Frankreich 2005

Reisezeit:

09. Juli bis 22. Juli 2005

© fuer alle Fotos: Ulrich Spittka

Der Motorradurlaub 2005 ist nun ganz anders gewesen, als sonst für meine Urlaube üblich. Zum einen wurde die grobe Planung weder zeitlich noch von der Strecke her eingehalten, zum anderen haben wir den Abreisetag mehrfach verschieben müssen. Das Wetter war am Mittwoch so schlecht, dass wir uns entschlossen hatten, nicht zu starten. Vor allem war die Wetterprognose für ganz Europa entsprechend schlecht und wir hatten keine Lust von morgens bis abends im Regen zu fahren und keine Wetterbesserung in Sicht zu haben. Es regnet in Strömen
Die Wettervorhersage für die nächsten Tage wurde allerdings nicht besser, so dass wir auf die komische Idee kamen, in diesem Jahr nicht mit dem Motorrad, sondern mit dem Auto zu fahren. Unser neues Reiseziel hieß Kroatien. Am Freitag machten wir uns auf den Weg, nachdem wir Uwes Kombi bis zur Dachreling voll mit Equipment beladen hatten. Wir starteten Freitag früh morgens in Richtung Kroatien. Der Verkehr war übersichtlich und wir kamen bis München gut voran.

Kurz nach dem Autobahnring um München zuckte Uwe zusammen. Er fragte sich, ob er die Autopapiere mitgenommen hatte, die er zunächst aus seiner Brieftasche heraus genommen hatte, weil wir ja eigentlich mit dem Motorrad unterwegs sein wollten. Er schaute nach und musste feststellen, dass er nur den Fahrzeugschein fürs Mopped dabei hatte. Was also tun? Ohne Fahrzeugpapiere durch Slowenien und Kroatien reisen? Vielleicht konnten wir uns ja Ersatzpapiere ausstellen lassen. Wir verließen die Autobahn, um eine Polizeiwache zu finden und dort entsprechende Auskünfte einzuholen. Wir fanden recht schnell eine Polizeiwache und Uwe stieg aus, um sich zu erkundigen. Die Antwort war schnell und kurz, sie hieß NEIN.

Den Kfz-Schein zusenden zu lassen schied auch aus, da wir uns zunächst eine Unterkunft hätten suchen müssen und am Freitagabend noch die Post oder einen Paketdienst zu bemühen machte auch nicht wirklich Sinn. Also drehten wir um und fuhren zurück nach Gelsenkirchen. Das Wetter hatte sich auch allmählich gebessert, so dass wir uns entschieden nun doch am Samstag mit dem Motorrad in den Urlaub zu fahren. Die Campingsachen wurden wieder entladen und, dem etwas spartanischerem Gepäck-Standard entsprechend, neu gepackt. Am Samstagmorgen starteten wir dann endlich in unseren Motorradurlaub.
Die ursprünglich geplante Reise, mit einerBesichtigung der Brücke von Millau, entfiel gänzlich. Die geplante Reise an den Atlantik erschien uns aufgrund der fortgeschrittenen Zeit als auch nicht mehr lohnenswert. So fuhren wir ganz spontan los und entschieden uns von Tag zu Tag über den weiteren Reiseverlauf.

Reiseroute

1. Tag

Von Gelsenkirchen nach Chaumont.

Streckenführung:

Heute starten wir also doch noch in unseren Motorradurlaub. Der Start war ja recht turbulent, rinn in de Kartoffeln - raus aus de Kartoffeln. Nun gut, los geht es also.
Tachostand AbfahrtDas Tachometer zeigt vor Fahrtbeginn 15.928 km an, ich bin mal gespannt, wie viele es am Ende der Reise in 2 Wochen sein werden. Schnell noch ein Porträt gemacht und dann rauf auf den Hobel.
Vor dem StartUwe wollte mich abholen und so bepackte ich schnell meine Lucy und wartete auf Uwe. Zunächst wollten wir auf die Autobahn und dann bei Köln entscheiden, ob es runter in Richtung Freiburg - Mulhouse oder über Aachen und Lüttich durch die Ardennen gehen sollte. Die Entscheidung war vom Wetter abhängig, bei kühlem und regnerischem Wetter wollten wir so schnell wie möglich in südlichere Gefilde fahren. Mildes oder zumindest trockenes Wetter bedeutete durch die Ardennen und Champagne zu fahren und damit auch weniger Autobahnkilometer zu erdulden.
Rastplatz in der EifelDie Entscheidung viel eindeutig für die Ardennen-Route aus. Es war zwar nicht sehr warm, aber das Wetter schien eindeutig auf unserer Seite zu stehen. Also sind wir bei Leverkusen über den Kölner Ring auf die A4 abgebogen und in Richtung Aachen weitergefahren. Als die Eifel näher rückte wurde es doch empfindlich kalt auf dem Mopped. Das soll der Sommer sein? Bei unserem ersten Tankstopp kurz vor dem Aachener Kreuz zog ich mir mein Windstoppershirt über, das ich vorsorglich im Tankrucksack deponiert hatte. Ein Biker auf einem Shopper, der nur mit einfacher Lederjacke bekleidet war, hielt auch frierend einen heißen Kaffeebecher in den Händen. Er war auch der Meinung, dass ihm ein Windstoppershirt gut zu Gesicht stehen würde. Es war kein Fehler das Shirt anzuziehen, denn bei der Weiterfahrt fror ich deutlich weniger als vor der Tankpause.
In den ArdennenKurz vor Namur verließen wir die Autobahn und der schöne Teil unserer Reise sollte beginnen. Wir fuhren durch Namur und waren sofort von dieser Stadt begeistert. Die Maas durchfließt Namur und gibt der Stadt dadurch ein ganz eigenes Bild. Fast schon wie eine kleine Hafenstadt mit schnuckeligen Häusern. Der Verkehr war allerdings wenig niedlich und wir sahen zu, dass wir uns an der Maas entlang hielten und die Stadt wieder verlassen konnten. Ab hier ging es wirklich ländlich zu.
Das MaastalWir machten noch eine Raucherpause für Uwe an einem Nobelrestaurant direkt an der Maas. Leider war mir der Zugang zum Maasufer durch einen sehr gepflegten Park des Restaurants versperrt. Ich konnte jedoch trotzdem einen kleinen Blick auf das Flusstal werfen. Anschließend ging es weiter in Richtung Charleville-Mézières. Wir wollten ja auch etwas von der Champagne sehen. Vielleicht ergab sich ja die Gelegenheit, eine Flasche Champus direkt günstig beim Erzeuger zu erstehen. Das wäre ja wohl ein guter Auftakt für unsere Reise. Leider führte unsere Route an keinem einzigen Weinfeld vorbei, wir haben uns wohl zu weit östlich orientiert. Die meisten Weinbauern gibt es wohl in der Nähe von Reims. Nun gut, man muss ja auch noch Ziele für das nächste Jahr haben. Die Anreise über Belgien hat uns auf jeden Fall begeistert und ist sehr zu empfehlen. Die Straßen waren allesamt gut ausgebaut. Natürlich kommt noch kein Alpenpassgefühl beim Fahren auf, aber die Sträßchen in den Ardennen geben zumindest einen kleinen Vorgeschmack auf die wirklich hohen Berge.
erster dicker SchauerAm Himmel machten sich nachmittags immer dickere Wolken breit und uns wurde klar, dass es wohl ohne Dusche von oben nicht gehen würde. Zunächst hatten wir noch ein paar Mal Glück, die schwarzen Regenwolken streiften uns nur und die Straßenführung war gnädig mit uns, aber dann erwischte es uns doch und wir bekamen den ersten heftigen Regenschauer ab. Zum Glück kam bald eine Brücke, unter der wir Unterschlupf finden konnten. Wir warteten eine viertel Stunde und dann konnte es schon weiter gehen. Die Straßen waren nun sehr nass und wir ließen es vorsichtig angehen. Das Fahren mit viel Gepäck ist für mich ja doch ein wenig ungewohnt und meine Lucy ist ja nicht unbedingt ein Tourenmotorrad. Meine Packtechnik ist zwar mittlerweile sehr ausgereift, aber wenn man schnell mal von links nach rechts möchte, muss man sich doch deutlich mehr ins Zeug legen, als ohne Gepäck auf dem Mopped.
Am Camping MunicipalDummerweise hatte ich meine Michelinkarte Frankreich zu Hause liegen gelassen und musste nach Uwes Aralkarte fahren. Das war sehr ungewohnt für mich, denn ich habe die Vorzüge der Michelinkarten schätzen gelernt und benutze sie eigentlich immer in Frankreich. Bei der nächsten Gelegenheit wollte ich mich mit adäquatem Kartenmaterial versorgen. Am Himmel tauchte die nächste schwarze Wolkenfront auf. Ein Ort weiter wollte ich noch fahren, obwohl hier ein Hinweisschild auf einen Campingplatz gestanden hatte. Dann war es doch och ein ganzes Stück bis Chaumont und ich befürchtete schon, den Bogen überspannt zu haben und dass wir die Zelte im Regen oder im Gewitter aufbauen mussten. Aber das Glück war uns auch dieses Mal hold und direkt am Ortseingang lag ein Camping Munizipal. Uwe staunte nur, dass ich so schnell einen Campingplatz gefunden hatte. Er fragte, ob ich schon mal hier gewesen sei, weil ich so zielstrebig auf den Campingplatz zugefahren war. Aber es war reine Glückssache gewesen.
Gewitterwolken drohenWir umfuhren einfach die Schranke des Campingplatzes und hielten direkt vor dem kleinen Blockhaus der Rezeption. Der Rest war schnell geklärt, 2 Motos, 2 Personen, 2 petit tent, 1 nuit, voila. Ja, ich kann perfekt Französisch, nicht wahr!? Wir bauten unsere Zelte in Rekordzeit auf, Der Himmel drohte immer noch mit heftigen Regengüssen und wir waren skeptisch, was die Zubereitung unseres Abendessens anging. Die Wolkenfront schob sich auch dieses Mal an uns vorbei und kein einziger Tropfen viel bei uns. Ich erkundigte mich beim Patron über den Weg ins Örtchen und er reichte mir direkt einen kleinen Stadtplan und erklärte mir den Weg. Ich fragte nach der Entfernung und bekam die Antwort, dass es ca. 1 bis 1,5 km seien. Was er nicht erwähnt hatte war, dass die ersten 800 Meter steil bergab gingen und die nächsten 800 Meter steil bergauf verliefen. So kamen wir direkt am ersten Abend richtig in Schweiß.
In ChaumontDie Anstrengung wurde aber belohnt, Chaumont ist ein sympathischer Ort mit schönem Stadtkern. Der Markt wurde gerade geschlossen, aber die Geschäfte hatten alle bis 20 oder 21 Uhr geöffnet, so dass wir uns in Ruhe umsehen konnten. Wir überlegten, ob wir selbst kochen sollten, oder ein Lokal aufsuchen wollten. Wir entschieden und für das Lokal und begaben uns auf die Suche. Es war gar nicht so einfach etwas Passendes zu finden.
Das RathausWir lernten den Ortskern recht intensiv kennen, bevor wir auf ein kleines Restaurant aufmerksam wurden. Es lag ganz unscheinbar in einer Nebenstraße und war auch sehr klein. Es gab etwa 10 kleine Tische für je 2 Personen und wir hatten Glück, dass ein Tisch frei war. Die Kellnerin, oder vielleicht war es auch die Inhaberin, führte uns zu dem Tisch. Hier ging alles sehr bedächtig zu und wir waren schon fast verdurstet, bevor die Dame die Bestellung aufnahm. Wir probierten es mit Pizza und Bier, also typisch französisch eben.
UweBei Bier war noch eine schwere Entscheidung zu treffen, sollte es Leffe oder 1664 sein? Wir entschieden uns für 1664er Südhang und das Bier war nach der doch recht langen Tagesetappe die verdiente Belohnung für uns. Die Pizza war auch gut und nach 1,5 Stunden verließen wir das Lokal. Auf dem Rückweg besorgten wir uns noch eine Dose Bier, um den Abend gemütlich vor den Zelten ausklingen zu lassen. Spät wurde es allerdings nicht, weil die lange Tagesetappe ihren Tribut forderte und wir früh in die Säcke krochen.

zurück zur Reiseroute

2. Tag

Von Chaumont nach Aix-les-Baines.

Streckenführung:

Sonntagmorgen - und nicht nur die Sonne lachte.
Gute LauneSo konnte das Wetter ruhig bleiben. Uwe sägte noch am Baum und ich schaute mich mal um. Zunächst inspizierte ich die Sanitäranlagen, die waren einfach und sauber. Also zurück zum Zelt, Uwe wecken, Handtuch und Waschzeug schnappen und ab unter die Dusche. So erfrischt und gut ausgeschlafen konnte der neue Tag starten.
Uwe packtZunächst die Sachen packen und das Zelt abbauen. Da ich deutlich schneller war als Uwe, konnte ich noch ein paar Fotos schießen.
Unsere NachbarnDirekt neben unserem Platz waren einige Zossen auf der Weide und schauten gelangweilt auf die Camper. Ich erledigte noch die letzten Aufräumarbeiten, wie z.B. den Müll entsorgen und schaute schon mal auf die Straßenkarte.
UmgebungWir wollten uns weiter in Richtung Alpen bewegen und beschlossen zunächst in Richtung Dijon zu fahren. Auch hier folgten wir zunächst der Maas und dann ein Stück der Saône. Die Fahrt an einem Flusstal entlang, gefiel mir wirklich gut. Das ist doch was ganz anderes, als bis Mulhouse auf der ätzenden Autobahn zu heizen.
PauseAb Dijon fuhren wir südöstlich über Dole und Lons-le-Saunier. Der Abschnitt war etwas eintönig und wir freuten uns schon auf bergigere Gegenden. Aber bis hinter Bourg-en-Bresse würde sich wohl nicht wirklich was an der Landschaft verändern. Diese Abschnitte waren uns ja schon wohl bekannt.
Im CafeWährend einer Pause in einem kleinen Cafe an der Straße überlegten wir gemeinsam, wohin wir heute eigentlich genau wollten. Wir waren morgens einfach so aufgebrochen, ohne über ein genaueres Tagesziel zu sprechen. Außer das es in die Alpen gehen sollte, war nichts geklärt.
Wo war das noch mal?Wir erinnerten uns an einen See bei Aix-les-Baines mit einem Campingplatz sowohl in Seenähe als auch in akzeptabler Entfernung zum Ort. Wir waren uns schnell einig, dass wir dorthin fahren wollten. Der See heißt Lac du Bourget und liegt eingerahmt von kleineren Bergen. Na gut, vielleicht sind es auch nur größere Hügel, aber als Flachlandtiroler freut man sich ja schon über jeden Buckel, der höher als 100 Meter ist. Zunächst ging es über eine landschaftlich schöne Strecke, auf der auch das Motorradfahren deutlich an Spaß zulegt. Die Kurven wurden immer häufiger und mein Grinsen immer breiter. Jau, so kann es weitergehen.
ZeltwieseWir mussten noch durch einen Tunnel - ich hasse Tunnel, wenn ich aus dem Sonnelicht mit meiner Sonnenbrille auf der Nase in einen schlecht beleuchteten Tunnel einfahren muss - und dann war auch schon der Blick auf den Lac du Bourget frei. Zunächst noch ein Stück in Richtung Chambéry und dann weiter an der Ostseite des Sees nach Aix-les-Baines. Hier hält man sich am Besten in der Richtung nach den Yachthäfen, dann kommt man praktisch zwangsläufig zum Campingplatz Camping du Sierroz.
UmgebungDas schöne an diesem Platz ist neben der Lage, dass es noch eine Wiese für die Zeltcamper gibt. Zeltcamper sind ja wohl offensichtlich auch der Evolution unterlegen, heute reist man als Camper entweder mit Wohnmobil und Anhänger für die Motorräder, oder man mietet sich in ein Mobilheim ein. Hier sind Zeltcamper noch willkommen und die Zeltwiese ist auch ausreichend groß, so dass man den anderen nicht so doll auf die Pelle rücken muss.
RichtfestDer Zeltaufbau geht auch schon leichter von der Hand, die Übung macht sich bemerkbar. Für einen Einkauf von Lebensmitteln in einem richtigen Geschäft ist war wohl schon zu spät, zumal es ja Sonntag war. Die Alimentation des Campingplatzes ließ allerdings sehr zu wünschen übrig. Frisches Gemüse gab es nicht und so mussten wir auf Konserven zurückgreifen. Die Auswahl war auch nicht gerade überwältigend, so dass wir ein Nudelgericht mit reichhaltiger Sauce zurückgreifen mussten. Die Sauce war von den Zutaten her etwas zusammengewürfelt, aber wir mussten uns ja mit den Lebensmitteln begnügen, die hier feilgeboten wurden.
Abendstimung am Lac du BourgetNach dem Essen war noch ein Abendspaziergang fällig und wir genossen die Abendstimmung am See. Das schöne war, dass wir schon in echtem Sommeroutfit unterwegs waren. Kurze Hosen und T-Shirt reichten aus, um nicht zu frieren. Das hatte ich in diesem Jahr noch gar nicht genießen dürfen.
Die SeepromenadeEs wäre toll, wenn die Jeans ab jetzt auch Urlaub haben dürfte. Da wir aber noch weiter und vor allen Dingen auch noch höher in die Alpen wollten, war ich da ehe skeptisch eingestellt. Auch im Sommer kann es abends noch recht frisch in den Bergen sein, so dass man für eine lange Hose und einen Pullover recht dankbar sein kann.

zurück zur Reiseroute

3. Tag

Pause.

Am morgen entschlossen wir uns, nicht direkt weiter zu fahren, sondern den Tag in Aix-les-Baines zu verbringen.
typisches StadtbildAix-les-Baines ist eine Kurstadt und so gestaltet sich das Stadtbild ebenso wie das Publikum. Alles ist recht gepflegt und es gibt sogar einen Kurpark, mit Bühne für Kurkonzerte und viel Grün.
Bananenstauden im KurgartenSogar die bekannte französische Riesenbanana gedeiht hier prächtig. Leider war noch keine Erntezeit, sonst hätten wir uns ein mächtig großes Exemplar abgepflückt.
Pause im CafeAuch hier konnte man gut in einem Cafe sitzen, die Menschen an sich vorüber ziehen lassen und dann und wann ein wenig lästern, obwohl das eigentlich so gar nicht meine Art ist.
See am AbendDas Wetter blieb prächtig und wir beschlossen, morgen in aller Frühe weiter zu fahren. Die Berge riefen uns so sehr, dass wir kaum einschlafen konnten. Eine genauere Planung für den morgigen Reisetag wollten wir nicht machen. Spontaneität im Urlaub ist mir besonders wichtig, mein berufliches Leben ist schon ausreichend genug durchgeplant, so dass ich die Unbestimmtheit und Freiheit im Urlaub so richtig genießen kann.
See am AbendMit der Abendstimmung am See im Gedächtnis ließ sich gut schlafen.

zurück zur Reiseroute

4. Tag

Von Aix-les-Baines nach Colmars les Alpes.

Streckenführung:

Heute sollte es weiter in Richtung Haute Alpes gehen und dabei auch ein deutlicher Schritt in Richtung Süden erfolgen. Wir beschlossen über Grenoble zu fahren und uns dann in eine Gegend zu begeben, die uns aus den Reisen der Vorjahre noch nicht bekannt war. Zwischen Barcelonnette und Castellane liegt der Parc National du Mercantour, den wir zwar schon auf der Route du Haute Alpes kennen gelernt haben, aber wir sind die großen Pässe weiter im Osten gefahren und wollten dieses Mal einige Schluchten befahren.
Blick auf GapNach unserem Aufbruch fuhren wir zunächst über Chambery nach Grenoble. Wir benutzten ausnahmsweise ein Stückchen Autobahn, um nicht durch die Innenstadt von Grenoble fahren zu müssen. Nach Grenoble ging es dann weiter in Richtung Gap. Die Alpen ließen schon sehr eindrucksvoll grüßen. Bei Grenoble ist auch ein Berg, an dem fast immer Drachenflieger und Paraglider zu bestaunen sind. Hier wollten wir unser Frühstück einnehmen, aber es war wohl noch zu früh am Tage. Das Lokal hatte noch geschlossen, aber es waren immerhin schon einige Luftsportbegeisterte am Werke.
AlpenpanoramaKKurz vor Gap kann man ein wunderschönes Panorama genießen. Gap liegt auf einer Hochebene und wenn man von Grenoble aus anreist, hat man eine beeindruckende Aussicht auf diese Hochebene.
PauseAuf der halben Strecke zur Hochebene hinab kann man gut Pause machen. Hier sind auch die Fotos entstanden. Wir überlegten, wie wir am Besten nach Barcelonnette fahren sollten. Mein Vorschlag war zunächst in Richtung Embrun zu fahren, um dann eine kleine kurvenreiche Straße am Westufer des Lac de Serre-Pocon, die D3, zu fahren. Uwe war das zu stressig, er wollte lieber die breit ausgebaute und weniger kurvige D900 fahren. Er war der Meinung, das zum Col du Allos für ihn noch genug Kurven auf dem Programm stehen würden. Wie üblich erfolgte die Einigung schnell und unkompliziert. Wir folgten Uwes Vorschlag und fuhren durch Gap und bogen dann nach Osten ab, um zum Lac de Serre-Pocon zu kommen. Allerdings ging unsere Route nun ausschließlich am Südufer entlang, das landschaftlich ja auch einiges zu bieten hat.
Straße zum Col du AllosIn Barcelonnette bogen wir auf die D908 ab, die zum Col du Allos führt. An einer Gabelung war es etwas unklar, ob wir links oder rechts entlang mussten. Ich studierte die Karte und Uwe versorgte seinen Körper mit Nikotin. Die richtige Abzweigung war die nach rechts und wir begannen mit der Auffahrt zum Col du Allos. Hier mal ein paar Serpentinen und da mal ein paar, alles in allem ein gut zu befahrender Pass.
Col du AllosDie Strecke war nicht besonders aufregend, ein paar Kurven und wir waren oben. Die Aussicht war allerdings sehr schön, aber mir gefallen die Alpen ja sowieso.
Col du AllosTja, und hier natürlich die obligatorischen Beweisfotos von unserer Fahrt über den Col du Allos. Auf der anderen Seite des Passes wollten wir nach einem geeigneten Campingplatz Ausschau halten. Wir wollten ja von hier aus einige Tagestouren unternehmen, um die noch weißen Flecken auf unserer Landkarte zu dezimieren.
Enge PassstraßeAuf der Passhöhe waren eine Menge Leute, fast alle mit dem Auto angereist. Sie benutzen die Passhöhe, um Wanderungen von hier aus zu unternehmen. Ich fragte Uwe, ob er nicht auch zum Gipfelkreuz aufsteigen wollte. Aber Uwe ist eben nicht Louis Trenker und war der Meinung, dass der Aufstieg nicht sein Ding sei.
PassWir genossen noch einige Zeit das Panorama und schauten und die Bergkulisse an.
PanoramaAlso ging es weiter bergab und die Abfahrt war ebenfalls ohne nennenswerte Anforderungen zu bewältigen gewesen.
Die MoppedsUnsere Mopeds waren förmlich von den Autos eingekeilt worden. Man konnte sich gar nicht vorstellen, dass alle diese Leute nun irgendwo in den Bergen herumwandern. Dann ging es weiter in Richtung Tal. Der nächste größere Ort war laut Karte la Foux-d'Allos, den wollten wir uns als Basislager näher anschauen. Als wir den Ort von der Passstraße aus sahen, konnten wir schon ahnen, dass er uns nicht besonders zusagen würde. la Foux-d'Allos ist ein typischer Wintersportort, der aus der Retorte direkt in die Bergwelt implantiert worden ist. Moderne Bauten, die im Winter sicherlich funktional sein mögen, aber ohne Schnee sah es einfach zu grausam aus. Wir machten, dass wir weiterkamen. Selbst wenn hier ein Campingplatz gewesen wäre, hätten wir wohl keine Station bezogen. Fotos habe ich hier keine gemacht, sie könnten nur ein schlechtes Beispiel für die Baukunst abgeben.
ColmarsDann erreichten wir Colmars und das gefiel uns sofort besser hier. Ein Bergdorf mit historischem Ortsteil und einer Festungsruine. Nun brauchten wir nur noch einen Campingplatz, am besten in Ortsnähe. Am Ortseingang gab es das obligatorische Hinweisschild über die Übernachtungsmöglichkeiten und sonstigen Attraktionen von Colmars. Drei Campingplätze waren aufgeführt und wir waren guter Dinge, dass einer von den dreien unseren Wünschen weitestgehend entsprechen würde. So kamen wir zum Camping les Pommiers, der fast wie ein Camping auf dem Bauernhof angelegt war. Ein Wirtschafts- und Wohngebäude, eine große Wiese mit lichtem Baumbestand und ein kleines Sanitärgebäude war die komplette Ausstattung. Zum Ort waren es keine 5 Minuten zu Fuß, was uns auch sehr gelegen kam. Wir schauten uns kurz um und eine ältere Dame behielt uns vom Wohngebäude aus scharf im Auge. Die Inspektion bestand der Campingplatz ohne Mühe, die Sanitäranlagen waren blitzblank und die Wiese war zum Zelten auch klasse. Der einzige Wermutstropfen waren die vielen Spielsachen und Kinderutensilien, die an den anderen Zelten herumlagen. Das lässt immer auf eine kurze Nachtruhe schließen, weil die lieben Kleinen ja meist früh auf den Beinen sind und nicht leise sein können. Bei der Inspektion des Platzes kamen wir auch an einem Zelt vorbei, vor dem Leute saßen. Mit freundlichem bon jours grüßten wir die Mitbewohner und bekamen ein ebenso freundliches Guten Tach zurück. Das Ehepaar kam aus Borken, was so ca. 40 km nördlich von Gelsenkirchen, im nahen Münsterland liegt. So klein ist die Welt. Ich machte mich dann auf den Weg zur Dame des Platzes und erkläre ihr unseren Wunsch. Frei übersetzt sagte sie dazu, dass es ihr schnuppe wäre, wo wir unser Zelt aufstellen würden. Morgens käme ein Auto mit Baguette, das würden wir schon hören. Es mache tüüt-tüüt und dann kann man sich schnell auf die Socken machen, wenn man den Weg ins Dorf zum Baguette-Kauf sparen möchte. Wir schlugen unsere Zelte mitten auf der Wiese auf. Es war zwar der tiefste Punkt auf der Wiese, aber er war auch am weitesten von den Kinderzelten entfernt. Wir gingen noch ins Dorf in die Alimentation und versorgen uns mit Lebensmitteln und Getränken. Wir wollten schnell mit dem Kochen beginnen, um abends noch in den historischen Ortskern zu gehen. Wir kamen gerade um ca. 17 Uhr aus dem Dorf zurück, als sich der Himmel erstaunlich schnell mit Wolken zuzog. Wir hatten unsere Küche gerade aufgebaut und wollten mit dem Vorbereiten des Gemüses beginnen, da vielen die ersten Tropfen. Uwe wollte schnell unter das Vordach des Sanitärgebäudes flüchten, ich war der Meinung, dass die paar Tropfen noch keine ernstzunehmende Bedrohung unserer Kochaktivitäten darstellen würden. Nun gut, wir gingen unter das Vordach und begannen mit dem Kochen. Die Tropfen ließen schnell nach und ich drängte auf eine Rückkehr zu unseren Zelten, um dort unser Essen fertig zu stellen. Direkt am Sanitärgebäude zu kochen und zu essen, ist ja doch nicht so prickelnd. Wir hatten unser Essen beendet und wollten gerade ins Dorf, da ging der Regen wieder sanft los.
ColmarsIch schnappte mir mein Sweatshirt mit Kapuze, Uwe packte seinen Winterfliespullover und seine Regenjacke aus. Der Besuch im Dorf konnte starten. Die alte Stadtmauer war noch vollständig erhalten und nachdem wir den Zugang durchschritten hatten, erwarteten uns engste Gässchen. Wir fühlten uns wie nach einem Zeitsprung ins Mittelalter. Der Eindruck verflüchtigte sich dann, als wir Jazzmusik hörten, die von Saxophonen gespielt wurde. Vor einem Restaurant spielten zwei Musiker ganz flotten Jazz. Wir kehren ein und setzten uns an einen kleinen Tisch. Die Bedienung machte uns sofort klar, dass wir etwas zu essen bestellen mussten, um hier sitzen zu dürfen. Mein Hinweis, dass wir auch gerne ein oder zwei Flaschen Wein bestellen wollten, genügte nicht und wir verließen das Lokal wieder. Ich fand es schade, die Saxophonisten verstanden ihre Kunst und ich hätte mir gerne den Jazz angehört. Aber wir waren so vollgefuttert von unserem eigenen Campingmenue, dass ich es nicht einsah irgendetwas zu bestellen, ohne wirklich etwas essen zu wollen und zu können. Das nächste Lokal war wohl die Dorfkneipe. Wir kehrten ein und wurden sofort in Augenschein genommen. Hier traf sich eine interessante Mischung von jung und älter zum Bier. Wir verstanden zwar die Unterhaltung nicht wirklich, fühlten uns aber trotzdem gut unterhalten. Plötzlich ging draußen wirklich die Post ab. Es war schlagartig dunkel geworden und ein starkes Gewitter ging nieder. Es hagelte und regnete so stark, dass die Dorfstraßen sich sekundenschnell in kleine reißende Bäche verwandelten. Wir schauten uns an und hatten sofort den gleichen Gedanken. Unsere Zelte standen auf der Wiese am tiefsten Punkt. Ich sagte zu Uwe, dass wir ruhig noch ein paar Bierchen trinken sollten, auf dem Campingplatz würden von unseren Zelten und Mopeds sowieso nur noch die Rückspiegel aus dem See herausragen. Wir blieben noch einige Zeit und der Regen ließ soweit nach, dass wir, ohne völlig durchnässt zu werden, zum Campingplatz zurückkehren konnten. Unsere schlimmen Erwartungen waren aber gar nicht eingetreten, die Zeltwiese schien mit einer natürlichen Drainage versehen zu sein. Kein See wurde von uns angetroffen, ja die Wiese war nicht einmal übermäßig sumpfig durch den starken Regen- und Hagelschauer geworden. Durch Uwes Zeltboden war trotzdem etwas Wasser gedrungen, aber seine Sachen waren weitestgehend trocken geblieben. Wir krochen in die Säcke und waren schon auf den nächsten Tag gespannt.

zurück zur Reiseroute

5. Tag

Tagesausflug.

Streckenführung:


KlamottentrocknenNach dem Wolkenbruch am Vorabend nahmen wir unsere Zelte zunächst am Morgen näher in Augenschein. Bei mir war wirklich alles völlig trocken geblieben, Uwe hatte kleinere Wasserschäden zu verzeichnen. Durch den Zeltboden war Wasser eingedrungen, was doch etwas ungewöhnlich war.
StillebenUwe suchte den Zeltboden nach Beschädigungen ab, aber er konnte nichts entdecken. Eine mögliche Erklärung für das Eindringen des Regenwassers waren die von Uwe dem Zelt untergelegten Kunststofffolien. Zwischen diesen Folien und dem Zeltboden hatte sich reichlich Wasser angesammelt, das nicht ablaufen konnte. Uwe wollte die Folien in Zukunft weglassen und packte sie auch sofort ein.
Die FestungIch nutzte die Gelegenheit, um einige Fotos zu machen. Wir wollten heute ja auch einen Tagesausflug machen. Plan war es, zunächst den See Lac d'Allos anzufahren. Was es da genau zu sehen gab, wussten wir nicht, aber so ein Gebirgssee konnte ja auch ganz schön sein. Danach sollte es über den Pass Col du Champs gehen, um die Schluchten auf der anderen Bergseite zu besichtigen. In der näheren Umgebung gab es neben der historischen Altstadt colmars noch die Festung. Wir haben die Festung aber nicht besichtigt, es ist wohl auch nur eine Ruine, die touristisch nicht erschlossen ist. Nachdem Uwe seinen Hausstand wieder eingerichtet hatte und wir unser obligatorisches Frühstück, bestehend aus je einem Croissant und einem Pain au Chocolat bestand, eingenommen hatten, starteten wir unseren Tagesausflug. Das es trotz der Instandsetzungsarbeiten an Uwes Zelt noch recht früh war, lag an den lieben Kleinen unseres Zeltnachbarn. Die grölten schon fröhlich um 6 Uhr auf dem Platz herum, die Eltern waren es entweder gewohnt und gegen den Radau abgestumpft oder sie hatten eine Klinikpackung Ohropax dabei.
Die FestungZunächst sollte es also zum Lac d'Allos gehen. Dazu fuhren wir zunächst wieder in die Richtung des Col du Allos, laut Karte sollte eine kleine Straße oder ein Weg direkt am Ortsausgang von Colmars rechts ab zum See gehen. Wir fuhren los und passten auf, wie die Luchse. Aber nachdem schon der Ort la Foux-d'Allos wieder ins Sicht kam war klar, dass wird die Abfahrt verpasst hatten. Das war nicht weiter schlimm, weil ich an der kurvenreichen Straße viel Spaß beim Fahren hatte. Und ohne Gepäck lassen sich die Kurven doch etwas sportlicher fahren, als mit den Kilos auf dem Mopped. Wir wendeten und sagten uns, dass wir dann eben direkt zum Col du Champs fahren wollten. Also zurück durch die Kurvenorgie. Am Ortseingang von Colmars legte ich eine Pause ein, um auf Uwe zu warten. Direkt gegenüber meinem Standort ging ein kleiner Weg von der Straße ab, der eher so aussah, als ob er auf den Hof der Gebäude führen würde. Es war ein winzig kleines Schild angebracht, dass den Hinweis auf den Lac d'Allos gab. Durch Zufall hatte ich die Zufahrt gefunden. Als Uwe ankam und ich ihm das Schild zeigte, wollte er auch zunächst nicht glauben, dass dieser Weg tatsächlich dem öffentlichen Straßenverkehr zuzuordnen sei. Wir wollten es trotzdem versuchen und stellten uns schon auf eine Offroad-Etappe ein, aber nach wenigen Metern entpuppte sich der unscheinbare Weg als durchaus akzeptabel ausgebaute Kleinstrasse. Wir folgten der Straße ca. 5 Kilometer und wurden dann durch eine freundliche junge Dame an einer Schranke gestoppt. Entweder mussten wir unsere Motorräder hier auf dem Waldparkplatz abstellen und die weiteren 3 Kilometer auf der Straße zu Fuß laufen, oder je Moto 2,50 Euro Maut entrichten. Dabei zeigte die junge Französin mir einen Plan, worauf man die Örtlichkeit relativ detailliert erkennen konnte. Ich wunderte mich darüber, dass der nächste Parkplatz nach der mautpflichtigen Strecke immer noch ein gutes Stück vom See entfernt eingezeichnet war. Ich fragte nach der Länge des Fußwegs zum See und sie antwortete mit, dass es noch ca. 40 Minuten Fußweg von da aus sein könnten. Ich stellte mit Uwe schnell die Einigung her, dass wir zu Gebirgswanderungen mit dem Lederkombi nicht richtig ausgerüstet waren. Wir dankten der jungen Dame und wendeten unsere Motorräder, um wieder talwärts zu fahren. So interessant konnte ein Bergsee nun doch nicht sein.
Am Col du ChampsUnten angekommen nahmen wir die nächste Straße links, um die Auffahrt zum Col du Champs zu beginnen. Auch hier handelte es sich um eine schmale Straße mit maximal 3 Metern Breite. Sie war zwar auch mit einer guten Asphaltdecke versehen und somit gut befahrbar, aber die Spitzkehren waren nicht so ohne. Die waren zu Teil so eng, dass der Wendekreis unserer Motorräder fast nicht ausreichte, um die Kehre zu nehmen. Die Auffahrt ging zunächst durch Wälder und gab dann einen schönen Blick ins Tal frei. Die Passhöhe kam unerwartet, nachdem wir einige felsige Passagen gefahren waren. Die Felsen waren hier schwarz wie Schiefer und wir fragten uns, ob die Färbung durch Waldbrände zustande gekommen war oder ob es sich tatsächlich um Schiefer handeln konnte. Endgültig zu klären war es nicht, da es keine Möglichkeit gab anzuhalten. Die Straße war einfach zu schmal und es kamen ständig andere Fahrzeuge vorbei, so dass wir unsere geologische Expertise nicht abgeben konnten.
Blick in die FerneAn der Passhöhe angekommen machten wir zunächst das Pflichtfoto mit dem Schild. Die Gebirgslandschaft war wie immer eindrucksvoll. Wir staunten, wie viel Menschen diesen doch recht kleinen und abgelegenen Pass besuchten. Sogar die Quengelkinder unserer Zeltnachbarn tauchten mit Familie hier auf und machten hier ihren Lärm, ohne den es in dieser Familie wohl nicht ging. Ein französischer Biker mit Sozia kam ebenfalls an und wir staunten über die Kleiderordnung bei den beiden. Er fuhr mit Jeans und T-Shirt, sie trug noch eine leichte Jacke. Bei den recht niedrigen Temperaturen hier oben, ich war mit meiner Lederkombi recht zufrieden angezogen, war die leichte Kleidung schon recht mutig gewählt. Da die beiden freundlich lächelnd zurück grüßten, konnte es den Beiden ja nicht wirklich zu kalt sein.
Unsere MoppedsIch machte noch ein paar Fotos und wir genossen die Stille der Bergwelt, nachdem unsere Nachbarn weiter gefahren waren. Dann ging es wieder Talabwärts, allerdings an der anderen Seite des Bergs. Nach wenigen Kurven wurde die Straße breiter, als bei der Auffahrt und wir konnten etwas zügiger fahren. Plötzlich kam ein Tier von links den Berg hinuntergestürmt und überquerte ca. 5 Meter vor mir die Straße. Es war ein Murmeltier, das ich fast überfahren hätte. Und ich hatte bislang gedacht, es handelte sich um einen scheuen Gebirgsbewohner, der nicht ahnungslose Motorradfahrer erschreckt.
SchafeEin kurzes Stück weiter trafen wir auf eine große Schafherde, die in der felsigen Gebirgslandschaft kaum auffiel. Die Schafe sahen fast so aus, wie die hellen Felsen des Gebirges und nur durch die ständigen Bewegungen konnte ich die einzelnen Tiere erkennen. Der Schäfer stand am Straßenrand und grüßte uns freundlich. Er entsprach von seinem Aussehen überhaupt nicht meinem Klischeebild von einem Schäfer. Er sah vielmehr wie ein moderner Anhänger des Treckingsports aus, der hier eine kleine Tour mit Tagesrucksack machen wollte.
SchafeHier kann man die Schafe etwas besser erkennen. Ohne den Einsatz des Zooms am Fotoapparat lassen sich die Viecher kaum von der felsigen Landschaft unterscheiden. Die 3 Schäferhunde hatten auch allerhand zu tun, um die Tiere beieinander zu halten. So wie die herum rennen mussten haben sie sich ihr Futter redlich verdient. Die weitere Talfahrt war noch richtig schön. Als wir die Baumgrenze erreichten, gabelte sich die Straße und ich hielt mich einfach rechts, ohne genau zu wissen, wohin die Straße führt. Die Straßenkarte zeigte die Gabelung auch und ein Stück weiter sollten sich beide Straßen wieder vereinigen. Die gewählte Strecke war richtig schön und führte am Berghang entlang an kleinen Anwesen vorbei. Hier schied die Zeit vor 100 Jahren stehen geblieben zu sein. Die Häuser und Höfe waren schon als historisch einzustufen und es machte richtig Spaß hier entlang zu fahren. Kurz vor dem Ort St.Martin-d'Entraunes kamen die beiden Straßenabschnitte wieder zusammen. Wir fuhren weiter bis zum Ort Guillaumes, der für uns den Startpunkt für die Schlucht Gorges de Daluis darstellte.
Die Schlucht Gorges de DaluisDie Schlucht war auch landschaftlich wie kurventechnisch ein tolles Erlebnis. Das Gestein war durchweg rot gefärbt und machte einen unwirklichen Eindruck. Die Straße hatte einen superguten Belag und war trotz der vielen Kurven sehr übersichtlich, so dass ich gut Gas geben konnte. Auf dem Grund der Schlucht fließt der Fluss Tuebi und die Vegetation ist durch Nadelhölzer geprägt. Das einzige unangenehme an der Fahrt durch die Schlucht waren die vielen unbeleuchteten Tunnel, die sich durch meine Sonnenbrille in schwarze Löcher verwandelten. Bei dem kürzeren Tunnel kann man ja den Tunnelausgang sehen, aber es waren ein paar längere dabei, bei denen ich richtig ins Schwitzen kam.
Straße in der SchluchtNachdem der letzte Tunnel passiert war und der Schluchtausgang in Sicht kam, machte ich eine Pause, damit Uwe wieder aufholen konnte. Er schimpfte auch über die unbeleuchteten Tunnel.
rote FelsenWir bestaunten beide die roten Felsen, die wahrscheinlich durch einen hohen Eisenoxydgehalt ihre Farbe erhalten haben. Die Felsen hatten in ihrer Farbe eine große Ähnlichkeit mit denen im Esterel-Gebirge. Kurz nach Castellet-les-Sausses endet die Schlucht und wir bogen rechts ab, um nach Annot zu gelangen. Auch dieser Straßenabschnitt hat uns gut gefallen und wir kamen zügig voran.
Uwe im Cafe in AnnotIn Annot wollten wir erst einmal eine Pause einlegen. Es war wieder recht heiß geworden und wir mussten unseren Wasserverlust im Körper ausgleichen. Ein Cafe am Dorfplatz lud uns zu einer kurzen Rast ein. Uwe hatte mehr geschwitzt und bestellte sich eine Orangina, ich nutzte die Gelegenheit um einen grand Café noir zu bestellen. Wir freuten uns auch schon auf das Abendessen, dass wir bei diesem schönen Wetter vor unseren Zelten zubereiten und auch einnehmen wollten. Unsere Essgewohnheiten, knappes Frühstück - den ganzen Tag keine weitere Nahrungsaufnahme - abends üppiges Mal, waren nicht immer einfach durchzuhalten. Uns knurrte schon reichlich der Magen und so hielten wir uns nicht sehr lange im Cafe auf.
Ich bin auch im Cafe in AnnotEs sollte weiter über eine Nebenstraße in das Tal gehen, in dem ColmaEs sollte weiter über eine Nebenstraße in das Tal gehen, in dem Colmars liegt. Wir fuhren auf der D908 weiter und erreichten das Tal. Hier in diesem Tal entspringt übrigens der Verdon, der ein gutes Stück später die bekannte Schlucht aus den Felsen gefräst hat. Als wir unser Tal erreichten, erschienen die ersten dickeren Wolken am Himmel, die sich immer mehr zu dunklen Wolken an den Bergen zusammen ballten. Je weiter wir fuhren, umso mehr Wolken türmten sich auf und unsere Hoffnung auf ein Abendessen vor den Zelten schmolz dahin. Die letzten 2 Kilometer fuhren wir schon wieder im leichten Regen. Als wir auf dem Campingplatz ankamen, gingen wir sofort in unserer Motorradkleidung zum Lebensmittelgeschäft. Hier kauften wir alles für Nudel mit Käsesauce ein und dachten auch daran, uns mit Getränken zu versorgen. So wie das Wetter sich darstellte, bot es sich voraussichtlich nicht an, abends ins Dorf zu gehen.
Wieder ein GewitterAuf dem Zeltplatz entdeckten wir eine Tischtennisplatte, die von einer Dachkonstruktion ähnlich einer Nissenhütte überdacht war. Sofort beschlossen wir, hier unsere Küche aufzubauen. Der Regen wurde auch immer stärker und auch die anderen Campinggäste beeilten sich, ins Trockene zu kommen. Unter unserer Überdachung standen auch schon 2 Campingstühle von anderen Gästen. Als wir überlegten, die Stühle in Gebrauch zu nehmen, tauchten die Besitzer auf. Ein älteres französisches Ehepaar, das auch nur mit einem kleinen Zelt unterwegs war, gesellte sich zu uns um ebenfalls zu kochen und zu essen.
Kochen an der TischtennisplatteDie Überdachung hatte allerdings einen großen Nachteil. Sie war an beiden Seiten geöffnet und es zog wie Hechtsuppe in unserem Unterstand. Dann zeigte das Wetter, was es alles so konnte und es ging wieder ein kräftiges Gewitter nieder, das dem des Vorabends in keinster Weise nachstand. Wir ließen uns nicht beirren und kochten unser Essen weiter. Dabei wurde auch die eine oder andere Dose Bier geöffnet, so dass der Unterschied zwischen der Luftfeuchtigkeit und der Feuchtigkeit in unseren Körpern nicht zu groß werden konnte. Gerade im Hochgebirge kann das zur gefährlichen Bierembolie führen, und wir wollten dieses Risiko auf keinen Fall eingehen.
Es schüttet wie aus KübelnDas Gewitter nahm sich zum Austoben ausreichend Zeit und wir warteten geduldig ab. Nach 2 Stunden, einigen Bieren und einem leckeren Essen ließ der Regen nach und wir konnten unseren Küchenpflichten nachkommen. Spülen und zusammen packen war angesagt, denn wir hatten beschlossen, am nächsten Morgen weiter zu fahren. Wir verspürten keine Lust darauf, jeden Nachmittag um 17 Uhr mit einem Gewitter beglückt zu werden. Die Überdachung der Tischtennisplatte legte die Vermutung nahe, dass die nachmittäglichen Regengüsse eher zur Regel aus zur Ausnahme gehörten. Abends ließ der Regen soweit nach, dass wir uns noch entschließen konnten, die Dorfkneipe zu besuchen. Die Gäste waren die Selben, wie am Vorabend. Wir amüsierten uns köstlich, weil eine vermeintliche Dame sich als Mann herausstellte. Das Publikum war sehr tolerant und alle hatten ihren Spaß. Um 23 Uhr schien es ein geheimes Signal gegeben zu haben, dass wir nicht erkannt hatten. Alles stand auf, zahlte und ging ihrer Wege. Wir wollten Wirtin und Wirt auch nicht länger belästigen und zahlten unsere Rechnung. Ein Pastis auf Kosten des Hauses rundete den Besuch noch ab und wir trotteten zu unsren Zelten, um in die Schlafsäcke zu kriechen.

zurück zur Reiseroute

6. Tag

Von Colmars les Alpes nach Aups.

Streckenführung:

Heute wollten wir dem nachmittäglichen Regen entfliehen, es sollte in die Provence gehen. Wir haben uns entschieden, einen uns schon bekannten Campingplatz anzufahren. Wir wollten nach Aups auf den Camping International fahren, den wir schon von früheren Fahrten her kannten. Alternativ dazu kamen noch Castellane in Frage, was von der Tagesetappe her, aber noch näher lag. Außerdem sprach für Aups, dass es ein kleines Dorf mit provencialem Charme war und vom Campingplatz her gut zu Fuß erreichbar war. Wir wollten dort unser Glück versuchen. Der Platz war in der Regel gut besucht, so dass es nicht von vornherein klar war, ob wir auch dort bleiben konnten. Da die Etappe relativ überschaubar war, mussten wir nicht unbedingt früh aufstehen. Die Nachbarskinder waren ohnehin ein zuverlässiger und gnadenloser Wecker, so dass die Nachtruhe zeitig beendet war.
Uwe liest aus seiner HandWir packten unsere sieben Sachen. Uwes Zelt war trotz vorabendlichem Gewitter trocken geblieben, das Entfernen der zusätzlichen Bodenfolien hatte sich bewährt. Wir starteten ohne gefrühstückt zu haben, das Frühstück hatten wir für Castellane geplant. Die Fahrt aus dem Tal heraus war schnell erledigt und wir erreichten bei St.André-les-Alpes den Lac de Castillon. Ab hier ging es auf der breiten und gut ausgebauten N202 weiter in Richtung Nizza. Nach der ersten Brücke über den See und vor dem ersten Tunnel machten wir eine kurze Pause. Uwe musste Nikotin nachlegen.
Der Lac de CastillonDer Lac du Castillon hat die typisch türkise Farbe, die auch der Lac de St.Croix aufweist. Über diese Brücke sind wir gekommen und wollen nun bis St.Julien-du-Verdon an der Ostseite des Sees weiterfahren.
türkises WasserDie Farbe des Wassers ist wirklich beeindruckend, wodurch diese Farbe wohl bedingt ist? Der See ist an dieser Stelle noch recht schmal. Die Felsformation am Steilufer macht deutlich, wie der Boden hier durch vorzeitliche Aktivitäten aufgeschoben wurde. Die Gesteinslagen befinden sich schräg zum Wasserspiegel. Hier mussten in der Urzeit gewaltige tektonische Kräfte wirkt haben. Die Straße führt direkt am Ufer entlang und wird bis St.Julien noch von 2 Tunnels begleitet.
SteiluferNach kurzer Pause machten wir uns wieder auf den Weg. Zunächst mussten die beiden Tunnel durchquert werden, dann konnte es ab in die Provence gehen.
viele TunnelDer erste Tunnel war nur ein ganz kleiner, das Ende konnte man schon bei der Einfahrt sehen. Der zweite Tunnel war laut Karte etwas länger. Wir durchfuhren beide und hatten danach einen umfassenden Blick auf den See.
Kurven waren auch daNach dem zweiten Tunnel stoppten wir noch einmal, zwei Biker standen am Straßenrand und hatten, wo wie wir auch, kuchenblechgroße Nummerschilder. Ein Pärchen aus Deutschland stand dort. Die beiden waren ebenso den nachmittäglichen Regengüssen in den Alpen entflohen, wie wir. Sie wollten auch in die Provence fahren und beratschlagten gerade die weitere Route. Wir hielten uns nicht lange auf und fuhren weiter. Die Straße bog vom See ab und wir folgten ihr weiter. Als nach 20 Kilometern ein Hinweisschild auf die Gorges Supres du Cians auftauchte war mir klar, dass ich irgendwo eine Abfahrt verpasst hatte. Wir wendeten und fuhren das ganze Stück zurück. So kann man auch seine Tagesetappen auf eine ordentliche Kilometerzahl bringen. Dieses Mal passte ich besser auf und fand die Abzweigung in St.Julien-du-Verdon auf Anhieb. Wieso ich das Schild beim ersten Versuch nicht gesehen hatte, blieb mir unklar. Aber alles in allem bin ich mit meinen Tourguidefähigkeiten ganz zufrieden und Uwe ließ bislang auch keine Klagen hören. Es ging weiter am See entlang bis Castellane. Dort gab es dann das verspätete Frühstück direkt am Dorfplatz. Mehr als ein trockenes Baguette war nicht drin, alle Lebensmittelgeschäfte hatten geschlossen. Ich vermutete, dass es an der Mittagszeit gelegen haben könnte. Nach kurzer Pause machten wir uns auf den Weg. Wir fuhren auf der N85 weiter in Richtung Nizza, um in Logis-du-Pins auf die D21 nach Draguignan abzubiegen. Wir hätten auch durch die Verdonschlucht fahren können, wollten aber mit dem ganzen Gepäck die einfachere Route wählen. Außerdem wollten wir ein wenig Zeit sparen, damit wir im Falle des Schildes complete am Camping International noch genügend Zeit hätten, um uns um einen anderen Campingplatz zu bemühen. Wir blieben bis Châteaudouble auf der D21 und bogen hier rechts auf die D51 nach Ampus ab. Im Vorfeld wollten wir und in Tourtour umsehen, ob hier auch ein schöner Campingplatz vorzufinden war. Die Straße war eng und in schlechtem Zustand. Es rüttelte mich auf meiner hart gefederten ZX 10 R so richtig durch. In Tourtour folgte ich der Beschilderung und stand dann plötzlich auf einem Parkplatz. Die Schilder waren wohl nicht ganz korrekt angebracht. Also wenden und zurück bis zur nächsten Abzweigung, von rechts waren wir gekommen, also bog ich links ab. Die Straße wurde zum Weg und sie wurde sogar zu einem sehr steilen Weg. Wenden war sowieso nicht möglich, also fuhr ich bis zur nächsten Abzweigung weiter. Ich bog nach rechts ab, der Weg wurde nicht besser. Ich beschloss mein Durchhaltevermögen unter Beweis zu stellen und hielt bei jeder Abzweigung eine westliche Richtung ein. Irgendwann mussten wir ja wieder auf eine breitere Straße treffen. Eigentlich wollte ich ja auf der D77 nach Aups weiterfahren, aber wir trafen auf die Straße nach Villecroze. Über Villecroze war es zwar ein kleiner Umweg, aber was soll's. Zweimal an einem Tag verfahren, dass war doch eher die Ausnahme.
die Haute de ProvenceWir erreichten mit kleinen Umwegen dann doch noch Aups. Am Camping International begrüßte mich Monsieur Pierre wie einen alten Freund. Er konnte sich noch an uns erinnern und bot uns einen schattigen Platz mit eigener Wasserstelle und Laterne an. Wir buchten direkt für 2 Tage und bauten unsere Zelte auf. Als Nachbarn fanden wir abermals ein Ehepaar aus Borken vor. Die beiden waren mit einem Wohnwagen zum ersten Mal in Aups. Abends stieg noch eine große Party in dem neu gebauten Restaurant des Campingplatzes. Das ab mittags schon alle Geschäfte geschlossen hatten lag nicht an der Mittagsruhe. Wir hatten nicht mit bekommen, dass heute der Nationalfeiertag war. Die Party bei Pierre war klasse, er hatte eine Ein-Mann-Band engagiert und der gute Musikus gab wirklich alles an seiner elektronischen Wunderorgel.

zurück zur Reiseroute

7. Tag

Pause.

Eigentlich hatten wir vor uns noch einmal die Verdonschlucht anzuschauen. Es war aber irre heiß und so beschlossen wir einen gemütlichen Tag zu verbringen. Zunächst gingen wir ins Dorf und schauten uns um.
Cafe Central in AupsIm Cafe Central ließ es sich gut aushalten. Der Verkehr auf der Dorfstraße war ja hauptsächlich durch Fußgänger geprägt und so hatten wir jede Menge zu beobachten. Ab und zu haben wir auch ein ganz klein wenig über die Passanten gelästert, aber das war wirklich eher die Ausnahme.
Cafe Central in AupsWir verbrachten eine ganze Zeit im Cafe und genossen den Tag. Dann wollten wir uns doch noch das Dorf anschauen und nachmittags sollte es ja noch zum campingplatzeigenen Swimmingpool gehen. Also packten wir unsere Sachen, wir hatten ja schon das ein oder andere Eingekauft, und machten uns auf die Sighseeingtour durch das Dorf.
DorfgasseZwischen gut renovierten Dorfhäusern waren noch jede Menge historische Gemäuer anzutreffen, die in keinster Weise in den letzten 100 Jahren mit Mörtel oder anderen Baustoffen zur Renovierung in Kontakt gekommen waren. Trotzdem überwiegen die liebevoll hergerichteten Dorfhäuser, die sich in den engen Gassen aneinander reihen.
OleanderWenn man aus dem Dorf heraus kommt, haben auch größere Sträucher und Blumen eine Chance. Der Oleander blühte in voller Pracht, obwohl sich wohl keiner wirklich um den Strauch kümmerte. Was man bei uns zuhause mit viel Aufwand am Leben erhalten muss, wächst hier einfach so in der Gegend herum.
OleanderDen Rest des Tages verbrachten wir noch am Swimmingpool, wir wollten uns schon etwas vorbräunen, damit es am Meer nicht zu sehr auf der Haut brutzelt. Am Abend bereiteten wir uns noch ein Leckerchen in den Trangias zu. Es gab gebratenes Gemüse in Knoblauchquark eingelegt, dazu Baguette und Rotwein. Das dauert zwar ewige Zeiten, bis man das ganze Gemüse in den Trangias gebraten hat, aber das Ergebnis rechtfertigt jeden Aufwand. Das Gemüse wird dann schichtweise in einem der Trangiatöpfe mit dem Knoblauchquark bedeckt und etwas ziehen gelassen. Das schmeckt gerade an heißen Tagen wirklich gut, auch wenn am nächsten Tag kaum jemand mit einem reden möchte. Aber Opfer müssen eben gebracht werden, wenn’s so lecker schmecken soll.

zurück zur Reiseroute

8. Tag

Von Aups nach Cavalaire sur Mer.

Streckenführung:

ABC
Melone zum FrühstückAm nächsten Morgen ging es früh zur Sache. Wir wollten nicht unbedingt in der Mittagshitze losfahren. Es wurde schnell gepackt und aufgerödelt. Zum Frühstück gab es eine Melone, die wir am Vorabend eigentlich als Dessert vorgesehen hatten. Wir hatten aber abends schon so die Bäuche vom Hauptgericht voll gehabt, dass die Melone nun als Frühstück herhalten musste. Zur Fahrt kann man sagen, dass wir zunächst zum Camping les Tournels gefahren sind. Den kannten wir auch schon und haben ihn aufgrund seiner Sauberkeit und seiner relativen Nähe zum Meer schätzen gelernt. An der Rezeption wurde uns klar, dass wir nicht die größte Auswahl an freien Plätzen treffen konnten. Die freundliche Dame an der Rezeption zeichnete uns 5 freie Plätze in einem Lageplan an. Davon waren 3 im unteren Bereich des Hügels, auf dem der Campingplatz sich befindet. 2 Plätze waren höher gelegen und schieden für Uwe schon mal grundsätzlich aus. Er wollte einen Anstieg zum eigenen Platz nicht in Kauf nehmen. Der erste Platz, den wir uns anschauten war auf einem separaten Platzteil ohne eigene Sanitärversorgung in Mitten von Mobilheimen. Zu dem konnten wir uns nicht entschließen. Der zweite Platz lag zwar auf dem Hauptplatz, aber direkt zwischen der Straße und dem campingeigenen Parkplatz. Der gefiel Uwe ganz gut, weil er ja ebenerdig lag, aber hier legte ich ein Veto ein. Camping wie auf einem Parkplatz war nicht mein Ding. Der dritte und letzte Platz ohne größere Höhenanstiege lag etwas weiter hinten auf dem Gelände. Wir mussten ein Stück weit laufen und kamen dabei in der Mittagshitze gut in Schweiß. Der Platz war für mich durchaus gut gelegen, einen eigenen Bereich mit Meerblick fand mich ganz gut. Uwe war mit seiner Kondition am Ende und die 50 Meter Entfernung zum Sanitärgebäude veranlasste ihn dazu nun seinerseits ein Veto einzulegen. Da brauchten wir nicht lange diskutieren, wir gaben den Lageplan wieder ab und beschlossen noch 3 Orte an der Küste anzufahren, um einen Campingplatz zu finden, der unser beiden Ansprüchen genüge tat. Wir fuhren auf der Küstenstraße in Richtung le Lavandou weiter und kamen über la Croix-Valmer nach Cavalaire-sur-Mer. Hier gab es 3 Hinweisschilder auf Campingplätze. Ich folgte dem Schild, was in Richtung Meer und nicht den Hügel hinauf wies. Wir erreichten den Campingplatz Camping de la Baie . Wir waren zunächst sehr skeptisch, weil alles sehr eng aussah und wir verspürten beide wenig Lust, unsere Zelte zwischen Wohnwagen aufzuschlagen. An der Rezeption nahm man unsere Wünsche entgegen und ein Mitarbeiter des Platzes fuhr mit dem Motorroller vor, um uns einige Plätze zu zeigen. Gleich der erste Platz sah recht gut aus, im hinteren Bereich des Campingplatzes war das Gedränge nicht so groß. Wir sagten dem Mitarbeiter, dass wir hier bleiben wollten. Er sagte, wir sollten in Ruhe alles aufbauen und dann an der Rezeption Bescheid sagen. Wir hatten gerade alles aufgebaut und unsere Motos auf einem Schotterstreifen gegenüber unserem Platz aufgebaut, da kam Monsieur mit dem Motorroller wieder vorbeigerauscht. Ob wir unsere Motos nicht etwas anders hinstellen könnten, fragte er. Zum Beispiel an einer Laterne, die zu Beginn des Schotterstreifen stand. Lieb wie wir sind, haben wir die Motorräder wieder aufgeschlossen und an der Laterne geparkt. Kurz darauf kam ein Franzose mit Auto und Bootsanhänger an. Er und seine Frau stiegen aus und rangierten mit viel Mühe den Anhänger auf das Stück Parkstreifen, dass wir zuvor geräumt hatten. Hilfe hatten die beiden abgelehnt, sie wollten sich wohl gerne selbst abrackern. Dann ging es ans Abschließen des Anhängers, der gute Mann musste wohl Vertreter für Ketten und Schlösser gewesen sein. Eine Wahnsinnskette mit dickem Vorhängeschloss wurde mehrfach kunstvoll um den Hebel der Anhängerbremse geschlungen und verschlossen. Wir schauten uns das Kunstwerk später an und fragten uns, was das wohl bewirken sollte. Den Hebel konnte man trotzdem bewegen und so die Anhängerbremse lösen. Nun denn, wir konnten uns nicht um alles kümmern, außerdem mussten wir uns ja noch ordnungsgemäß anmelden. Gesagt - getan, wir hatten einen Platz gefunden, der sogar gar nicht weit vom Meer entfernt war. Zu Fuß waren es ca. 10 Minuten, die wir laufen mussten. Wir gingen in den Ort und versorgten uns mit Lebensmitteln. Nachdem wir gekocht und gegessen hatten, machten wir uns noch einmal stadtfein und erkundeten den Ort. Es war zwar ein richtiger Touristenort, ohne den Charme von den älteren Orten in der Provence, aber hier pulsierte das Leben und das Hafenviertel war besonders lebhaft. Wir waren mit unserer Ortswahl durchaus zufrieden.

zurück zur Reiseroute

9. Tag

Pause.


MeerBeim Frühstück kam unser Franzose mit dem Bootsanhänger vorbei, das grpße Zodiacboot sollte heute wohl auch ins Wasser dürfen. Er rödelte seine Supersicherheitskette wieder ab und schob den Anhänger auf die Kupplung. Anschließend sperrte er seinen Parkplatz gegen unbefugtes benutzen, indem er eine Schnur auf den Boden legten und so seinen Stellplatz markierte. Wir konnten uns das Grinsen nicht ganz verkneifen. Wir nahmen heute den Ort etwas näher unter die Lupe und begannen mit dem Strand. Der Blick aufs Meer ist doch immer wieder schön.
MeerNun gut, es war nicht gerade einsam am Strand, aber nach den Tagen im Gebirge und der Provence war ein etwas lebhafterer Ort gerade recht.
WohlfühlenIch konnte von mir sagen, dass ich mich sehr wohl fühlte und auch Uwe bestätigte mir sein ausgesprochen ausgeprägtes und unverschämt gutes Urlaubsgefühl.
Uwe in der BarAbends besuchten wir wieder das Hafenviertel mit seinen vielen Restaurants und Bars. Über die preise durfte man zwar nicht wirklich nachdenken, aber der Urlaub dient ja nicht unbedingt zum sparen und wir gönnten uns somit auch die reichlich überteuerten Preise in den Lokalen. Ich bin auch dortIch denke, jeder kann sehen, dass wir uns hier nicht gerade unglücklich gefühlt haben. Als wir abends an unserem Platz ankamen, rollte auch der Franzose wieder an. Wir hatten geglaubt, das Boot dürfte nun im Wasser bleiben und nur der leere Anhänger würde hier abgestellt. Aber weit gefehlt, das Boot war wieder auf dem Anhänger und er hatte wohl vor, jeden Tag die Prozedur zu wiederholen. So kommt wenigstens keine Langeweile im Urlaub auf. Als der gute Mann aus seinem Auto stieg, ging noch einmal die Sonne auf. Ein gekochter Hummer würde neben diesem Menschen wie ein Kalkeimer aussehen, so einen Sonnenbrand hatte er sich eingefangen. Das Boot blieb auch am nächsten Tag im Trockenen, er musste wohl sein erstes Sonnenbad verarbeiten.

zurück zur Reiseroute

10. Tag

Tagesausflug.

Streckenführung:

Heute wollten wir mal nicht am Strand faulenzen, sondern eine Tour durch das Massif des Maures unternehmen. In diesem Zusammenhang wollten wir auch noch Emmerich besuchen, der in Cogolin lebt, und den wir aus dem letzten Jahr her kannten. Morgens war der Himmel etwas verhangen und einige warme Regentropfen vielen, aber ab Mittags klarte es auf und wir machten uns auf den Weg. Die Küstenstraße von Cavalaire nach le Lavandou ist sehr schön zu fahren. Es war aber recht viel Verkehr und die Möglichkeiten zu überholen bieten sich nicht so oft. So musste ich recht häufig an Abzweigungen und Kreisverkehren auf Uwe warten, wenn ich eine Überholmöglichkeit genutzt hatte. So auch am Ortsausgang von le Lavandou. Dort befindet sich ein großer Kreisverkehr, den ich durch französische Fahrweise recht schnell passiert hatte. Am nächsten Kreisverkehr wartete ich auf Uwe, aber er kam und kam nicht. Also machte ich die 180 Grad-Wende und fuhr zum letzten Kreisverkehr zurück. Dort fand ich Uwe am Straßenrand stehend, sein Motorrad lief nicht mehr. nichts geht mehrMeine Frage ob ein Unfall oder eine Panne passiert sei, war schnell geklärt. Beim Drücken auf den Starterknopf kam so gut wie gar nichts mehr zustande. Die Batterie war total leer. Die Frage war nur, wie das während der Fahrt passieren konnte. Lag ein elektrischer Defekt der Lichtmaschine oder des Reglers vor, oder war die Batterie von vornherein so schwach gewesen? Wir beratschlagten, was wir nun unternehmen wollten. Da gab es drei Möglichkeiten. Zum einen konnten wir uns eine neue Batterie besorgen und sie einbauen. Aber was war, wenn es an der Batterie nicht gelegen hatte?
defektes Mopped und Fahrer
Zum anderen konnte Uwe ja den ACE-Automobilclub anrufen und einen Abschleppwagen anfordern. Dieses Prozedere war uns aber ja wohlbekannt. Stundenlanges diskutieren, abschleppen zu irgendeiner Werkstatt und die Ungewissheit, ob die Werkstatt ein Interesse daran hatte, das Motorrad schnell wieder in Gang zu setzten. Die dritte Möglichkeit war, Emmerich anzurufen und ihn um Hilfe zu bitten. Das hat Uwe dann auch getan und Emmerich kam mit einem Motorradanhänger recht schnell zum Ort des Geschehens. Uwes Mopped war schnell aufgeladen und wir fuhren durch das Massif des Maures nach Cogolin. Emmerich und Uwe fuhren mit dem Auto und ich mit meinem Motorrad hinterher. In Cogolin hat Emmerich eine mit Werkzeug gut ausgestattete Garage und zufällig war auch jemand da, der sich mit Fahrzeugelektrik auskannte. Die Prüfung der Batterie ergab, dass sie tatsächlich kaum noch Kraft hatte. Auf dem Prüfstand
Es blieb die Frage, ob eventuell die Lichtmaschine oder der Regler einen Knacks weg hatten. Uwe entschloss sich dazu, eine neue Batterie zu kaufen. Emmerich setzte sich auf seinen Motorroller und besorgte eine neue Batterie. Sie wurde sofort mit Säure gefüllt und an das Ladegerät angeschlossen. Wir nutzten die Zeit, um etwas zu plaudern. Das Fischereihafenrennen in Bremerhaven wurde noch einmal Revue passiert und ergiebig kommentiert. Nachdem die neue Batterie randvoll war, wurde sie eingebaut und das Ergebnis war wie erwartetet. Uwes Motorrad sprang sofort an. Wir verabschiedeten uns und verabredeten und für den Abend in Cavalaire mit Emmerich, um uns bei einem leckeren Essen weiter zu unterhalten. Der Abend wurde dann etwas feucht-fröhlich und dauerte auch recht lange. Wir amüsierten uns gut und konnten auch gut nach dem Rosé schlafen.

zurück zur Reiseroute

11. Tag

Pause.


Azur,...Der heutige Tag stand ganz im Dienste der Bräune, des Badens und der Faulenzerei. Obwohl bei so viel Sonne und einem derartig blauem Himmel es ja auch schon eine großartige Leistung ist, den Tag ruhig am zu verbringen.
Azur,...Manch einer macht sich gar keine Vorstellung darüber, wie anstrengend es ist, zuerst in der Sonne zu braten und sich dann unerschrocken in die erfrischenden Fluten des Mittelmeers zu stürzen. Dazu gehört es wirklich an einer gehörigen Portion Unerschrockenheit und Opferbereitschaft.
noch mehr AzurAber wir haben auch dieses Opfer gebracht und mit viel Willenskraft den Tag am Strand überstanden.
Sommer, Sonne, StrandAllerdings waren wir nicht ganz alleine am Strand. Aber das konnte der Sache auch keinen Abbruch tun. Wir genossen aus vollen Herzen diesen herrlichen Strand- und Badetag.


zurück zur Reiseroute

12. Tag

Tagesausflug.

Streckenführung:

FrühstückHeute sollte der zweite Versuch eines Tagesausflugs gestartet werden. Wir standen früh auf und nahmen unser Frühstück ein. Wir hatten hier ja den Luxus einer kleinen Mauer, so dass wir auf unsere Couch verzichten konnten.
Panorama mit MeerDie Strecke sollte an der Küste entlang, bis le Lavandou führen und von da aus nach Collobriers gehen. Es gab viel Verkehr auf der Küstenstraße und so waren wir froh, als wir ins Massif des Maures abbiegen konnten. Nach wenigen Metern ist man dann in der unberührten Natur und kann das Panorama genießen. ZigarettenpauseDie Die Straße ist schmal, aber in guten Zustand. Wir waren die Strecke schon einmal in der Vergangenheit gefahren, da war der Straßenzustand noch wesentlich schlechter gewesen. Selbst hier in so entlegenen Gebieten werden in Frankreich die Straßen in guten Zustand versetzt, daran könnten sich die deutschen Politiker mal ein Beispiel nehmen. Außerdem fällt mir auf, dass fast alle Leitplanken mit einem Unterruschschutz versehen sind. Die meisten mit dem älteren Modell, indem einfach ein weiteres Paar Planken im unteren Bereich angebracht worden sind. Es gibt aber auch viele Leitplanken mit einem moderneren Schutz für Motorradfahrer, der durch angebrachte flexiblere Rohre, die in der Mitte halbiert sind. Da nimmt dieses Halbrohr wohl schon einiges der Aufprallenergie auf, so dass die Verletzungsgefahr gesenkt werden kann.
kurzes gerades Stück StraßeDie Straße verläuft durchweg kurvig und ist an den meisten Stellen auch recht unübersichtlich. Aber es gibt auch kurze gerade Abschnitte, hier hatten die Straßenbauer wohl keine Lust mehr immer nur Kurven zu bauen.
NaturDie Vegetation ist durchweg von Nadelhölzern geprägt. Die typisch mediterrane Pflanzenwelt hat sich auch hier im Massif des Maures breitgemacht. Und wirklich hoch ist dieses Massif des Maures ja auch nicht, so dass sich der Bewuchs nicht wesentlich von der Küstenlandschaft unterscheidet.
BriefkastenAuch in dieser abgelegen Gegend wohnen noch Menschen. Wir konnten zwar das Haus nicht entdecken, aber an dieser Abzweigung von der Straße war ein Briefkasten angebracht worden. Wahrscheinlich hat der Briefträger so lange wegen des steilen Aufstiegs protestiert, bis die Hausbewohner direkt an de Straße den Briefkasten angebracht haben. Also, ich kann den Briefträger gut verstehen.
PanoramaEin kleines Stück weiter hat man einen schönen Blick auf das Meer. Da ich wieder ein gutes Stück Vorsprung vor Uwe hatte, nutzte ich die Zeit um die Gegend zu fotografieren. Das Panorama ist wirklich toll und die Pause hat sich gelohnt. Wenn man fährt, kann man sich ja doch nicht so intensiv mit der Landschaft beschäftigen, sondern sollte sich doch aufs Fahren konzentrieren.
PanoramaDas Meer ist auf dem Foto nicht so gut zu erkennen. Das liegt unter anderem daran, dass der Himmel fast die gleiche Farbe hatte und ja auch kein Wölkchen für einen Kontrast sorgte. Und das war auch gut so, denn gutes Wetter ist für den Motorradfahrer doch eine feine Sache und Wolken hatte ich ja auch nicht mitgebucht.
Warten auf UweIch erreichte den Col de Azbaou und fuhr noch ein Stück weiter. Ich musste mal eine Pause einlegen, weil ich wohl doch ein gutes Stück voran gefahren war. Mein Motorrad stand einsam am Straßenrand und wir warteten auf Uwes Ankunft. Einige Ausflügler mit dem Auto gesellten sich nach kurzer Zeit zu uns. Ob sie glaubten, hier sei ein schöner Platz für ein Picknick, weil mein Motorrad dort stand?
Da kommt er jaEndlich erreichte auch Uwe den Platz und wir fuhren wieder gemeinsam los.
häufiges VerkehrsschildDie Strecke war wirklich kurvenreich und das Schild war eigentlich an dieser Stelle völlig überflüssig, weil man sich ja mitten auf der Strecke befand. Was anderes, außer weitere Kurven sollte es hier denn geben?
Pause in CollobriersIn Collobriers fuhren wir ein Cafe an, das am Marktplatz des Orts liegt. Dort gab es dann auch einen Cafe für mich und wir sahen dem Treiben auf dem Markt zu. Ein paar Tische weiter saß sogar der Bayer wieder bei seinem Pastis, den wir im letzten Jahr dort getroffen hatten. Er erkannte uns aber nicht wieder. Wir schauten dem Treiben auf dem Markt eine Weile lang zu und beschlossen dann aufzubrechen. So gestärkt sind wir dann weiter gefahren zum den Col des Fourches. Die Straße ist eine alte, schmale Passstraße, die sich aber in guten Zustand befindet. Wir wollten an der Passhöhe noch einmal Halt machen und dort absprechen, ob wir auch zur Kapelle des Angas fahren wollten.
Col des FourchesNach kurzer Fahrtzeit kamen wir an der Passhöhe an. Wirklich hoch ist der Pass ja nicht mit seinen etwas über 500 Metern über Normalnull, aber wenn man bedenkt, dass das Meer ja nur wenige Kilometer entfernt liegt, kann man sich vorstellen, dass es doch recht steil hinauf geht. Zum Kapelle, oder was immer hier auch anzutreffen ist, sind wir dann doch nicht gefahren. Wir wollten weiter die Kurven genießen und dann am Ende der Passstraße nach la-Garde-Freinet abbiegen, um dort die Serpentinen zu genießen.
Kurven werden angekündigtDas Schild ließ auch keinen Zweifel über die Straßenführung zu. Mit Kurven ist man hier wahrlich nicht sparsam umgegangen und das ist auch gut so.
Boh ey, 9 km KurvenSolche Schilder würde ich mir in Nordrhein-Westfalen auch wünschen, aber wahrscheinlich werden bei uns solche Straßen nicht gebaut, weil es bei uns immer sehr gradlinig und ordentlich zugehen muss.
Uwe an den MoppedsNach der Pause sollte es nun weiter talwärts gehen. Wir freuten uns schon auf die kurvenreiche Strecke, aber es kam mal wieder anders, als wir dachten. Nach kurzer Strecke sah ich im Rückspiegel, dass Uwe wieder Probleme mit seinem Motorrad hatte. Der Scheinwerfer war aus und Uwe rollte so langsam aus.
Blick in die ProvenceWir konnten uns das nur so erklären, dass die Batterie, die ja am Vortag frisch geladen neu eingebaut worden ist, nicht durch die Lichtmaschine nachgeladen worden ist. Die Fahrt mit Beleuchtung konnte dann die Batterie wieder vollständig entladen haben. Uwe hatte sein Mopped in dieser Situation nicht mehr wirklich lieb und ich konnte ihn gut verstehen. Wir beschlossen, das Motorrad im Schatten etwas abkühlen zu lassen. Vielleicht hatten ja die hohen Temperaturen die Elektronik ins Schwitzen gebracht.
Blick in die ProvenceIch nutzte die Gelegenheit, um den Blick ins Landesinnere zu richten und Fotos zu machen. So richtig genießen konnte ich es aber nicht, weil die Pannenhäufigkeit mir nun auch wirklich Sorge bereitete. Uwes Mopped streikte also schon wieder, mitten während der Fahrt gingen alle Lichter aus, und Uwe konnte es auch nicht wieder in Gang bringen.
wieder geht nichts mehrWir überlegten gemeinsam, was nun zu tun war. Auch nach einer halbstündigen Abkühlzeit wollte sich das Motorrad nicht mehr starten lassen. Uwe beschloss dann, Emmerich noch einmal um Hilfe zu bitten. Der Anruf ergab aber, dass Emmerich in frühestens 2 - 3 Stunden Zeit haben würde. Er war bei einem Kunden und musste noch eine Probefahrt mit der Motoryacht des Kunden machen. Ich hatte keine große Lust hier abseits stundenlang zu warten. Da es bergab ging, konnte Uwe ja seine Maschine rollen lassen. Am Ende der Passstraße sollte laut Straßenkarte der Ort Gonfaron kommen.
Rollen bergabMit etwas Glück rollte das Mopped ja bis zum Ort oder zumindest bis kurz davor. Dabei versuchte Uwe noch mehrmals den Motor beim rollen zu starten, aber es blieb ohne Erfolg. Kurz vor Gonfaron War das Gefälle der Straße vorbei und die Maschine rollte aus. Ich fuhr weiter bis nach Gonfaron, um festzustellen wie weit es noch war und ob vielleicht eine Motorradwerkstatt dort ansässig war. Die Entfernung betrug noch ca. 2 km, eine Motorradwerkstatt gab es nicht. So fuhr ich zurück. Uwe überlegte, ob er das Motorrad bis Gonfaron zu schieben, aber ich konnte es ihm ausreden. Befürchtungen über eine Diebstahlgefahr brauchte er ja wohl nicht zu hegen. So beschlossen wir, das Motorrad stehen zu lassen und nach Gonfaron zu fahren, um dort das weitere Vorgehen zu beraten. Uwe kam so in den ungewohnten Genuss eines Sozias.
Frust im CafeWir setzten uns ins nächste Cafe und spielten die verschiedenen Möglichkeiten durch. Ich sah mich schon alleine nach Deutschland zurückfahren, was nicht zu meinen schönsten Vorstellungen gehörte. Nach 2 Stunden riefen wir noch einmal Emmerich an. Er war fast fertig und wollte sich dann wieder mit Anhänger auf den Weg zu uns machen.
Frust im CafeWir waren beide nicht besonders gut gelaunt. Uwe verspürte doch einen reichlichen Hass auf sein Mopped und mir lag die Aussicht, alleine die 1.300 Kilometer zurück zu fahren auch etwas im Magen. Wir verließen das Cafe und setzten uns auf dem Dorfplatz auf eine Bank. Ich stiefelte los, um uns einen kleinen Imbiss zu besorgen und kehrte mit Ziegenkäse und Baguette zurück. Es war ja mittlerweile später Nachmittag geworden und unsere Mägen verlangten nach ihrem Recht. Die kleine Ausfahrt war nun gar nicht nach unserem Geschmack verlaufen und das geplante nachmittägliche Bad im Mittelmeer viel nun auch endgültig ins Wasser. Blöde Kiste, konnte man da nur sagen. Emmerich war nun schon auf dem Weg zu uns und traf auch bald ein. Wir fuhren zum Motorrad von Uwe zurück. Emmerich nahm es in Augenschein und stellte fest, dass der Notaus-Schalter auf der Stellung Aus stand. Nachdem er den Schalter wieder in die On-Position gebracht hatte, lies sich das Motorrad Widerspruchslos starten. Ob Uwe versehentlich an den Schalter gekommen war ließ sich nicht klären und war ja eigentlich auch nicht von Belang. Wir beschlossen, zu Emmerich zu fahren und die Elektrik noch einmal zu testen. Vielleicht hatte sich die Batterie ja in der Ruhephase erholt und das Problem konnte jederzeit wieder auftreten. Nach ca. 1 km riss dann der Kupplungszug von Uwes Motorrad. So musste es doch noch auf den Anhänger geladen werden und Emmerich war nicht ganz vergebens mit dem Anhänger angereist. Bei Emmerich wurde die Elektrik nochmals gecheckt und Emmerich besorgte einen Bremszug von einem Fahrrad, der auch gut als Kupplungszug funktionierte. Der Elektrikcheck verlief positiv, es war kein Fehler festzustellen. Wahrscheinlich war Uwe doch nur versehentlich während der Fahrt an den Notaus-Schalter gekommen. Wir fuhren am Abend zurück zum Campingplatz. Am nächsten Morgen wollten wir ja die Rückfahrt antreten.
Prost UweWir beschlossen an diesem Abend nicht selbst zu kochen und aßen eine Pizza und ein Omelett im Campingplatzrestaurant. Die Bedienung war richtiggehend unfreundlich und verspürte wenig Lust die Kunden zu bedienen. Nachdem wir die Speisen zu uns genommen hatten, wollten wir zahlen und anschließend am zelt noch ein Bier trinken. Der Kellner ließ sich mehrfach um die Rechnung bitten, ohne Anstalten zum Kassieren zu machen. Wir beschlossen, dass Uwe noch einmal um die Rechnung bat und ich derzeit im Campingplatzladen noch ein Sixpack Bier kaufen gehen wollte. Wenn ich mit dem Sixpack zurückkehrte und der Kellner immer noch nicht in Wallung gekommen war, sollte er zusehen wer die Rechnung begleicht. Der Kellner ahnte wohl den Verdruss und kam zeitgleich zu mir mit der Rechnung. Da hatte er noch einmal Glück gehabt. Wir gingen zum Zelt und bereiteten uns mental auf die Rückreise vor.

zurück zur Reiseroute

13. Tag

Von Cavalaire sur Mer nach L'Isle-s-le-doubs.

Streckenführung:

und wieder wird gepacktAm frühen Morgen geht es wieder los. Dieses Mal leider schon wieder in Richtung Heimat. Geplant ist eine Rückfahrt in 3 Tagen. Zunächst durch die Provence zur Route Napoleon, die wir bei Sisteron erreichen wollten. Zuerst geht es auf der Küstenstraße entlang bis Hyéres und ab da in Richtung Norden quer durch die Provence.
ProvenceBei dieser Streckenplanung werden wir in diesem Jahr wohl keine Lavendelfelder riechen oder sehen. Das ist sehr schade, weil ich diese Sinneseindrücke wirklich supertoll finde. Aber ich konnte zumindest für die Augen einen kleinen Ersatz finden. Große Sonnenblumenfelder säumten unseren Weg. Insbesondere in der Gegend von Manosque haben wir einige davon genießen dürfen.
Sonnenblumen
Sonnenblumen 2
Sisteron erreichten wir dann doch recht schnell und das war auch gut so. Wir waren ja ohne Frühstück losgefahren und verspürten doch allmählich einen recht großen Hunger. Im Ruhrpott würden wird sagen, wir verspürten ziemlichen Kohldampf. Sisteron ist eine bemerkenswerte Stadt. Sisteron I Lage an dem Durancedurchbruch ist schon beeindruckend und die Festung auf dem Berg tut ihres dazu. Wir machten unsere Pause direkt in dem Bergeinschnitt am Ende der Stadt und es pfiff ein gehöriger Wind durch diesen Spalt. Leider stellte sich heraus, dass dieser Wind nicht nur durch diese Spalte im Gebirge zustande kam, sondern auch auf der kompletten Ebene gleichermaßen böig wehte. Das machte das Motorradfahren nicht gerade zum reinen Vergnügen. Die voll bepackten Motorräder waren doch recht windempfindlich und wir hatten reichlich zu kämpfen, um auf unserer Fahrbahnhälfte zu bleiben. Die Stummellenker an meiner Ninja tun ihres dazu, die Unterarme werden doch stark beansprucht. Die Windböen kamen auch völlig unberechenbar, manchmal kann man ja an der Vegetation schon erkennen, wo es besonders stark bläst. Dies war hier nicht der Fall und wir mussten sehr konzentriert fahren. Sisteron II Durance Sisteron III Die Festung
Erst der Gebirgszug vor Grenoble brachte den Wind zum stillstand und wir konnten die Passstraßen genießen ohne ständig von Windböen belästigt zu werden. Auch hier gibt es idyllische Dörfer entlang der Route Napoleon. Der Blick in die Ebene von Grenoble ist ebenfalls ein Augenschmaus. Dorf vor Grenoble
Uwe macht Pause Wir machten eine Pause, bevor wir durch Grenoble fahren wollten. Hoffentlich gelingt es mir halbwegs anständig an Grenoble vorbei zu kommen, ohne wieder in die Innenstadt zu gelangen. In der Vergangenheit habe ich oftmals die falsche Autobahnabfahrt der Stadtautobahn erwischt und bin dann prompt in der Innenstadt gelandet. Uwe ist mir bei der Richtungswahl auch keine große Hilfe. Seine Spezialdisziplin besteht darin, hinter mir herzufahren. Auf kurvenreichen Strecken schafft er es zwar nicht den Anschluss zu halten, aber ich warte ja bei jeder unklaren Straßenabzweigung und an jedem Kreisverkehr dann auf ihn. So konnten wir es bisher vermeiden, dass wir uns während der Fahrt verlieren.
Der Berg und ich
Tal von Grenoble In diesem Jahr habe ich Grenoble aber bravourös umfahren und sogar die richtige Autobahnabfahrt erwischt, so dass wir direkt in Richtung Voiron und dann nach Bourg-en-Bresse weiterfahren konnten. Die Strecke bis Bourg-en-Bresse war ziemlich ätzend zu fahren. Viele kleine Dörfer, die völlig mit Autos verstopft waren, hinderten unser Vorankommen. Außerhalb der Ortschaften war das Überholen oft schwierig, weil die Straßenführung doch sehr unübersichtlich war. Die LKW trugen zum Schleichtempo auch noch einiges bei.
Baum sonstwo Wir machten nur noch eine größere Pause in einem kleinen Dorf. Danach wurde nur noch zum Tanken gestoppt.
Hallo ... Am Abend erreichten wir dann endlich l'Isle-s-le-Doubs, ein Dorf was wir schon aus vergangenen Frankreichreisen kannten. Der Campingplatz Camping des Lumes war recht voll, aber da es sich um einen Durchgangsplatz handelt, auf dem die meisten nur eine Nacht verbringen, konnten wir ein Plätzchen für unsere Zelte finden. Am Abend gab es dann noch Nudeln in unserem Stammlokal, eine kleine Pizzeria am Dorfplatz. Dann ging es auch schnell in den Sack, die ca. 700 km Landstraße steckten uns doch in den Knochen.
Abendlager

zurück zur Reiseroute

14. Tag

Von L'isle sur le doubs nach Gelsenkirchen.

Streckenführung:

Die Rückfahrt verlief unspektakulär. Morgens war, wie immer an der Doubs, das Zelt vom Tau komplett durchnässt. Ein Gewitterschauer könnte das nicht besser vollbringen. Auch alle Kleidungsstücke, die nicht in meinen wasserdichten Packbeuteln verstaut gewesen sind, waren klamm. Wir beschlossen nicht, wie ursprünglich geplant, durch die Champagne zu fahren, was mit einer weiteren Übernachtung verbunden gewesen wäre, sondern in Montbéliard die Autobahn zu nehmen. Das Wetter war so durchwachsen, dass wir keine Lust auf die bevorstehenden Regengüsse hatten und schnell nach Hause kommen wollten. Außerdem trauten wir dem technischen Zustand von Uwes Motorrad auch nicht wirklich über den Weg. Die beiden Pannen wirkten da noch nach, obwohl am gestrigen Tag das Motorrad einwandfrei gefahren war. Die Autobahnfahrt war wie erwartet recht öde. Einzelne Regenschauer waren die einzige Abwechslung bei der Fahrt. Bei Frankfurt tankten wir erneut. Auf dem Rastplatz war reichlich Aufregung. Viel Polizei und Feuerwehr waren rege beschäftigt. Ein Fahrzeug war ausgebrannt und die Nähe zur Tankstelle machte den Beamten wohl einige Sorge. Großeinsatz auf dem Rastplatz
Großeinsatz auf dem Rastplatz
Ansonsten verlief die Fahrt ohne nennenswerte Ereignisse. Der übliche Stau am Kölner Ring wurde schnell in französischer Fahrweise überwunden. Kurz vor Düsseldorf war noch ein letzter Tankstopp notwendig. Uwe wollte noch eine Pause einlegen, um zu rauchen, aber ich wollte die paar Kilometer vor dem Ziel nicht noch rumtrödeln. So ging es dann sofort weiter und wir fuhren zuerst zu Uwe, wo uns sein Nachbar auf dem Garagenhof in Empfang nahm. Er hatte mit Uwe erst einen Tag später gerechnet und war überrascht. Wir mussten kurz berichten und dann machte ich mich auch auf die letzten Meter nach Hause. Wieder zu Hause, leider
Ob es im nächsten Jahr wieder einen gemeinsam Motorradurlaub mit Uwe geben wird, steht noch in den Sternen. Uwe ist fest entschlossen, mit diesem Motorrad keinen Meter mehr zu fahren, ein neues Motorrad ist jedoch nicht in Sicht. Und wir sind uns auch einig, dass ein weiterer Urlaub nur mit einer neuen Maschine in Frage kommt. Dazu muss dann auch eine zügigere Fahrweise, als in diesem Urlaub hinzukommen, um mehr Spaß in den Kurven bei gemeinsamer Fahrt zu erreichen.
Der Tachometerstand bei Fahrtende hatte nicht ganz so viel zu bieten, wie ursprünglich geplant. Es sind lediglich 3.340 km zusammen gekommen. Aber nicht die Quantität sondern die Qualität zählt ja bekanntlich und unterm Strich war der Motorradurlaub 2005 sicherlich wieder eine gelungene Sache. Technische Pannen können auf so einer Fahrt immer passieren und wir haben uns nicht über Gebühr dadurch die gute Laune vermiesen lassen.
Tachostand

zurück zur Reiseroute