mit je einer Goldwing und zwei Biker mit alten englischen Fabrikaten auf ihre Motorräder. Nachdem die Maschinen vom Waggon geholt waren, kümmerte sich die Goldwingfraktion erst einmal um warmes Wasser, um mit den mitgeführten kleinen Eimern und Schwämmen die staubigen Motorräder wieder auf Hochglanz zu bringen. Soviel Zeit wollte der Rest der Bikergemeinde nicht am Güterbahnhof verbringen, wir beluden unsere Maschinen und starteten in den nun nicht mehr ganz so frühen aber dafür um so sonnigeren Morgen. Da der Güterbahnhof am Stadtrand lag, konnten wir Avignon schnell hinter uns lassen und in Richtung Cote azur fahren.

Zunächst ging es auf der N7 in Richtung Aix-en-Provence. Nach der Stadtdurchfahrt wechselten wir auf die N96 und dann auf die D6 Richtung St. Maximin. Weiter ging es bis Tourves, dort bogen wir auf die D205 ab. Hier beginnt ein sehr schöner Streckenabschnitt. Über die D5 ging es weiter nach la Roquebrussanne und dann die D554 weiter nach Méounes-les-Montrieux. Hier fuhren wir an dem Flüsschen Gapeau entlang bis Solliés-Pont. Dieser Abschnitt war besonders schön, da lange Streckenteile durch eine enge Schlucht führen. Links der Fluss, rechts die Straße und das alles begrenzt durch hohe Felswände. Die Kurven waren auch recht schön, obwohl man wegen des drohenden Steinschlags immer auf der Hut sein musste.

Weiter ging es über die D58 bis les Martins und dann auf der D12 an Hyères vorbei. Dort wechselten wir auf die N98 in Richtung Cannes. Ab Bormes-les-Mimosas wird die Strecke wieder schön. Ab hier kann man auch sehr gut auf der D559 direkt an der Küste weiterfahren, wir entschieden uns jedoch auf der N98 zu bleiben. So fuhren wir bis St.Tropez und hielten uns dann auf der D93 in Richtung Ramatuelle.

Tagesziel war der Campingplatz les Tournels, wo wir unser Basislager aufschlagen wollten. Am frühen Nachmittag erreichten wir unser Ziel und suchten uns einen schönen Platz aus. Der Campingplatz liegt am Cap Camarat und umfasst einen Teil des Hügels. Unser Platz bot sowohl einen tollen Blick auf den Plage de Pampelonne als auch einen Blick auf Ramatuelle. Der Nachteil war, dass wir immer ordentlich bergan steigen mussten, um unsere Parzelle in luftiger Höhe zu erreichen. Aber der Ausblick entschädigte uns allemal für die körperlichen Anstrengungen.

Plage Pampellone

Das Zelt war schnell aufgebaut und der Platz vereinnahmt. Von hier aus wollten wir die Umgebung erkunden. Schön war, dass der Campingplatz in kleine Parzellen am Hang des Hügels aufgeteilt war und die Buchungslage noch recht entspannt war. So konnten wir auch ohne direkte Nachbarn unsere Ruhe finden.

Stilleben

3. Tag

Badetag !

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4. Tag

Tagesausflug nach St. Tropez.

Der erste Ausflug führte uns natürlich nach St.Tropez. Im Reiseführer standen ja die tollsten Sachen, über den mondänen Ort. Das wollten wir natürlich mit eigenen Augen sehen. Die Parkplatzsuche ging erstaunlich stressfrei von Statten, da wir direkt am alten Hafen unsere Maschinen abstellen konnten. Lästig waren nur die Lederkombis und die Helme, die wir nirgendwo "parken" konnten. Bei den sommerlichen Temperaturen gaben wir schon ein seltsames Bild in unserer Kleidung ab. Zunächst wollte die Zitadelle besichtigt werden. Von hier sollte man einen sehr schönen Blick über den Ort und über den Golf von St.Tropez haben.

St.Tropez von der Zitadelle gesehen Blick über St.Tropez Der Hafenbezirk

Der Reiseführer hatte nicht gelogen. Wirklich ein toller Ausblick. Die Zitadelle selbst hatte leider nicht geöffnet, so dass wir ohne Kulturschock wieder den Weg bergab antreten konnten. Nun ging es durch die Altstadt weiter zum Hafen. Die Luxusjachten verschlugen uns die Sprache. Hier kann man sehen, dass es wirklich Menschen gibt, die nicht mehr wissen, wohin sie ihr Geld schaufeln sollen. Und was für ein Volk sich hier tummelt. Jede Menge Touristen und Reiche, die gesehen und bewundert werden wollen.

Der Hafen von St.Tropez

Wenn man ein paar Schritte in Richtung Hafenmauer geht, wird man mit einem atemberaubenden Blick auf den Golf belohnt. Wenn die Jachten hier so unmittelbar an einem vorüber ziehen, kann man schon ein wenig neidisch werden.

Der Golf von St. Tropez zurück zur Reiseroute

5. und 6. Tag

Badetage !

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7. Tag

Tagesausflug nach Port Grimaud.

Der zweite Ausflug ging nach Port Grimaud. Das ist ein kleiner Hafenort, der sich komplett in privater Hand befindet. Hier wohnt wohl keiner zur Miete. Wenn man den Ort betritt, muss man sich zunächst einer Sichtkontrolle unterziehen. Auf Tafeln wird hingewiesen, was alles in Port Grimaud nicht erlaubt ist. Man kommt sich fast vor wie im Zoo: "Affen füttern verboten". Der private Wachdienst achtet darauf, dass alle sittsam gekleidet sind und sich nicht daneben benehmen.

Der Ort selbst wird durch seine Wasserstrassen geprägt. Wer hier keine Jacht besitzt, muss wohl zu seinem Haus schwimmen. Aber ich glaube, wer sich nicht mindestens eine Jacht leisten kann, besitzt hier auch kein Haus.

Den Ort erkundet man am besten mit dem Boot, eine Rundfahrt durch die "Kanäle" ist sehr interessant. Die Kulisse ist eindrucksvoll, die schmucken Häuser direkt am Wasser, die Jachten an den hauseigenen Anlegeplätzen vermittelt einen intensiven Eindruck über die Lebensweise in Port Grimaud.

Port Grimaud

Einweiterer Ausflug ging über Ramatuelle nach Grimaud. Hier hat man einen schönen Blick über das Land. Die Straßen sind zwar eng, aber dafür kurvig und in gutem Zustand. Im Prinzip kann man herfahren, wo man möchte, man kann gar nichts falsch machen.

Grimaud Der Golf von St.Tropez

Hier wurde dann auch mal für die Kamera posiert. Es geht eben nichts über ein natürliches, nicht gestelltes Foto.

kleine Pause kleine Pause zurück zur Reiseroute

8. Tag

Badetag!

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9. Tag

Badetag!

Das "Gröbste" geschah eines Morgens. Stell Dir vor, Du wirst gutgelaunt wach, räkelst Dich noch einmal im Schlafsack und beschließt den Morgen zu genießen. Du verlässt das Zelt, reckst und streckst Dich, und - wo sind die Motorräder geblieben? Nein, sie wurden nicht gestohlen, auch nicht beschädigt oder umgestoßen. Sie wurden einfach in das Vorzelt des, wohl in der Nacht angekommenen, Nachbarn eingearbeitet.

Zugegeben, wir hatten sie einfach auf dem freien Stellplatz nebenan geparkt, aber das ist ja wohl noch kein Grund, sie einfach derart einzuvernehmen. Gegen einen geschützten Unterstellplatz hat ja niemand etwas einzuwenden, aber ob ein Vorzelt der richtige Ort dafür ist ? Der frisch angekommene Nachbar, Franzose von seiner Nationalität, stürmte auch sofort auf mich zu und überzog mich förmlich mit einem stimmungsvoll vorgetragenen Redeschwall. Solcher Konfrontation, direkt nach dem Aufstehen und auf nüchternem Magen, war ich nicht gewachsen. Ich drehte mich mit einem freundlichen bon Jours um und suchte zunächst einmal die Sanitäranlage auf. So erleichtert kehrte ich zu unserem Platz zurück.

Der Nachbar lauerte schon wie ein Geier auf meine Rückkehr und setzte seinen Redeschwall unmittelbar fort. Meinen Einwand, dass ich der französischen Sprache nicht mächtig sei, ignorierte er völlig und wurde immer hektischer. Endlich merkte er wohl, dass ich an seinen Ausführungen nicht sonderlich interessiert war, zumal ich ja auch nichts verstehen konnte. Ich versuchte es mit Englisch und dann auf Deutsch und siehe da, er konnte auch deutsch reden. Nun erfolgte die Kommunikation auch in beide Richtungen und er beschwerte sich bei mir, dass wir den Stellplatz, den er schon seit 20 Jahren regelmäßig innehabe, mit unseren Motos illegaler Weise blockierten. Nach hektischem hin und her erklärte ich mich dann bereit, mein Moto aus dem Vorzelt zu fahren und mir einen neuen Parkplatz zu suchen.

Uwe hingegen schlief noch tief und fest, so blieb sein Moto noch eine gute Stunde im Vorzelt des Nachbarn stehen, bevor auch er das Feld räumte. Die Nachbarn bestraften uns in den folgenden Tagen mit absoluter Nichtbeachtung. Nun denn, wir konnten es ertragen.

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10. und 11. Tag

Regentage.

Das Wetter wurde plötzlich schlechter, nach zwei Tagen, die wir fast ausschließlich im Zelt verbrachten, sank die Stimmung auf den Nullpunkt. Zwischenzeitlich versuchten wir uns die Zeit in der Kneipe des Campingplatzes zu vertreiben, aber wer möchte schon den ganzen Tag in einer Kneipe zubringen ? Wir versuchten es mit Kickern und Flippern, aber bald verlor diese Art der Urlaubsgestaltung seinen Reiz. In einer Regenpause mussten erst einmal die Sachen getrocknet werden. Das sah fast aus, wie nach einer großen Wäsche.

Große Wäsche

Das Wetter wurde einfach nicht besser. So beschlossen wir, die Heimfahrt anzutreten. Der Morgen war trübe, wie in den letzten Tagen. Das Frühstück wurde im Duschraum eingenommen. Der Start erfolgte dann im Regenkombi.

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12. Tag

Von St. Tropez nach Freiburg.

Die Rückfahrt werde ich sicher nicht vergessen. Im Regen ging es los, im Regen ging es weiter. Die Fahrt auf der Küstenstraße in Richtung St. Maxime war durch den stark böigen Wind schon ein Abenteuer. Es kostete richtige Mühe, das Motorrad auf der eigenen Fahrbahnseite zu halten. Der Regen peitschte waagrecht vom Meer her auf die Straße. Als wir auf die D25 abbogen, um die Autobahn zu erreichen, wurde der Wind zwar etwas geringer, aber es goss noch in Strömen.

Auf der A8 ging es dann in Richtung Marseille im Dauerregen weiter. Ab Aix-en-Provence ging es auf der A7 über Salon-de-Provence die Route du Soleil hoch in Richtung Heimat. Die Überholmanöver bei LKW's kamen mir vor, wie Tauchfahrten. Neben dem starken Regen wurde das Wasser, das durch die LKW-Reifen hochgeschleudert wurde, noch zur zusätzlichen Sichtbehinderung. Im nachhinein bin ich froh, das dieser Teil der Rückfahrt unfallfrei geblieben ist. Bis nach Lyon hielt dieses Wetter an.

Ab Lyon ließ der Regen nach und wir machten nach 5 Stunden Regenfahrt die erste größere Pause in einer Raststätte. Die Klamotten trieften nur so vor Wasser. Die Regenkombi war für solche Belastungen wohl nicht geeignet, so dass meine Kleidung "bis auf die Knochen" durchnässt war. Die anderen Gäste schauten mitleidig zu uns 'rüber und wir sahen zu, dass die größte Nässe aus der Kleidung verdunstete.

Trocknen in der Raststätte Trocknen in der Raststätte

Nach der Pause ging es ohne Regenkombi weiter, nass waren wir ja sowieso schon. Der Kombi trocknete am Körper im Fahrtwind. An diesem Tag fuhren wir über Dijon, Besancon und Mulhouse bis Freiburg weiter, alles nur Autobahn. In Freiburg waren wir so erschöpft, dass wir uns schnell nach einem Hotel umsahen.

An der Rezeption trafen wir auf einen echten Menschenfreund, der uns für wenig Geld eine Suite anbot. Zwei Schlafzimmer, Wohnzimmer und ein geräumiges Bad. Die Heizung wurde extra in Gang gebracht, so dass wir unsere nassen Sachen über Nacht trocknen konnten. Die große Überraschung kam für meinen Mitfahrer Uwe beim Öffnen der Packtaschen. Die mitgelieferten "Plastiküberzieher" hatten den Regen zwar nicht abgehalten, dafür aber das Wasser in den Packtaschen gestaut. So flossen erst mal ein paar Liter Wasser über den Parkettboden. Die trockenen Sachen, auf die Uwe sich so sehr gefreut hatte, gab es nicht. Ich war etwas besser dran, da ich meine Abendgarderobe zusätzlich in zwei Müllsäcke gewickelt hatte. So konnte ich nach einem heißen Bad in trockene Sachen schlüpfen.

Nach einer provisorischen Trocknung der Jeans von Uwe, ging es los in die Freiburger Altstadt. Die ist einen Besuch allemal wert, das Wetter war auch erfreulich, so dass wir den Sommerabend genießen konnten. In der frohen Hoffung auf eine nunmehr trockene Heimfahrt, gingen wir in unserer Suite zu Bett.

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13. Tag

Von Freiburg nach Gelsenkirchen.

Der nächste Morgen bot das schon gewohnte Bild, leichte Regen versüßte das Frühstück nicht unbedingt. Der Start erfolgte wiederum im Regenkombi, obwohl die Leistungsfähigkeit zum Wasser abweisen ja wohl begrenzt war.

Und wieder die Regenkombi Und wieder die Regenkombi

So ging es wieder auf die Bahn. Über Heidelberg, Mannheim in Richtung Köln. Von hier aus war es ja nur noch einen Katzensprung. Diese Rückfahrt hatte viel Kraft gekostet, das Fahren im Regen ist nun doch nicht ganz so schön.

Unser Fazit: trotz des verregneten Endes war es ein toller Urlaub. Die Anreise mit dem Autoreisezug war zwar bequem, aber dafür auch teuer. Im nächsten Jahr sollte die Anreise auch komplett mit dem Motorrad erfolgen und über mehrere Stationen gehen. Ganz nach dem Motto: der Weg ist das Ziel.

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