Motorrad-Tour 2018 - endlich wieder im Motorradland

Reisezeit: 14.07.2018 - 27.07.2018
Tourlänge: ca. 4.500 km

Nach den Jahren ohne einen Motorradurlaub machen zu können, hatte es in diesem Jahr wieder geklappt. Einen Reisepartner gab es auch, Moritz hatte Zeit und Lust mitzufahren, so dass einer Urlaubstour nichts im Wege stand. Über die Art uns Weise der Durchführung unserer Reise waren wir uns auch ganz schnell einig: "Keine Experimente beim Urlaubsziel" war die Devise!

Wir wollten beide unbedingt wieder nach Frankreich, kreuz und quer durch die Alpen fahren, vielleicht bis zum Mittelmeer vordringen, die Provence genießen oder die Pyrenäen erkunden. Mit anderen Worten, das Reiseland stand fest und der Rest sollte spontan während der Tour entschieden werden. Diese Art der Planung hat sich für uns bewährt. Was dann daraus wurde steht in den nächsten Absätzen.

Wie immer war die Planung dann auch recht schnell erledigt. Was sollte auch groß geplant werden? Als Ziel war Frankreich auserkoren, die Alpen, vielleicht die Provence oder rüber in die Pyrenäen. Erst mal losfahren und dann einfach jeden Tag schauen, worauf man Lust hat und wie es weitergehen könnte. Das ist unser Verständnis von einem entspannten Motorradurlaub und vermittelt das Gefühl von Unabhängigkeit und Freiheit. Zu den Unterkünften brauchten wir uns auch keine Gedanken machen, wir waren wie immer mit dem Zelt unterwegs. Einen Platz für das Zelt kann man immer finden, wenn die persönlichen Ansprüche nicht zu hoch sind. Worauf wir allenfalls zu achten hatten, das war die Tour de France. Die war genau in unserem "Zielgebiet" unterwegs und wer das Spektakel schon mal erlebt hat, weiß was ich meine. Da wird gnadenlos alles gesperrt, was nach Straße aussieht und es gibt dann am Etappentag kein Durchkommen mehr.

Am Samstag wollten wir früh los, am besten schon vor 9 Uhr. Das Wetter war seit Langem einfach nur Extraklasse, Sonne pur und sehr warm. Aber wie es so gehen kann, wenn man plant: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Mein Reisepartner hatte verschlafen, das gemeinsame Frühstück vor dem Start stand dann aber auch noch an und so kamen wir dann erst um 11 Uhr los. Die erste Überlegung war, nehmen wir die Autobahn und machen erst mal Kilometer in Richtung Süden oder fahren wir durch die Eifel und dann über Luxemburg und die Vogesen nach Süden? Zu beachten war, dass in NRW die Sommerferien gerade begonnen hatten. Es konnte also recht voll auf den Straßen werden. Wir entschieden uns erst mal für die Autobahn um an Köln vorbei zu fahren um dann zu entscheiden, ob wir bei Bonn rechts abbiegen und durch die Eifel fahren, oder weiter auf der Autobahn bleiben wollten.

So starteten wir dann in unseren Motorradurlaub 2018!

Die Reiseübersicht:


Der erste Tag - wir starten aus dem Ruhrgebiet nach L'Isle-sur-le-Doubs

An diesem Samstag wollten wir also früh in den Urlaub starten. Warum früh? In NRW hatten die Sommerferien gerade begonnen und da kann man immer mit sehr viel Verkehr auf den Straßen rechnen. Und wir waren uns noch nicht im Klaren darüber, ob wir nun durch die Eifel und Luxemburg oder über die Autobahn in Richtung Freiburg nach Frankreich fahren wollten. Das wollten wir bei einem gemeinsamen Frühstück kurz besprechen und dann sollte es auch schon losgehen. Okay, wir hatten uns vorgenommen, vor 9 Uhr zu frühstücken. Das hat nicht ganz funkioniert, wir sind dann erst um 11 Uhr gestartet. Stress kam durch die kleine Verspätung nicht auf, wir hatten ja Urlaub und wollten uns entspannen!

SMR bepackt

Gepackt war ja alles bereits am Vorabend und ich war ganz stolz auf meine neuen Packtaschen von Enduristan. Ich hatte mich ganz kurzfristig zum Kauf entschieden, da meine Taschen von Oxford nicht so gut auf die SMR passten. Die sind mehr für einschlankes Heck, wie von meiner ZX10R gemacht. Und den Tankrucksack hatte ich ja auch von Enduristan gekauft und bin damit sehr zufrieden. Enduristan bauen wirklich gute Sachen und kommen aus der Praxis. Das merkt man sofort an der Art und Weise, wie die Packtaschen gebaut worden sind, der Preis ist allerdings auch dem entsprechend. Platz zum Verstauen hatte ich nun reichlich, auf jeden Fall mehr als ich benötigte. Und wir hatten noch anderes, neues Equipment dabei. Unsere aufblasbaren Lounge-Sessel, die wir uns extra für den Urlaub zugelegt hatten. Ich war sehr gespannt, ob die sich bewähren würden.

Beim Frühstück kristallisierte sich dann schnell heraus, dass wir uns erst einmal auf die Autobahn begeben wollten. Alternativ hätten wir eine Route durchd das Bergische Land nehmen können. Aber dazu hätten wir das Ruhrgebiet in Nord-Süd-Richtung zú durchqueren gehabt, was auch nicht unbedingt Spaß verspricht. Mindestens bis nach Köln sollte es schnell voran gehen und dann entschieden werden, ob wir über Bonn in Richtung Nürburgring durch die Eifel weiter fahren wollten. Da es mit meiner SMR 990 nicht an Tankstopps mangelt, mehr als 130 Kilometer sollte man nicht ohne Tankstelle unterwegs sein, war eine kleine Pause im Raum Köln ja zu erwarten.

Als Navigationssystem diente mir wie immer die altmodische analoge Straßenkarte. Ich sehe hierbei eine Menge Vorteile. Der Akku kann nicht leer sein, es werden keine Satelliten benötigt, Wasser ist auch nicht so schädlich und ich habe eine bessere Vorstellung von der Region, in der ich mich gerade befinde. Diese Orientierung verliere ich meist, wenn ich nur auf die nette Stimme des Navis höre, ich weiß einfach nicht mehr, was es links und rechts der Route zu sehen gibt. Dadurch ginge mir auch ein gutes Stück Flexibilität verloren, die mir auf den Touren sehr wichtig ist. Beim den Karten bediene ich mich für Frankreich immer mit den Straßenkarten von Michelin, die es in unterschiedlichen Maßstäben zu kaufen gibt. Die sind genau so aufgebaut, wie ich es mag. Man kann die landschaftlich schönen Strecken auf einen Blick erkennen und die größeren Städte sind gekennzeichnet, damit man sie als Richtungsangabe auf den Straßenschildern berücksichtigen kann. Andere Karten funktionieren bestimmt auch gut, aber so ist nun mal meine Vorliebe.

analoges Navi

Die erste Etappe ging erstaunlich gut voran, die meisten Urlauber waren wohl entweder schon am Freitag oder zu früherer Uhrzeit gestartet und der Berufsverkehr fand am Samstag ja auch nicht wirklich statt. Oberhausen, Duisburg und Düsseldorf ließen wir auf der A2 und A3 schnell hinter uns. Wir hatten uns auf ein Reisetempo von 120 - 140 km/h verständigt, schneller möchte ich auf der SMR nicht unterwegs sein, der Winddruck wird dann auf langen Strecken zu anstrengend. Beim ersten Tankstopp kurz nach Köln entschieden wir, dass wir auch weiterhin auf der Autobahn bleiben wollten. Das Wetter war zwar super und hätte eigentlich zu einer Landpartie bestens gepasst, aber wir wollten schnell in Richtung Süden voran kommen. Moritz war der Meinung, der Urlaub kann nur dann Klasse werden, wenn wir die erste Nacht in L'Isle-sur-le-Doubs verbringen. Das hätte sich in den Vorjahren ja so bewährt. Ich war damit sofort einverstanden. Die Etappenlänge war mit rund 650 Kilometer eine vernünftige Entfernung für den ersten Tag mit hohem Autobahn-Anteil. Würden wir die Strecke durch die Eifel nehmen, so kämen wir bestenfalls am späten Abend dort an. Der Camping les Lumes ist zwar ganz einfach ausgestattet, aber eignet sich durch seine ins Dorf integrierte Lage gut für eine Übernachtung.

Pause auf der AB

Zur Autobahnetappe lässt sich nicht viel interessantes Berichten. Schön war, dass wir gut voran kamen und die Staus sich in Grenzen hielten. Die Wärme war natürlich anstrengend und mittags knallte der Lorenz mit voller Kraft auf uns herunter, aber es gefiel uns viel besser bei strahlendem Sonnenschein schwitzen als eine Regen-Etappe zu fahren. Bei den vielen Tankstopps sorgten wir nicht nur für eine ausreichende Tankbefüllung, sondern tranken selbst auch literweise Wasser. Das war bei den Wetterverhältnissen auch dringend notwendig. Ansonsten hielten wir uns nicht lange auf den Raststätten auf, zu essen gab es nur die Snacks, die wir uns beim Frühstück zubereitet hatten. Abends sollte es ja eine richtige Mahlzeit in L'Isle-sur-le-Doubs geben. Die Pausen dienten nur den notwendigsten körperlichen Bedürfnissen. Wir freuten uns auf die gemeinsame Zeit und wollten zügig weiter kommen und waren vor allem mit uns sehr zufrieden.

Wir blieben bis Montbeliard auf der Autobahn und bezahlten die Maut von 1,50 Euro für die Fahrt auf dem kurzen Abschnitt der französichen Autobahn gerne. Ich erwischte wieder einmal mehr eine Abfahrt zu früh, das schien eine schlechte Angewohnheit von mir zu werden, irgenwie stehe ich mit dieser Autobahn auf Kriegsfuß. Bei den letzten Touren war ich immer zu früh dran und wenn ich dann mal die richtige Abfahrt erwischt hatte, bremste mich der Kreisverkehr, der nach der Autobahnabfahrt folgt, aus. Moritz aktivierte Google-Maps auf seinem Smartphone und das führte uns zunächst zur Autobahn zurück. Die folgende Ausfahrt war dann die bessere Wahl und wir erkannten recht schnell, dass wir hier auf der richtigen Strecke unterwegs sind. Nachdem die grobe Richtung wieder passte und auch der Kreisverkehr bewältigt worden war, übernahm ich die Führung wieder. Voran zu fahren, dass war keine große Kunst mehr, L'Isle-sur-le-Doubs ist zwar nicht gerade eine Großstadt, aber trotzdem leicht zu finden. Und den Camping les Lumes kann man im Dorf kaum verfehlen, direkt nach der Brücke über den Doubs fährt man links ab und schon steht man an dem Tor des Campingplatzes. Außerdem waren wir ja ortskundig und wussten, wo es lang ging. Das Dorf schien sich auf den ersten Blick nicht groß verändert zu haben.

Camping Les Lumes

Nach den 650 Kilometern waren wir doch ein wenig erschöpft und deshalb auch froh, nun die Tagesetappe abschließen zu können. Die Rezeption war besetzt und ich buchte mit meinen "vorzüglichen" Französisch-Kenntnissen, die sich auf einige wenige Vokabeln des täglichen Lebens beschränkten, unser Nachtquartier. Dann fuhren wir rasch auf die Zeltwiese, es gibt sowohl eine Wiese ohne électricité und eine mit électricité, und dann zeigte es sich, dass wir das Aufbauen und Einrichten der Zelte nicht verlernt hatten. Die Herausforderung war, den richtigen Platz für die Zelte zu finden. Wir wollten vermeiden, dass die Sonne am frühen Morgen uns zu zeitig aus dem Schlafsack trieb. Das war nicht so einfach, die schattigsten Plätze waren natürlich schon durch andere Camper in Beschlag genommen. So suchten wir einen Platz aus, der noch so halbweg Schatten versprach. Ob wir mit unserer Wahl richtig lagen, würde sich ja am nächsten Morgen herausstellen.

Nun galt es noch eine der wichtigsten Aufgaben des ersten Tages zu erledigen. Das Entfernen der DB-Killer aus den Auspuffanlagen ist in Frankreich unbedingte Pflicht, wenn man nicht lange Diskussionen mit der Polizei riskieren möchte. Ungangenehme Fragen wie z.B. "Warum hört sich das Motorrad so schlecht an?" sind dann vorprogrammiert und meist werden dann Empfehlungen zu Tuning-Werkstätten ausgesprochen, bei denen man kernige Sportauspuffanlagen erwerben kann. Moritz war recht zügig fertig, der DB-Killer saß locker im Auspufftopf und flutschte schnell heraus. Bei der SMR sind es zwei Auspufftöpfe und wie zu erwarten, der eine DB-Killer ließ sich problemlos entfernen und der andere wollte nun gar nicht heraus. Aber mit zwei Zangen und viel geruckel und gehämmere lockerte er sich schließlich auch. Mit schwarzen Fingern konnte ich das Teil dann endlich aus dem Endtopf ziehen. Und so verschwanden die beiden rußigen Teile für den Rest des Urlaubs unter der Rückbank. Die kleinen Schrauben, die zur Fixierung der DB-Killer dienen, deponierte ich sorgfältig im Portemonnaie. Beim letzten Urlaub verschwand eine Schraube im Gras und war nicht mehr aufzufinden. Das Ergebnis war dann, dass ich mit offenen Auspufftöpfen nach Hause gefahren bin. Zum Glück gab es in Deutschland keine Kontrolle.

Da der nächste Tag ein Sonntag war, wollten wir noch einige Dinge für das Sonntagsfrühstück einkaufen und auch den Tankrüssel in die Motorradtanks halten. Darüber hinaus sollte die Grundausstattung für die nächsten Tage eingekauft werden. Dazu gehören z.B. Spiritus für die Trangia-Kocher, Kaffeepulver, Essig und Öl und andere Kleinigkeiten. Der Supermarche war zwar nicht weit, aber wir mussten wegen des Tankens trotzdem mit dem Motorrädern fahren. Wir zogen noch mal die Motorradkombis an, um die letzte Pflichaufgabe des Tages zu erledigen. Das Starten der Motoren erregte nun etwas mehr Aufmerksamkeit bei den Campingplatz-Gästen, beide Maschinen bollerten nun herrlich ohne die DB-Killer vor sich hin. Das Tanken war schnell erledigt, die Benzinpreise waren hier deutlich höher als Zuhause. Meine Kreditkarte wurde vom Tankautomat akzeptiert, was vor einigen Jahren noch keine Selbstverständlichkeit war. Die europäischen Normen hatten wohl doch etwas Gutes. Im Supermarkt versorgten wir uns mit Kaffeepulver, Spiritus und Lebensmittel für den nächsten Morgen. Kochen wollten wir heute nicht mehr selbst, da sollte die Pizzeria am Dorfplatz für unser leibliches Wohl sorgen. Der Transport des Einkaufs war eine kleine Herausforderung. Wir hatten unsere Tankrucksäcke bei der Ankunft auf dem Campingplatz noch nicht ausgeräumt und einfach in die Zelte gepackt, so dass wir nun ohne sie unseren Einkauf transportieren mussten. Aber mit der Hilfe von zwei Spann-Gummis, ich verwende seit einiger Zeit die von ROK-Strap, lies sich die Tragetasche befestigen und der Rest wurde in die Motorradkombi gesteckt. Für die kurze Strecke sollte das gehen.

Nachdem wir unseren Einkauf an den Zelten abgeladen hatten, machten wir uns für das Abendprogramm fein. Wir wollten ja noch Essen gehen. Ich stellte noch fest, dass an diesem Samstag der französischer Nationalfeiertag begangen wurde. Diesen Feiertag kannte ich aus dem französischen Süden, wo in jedem Dorf eine große Fete veranstaltet wurde. In L'Isle-sur-le-Doubs wurde dieser Feiertag wohl etwas anders begangen. Auf dem kleinen Platz im Dorfzentrum war eine Kirmes aufgebaut. Na ja, vielleicht war Kirmes etwas zu viel gesagt. Ein Fahrgeschäft, ähnlich einer kleinen Raupe, war vorhanden und einen Verkaufsstand gab es auch noch dazu. Sollte das schon alles an Festvorbereitungen für den Nationalfeiertag sein? Abwarten hieß es, denn es war ja noch früher Abend.

Wir suchten die Pizzeria "Le Don Camillo" auf und setzten uns erst mal hin, bei dem schönen Wetter konnte man gut draußen sitzen und außerdem einen guten Ausblick auf das Geschehen im Dorf. Getränke und Pizza, es wurde eine vegetarische Pizza bestellt, waren schnell geordert und wir genossen das Treiben auf dem Dorfplatz. Viel war nicht los, einige wenige Kinder schauten auf das Karussell und konnten sich nicht zu einer Fahrt entschließen. Wir waren bester Laune und das konnte man selbst in dieser Pizzeria nicht verhindern. Wir hatten großen Hunger und freuten uns auf die Pizzen, aber als sie dann vor uns standen und wir den ersten Bissen im Mund hatten, kühlte unsere Vorfreude schlagartig ab. So eine Pizza hatte ich bisher noch nicht vorgesetzt bekommen. Ob die wohl aus der Mikrowelle kam? Bestenfalls war sie in einer Pfanne zubereitet worden. Nebenbei bemerkt, man konnte eine Pizza noch deutlich schlechter zubereiten. Das sollten wir aber erst zu einem späteren Zeitpunkt erfahren. Der Hunger trieb jedenfalls die Pizza rein, selbst zu kochen, wäre bestimmt die bessere Entscheidung gewesen, aber jetzt war es zu spät für ein selbst gekochtes Menü. Ich denke, das "Le Don Camillo" werde ich nicht mehr besuchen, wenn ich noch einmal in L'Isle-sur-le-Doubs Station machen sollte.

Nach diesem doch enttäuschenden Abendessen besuchten wir noch die Kirmes. Einige Jugendliche hatten sich eingefunden, trotzdem blieb ein trauriges Bild zurück. Die Kirmes hatte sich wohl der Qualität der Pizzeria angepasst. Wir kehrten zum Campingplatz zurück und waren etwas enttäuscht, wir hatten am Nationalfeiertag schon etwas mehr an Action erwartet. Der Nationalfeiertag schien in L'Isle-sur-le-Doubs aber entweder im Geheimen oder gar nicht stattzufinden. Am späteren Abend wurden ein paar vereinzelte Feuerwerkskörper gezündet. Aus südlicheren Regionen Frankreichs war ich deutlich mehr Euphorie am Nationalfeiertag gewohnt. Da wurde praktisch in jedem Dorf eine große Fete gefeiert und an der Cote d'Azur ging es richtig mit großen Höhenfeuerwerken ab. Nun gut, letztendlich konnte es uns ja auch egal sein, ob die Franzosen in L'Isle-sur-le-Doubs feiern oder nicht.

Auf dem Campingplatz hatten unsere Loungesessel Premiere. An diesem lauen Sommerabend wollten wir noch ein wenig chillen und genau dafür hatten wir weder Kosten noch Mühen gescheut und konnten mit unseren Loungesessel auf dem Campingplatz Eindruck schinden. Das Befüllen mit Luft stellte sich als sportliche Angelegenheit heraus. Der Loungesessel besteht aus zwei großen Luftkammern, die im besten Fall durch Wind befüllt werden können. Nur ging hier leider kein Lüftchen, so dass wir durch kurze Sprintsbei denen wir die Loungesesseln hinter uns her zogen, für die Befüllung der Luftkammern sorgen mussten. Unsere Nachbarn schauten etwas befremdet, aber wenn man sich ein wenig Komfort leisten möchte, darf man nicht empfindlich sein und muss auch alles geben. Hat man dann genügend Luft in die Kammern gebracht, muss man das Ende des Loungesessels zusammenrollen und so verschließen. Ist das erst mal vollbracht, kann man erschöpft die Bequemlichkeit des Loungesessels genießen.

Auf dem Campingplatz war noch einige Bewegung, es hatten viele Radfahrer hier ihr Quartiert bezogen. Eine große höllandische Gruppe mit Motorrädern und Wohnmobilen waren auch noch auf dem Platz untergekommen. Wir hatten jetzt zumindest die richtige Bettschwere und bevor uns die Mücken und anderes blutsaugendes Getier hier auffraß, zogen wir uns in unsere Zelte zurück. Moritz konnte noch seine neue Zeltbeleuchtung ausprobieren. Eine kleine LED-Zeltlampe sollte sich im Urlaub bewähren, die werde ich mir für das nächste Mal auch zulegen. Am nächsten Morgen wollten wir früh los, dieses Mal aber wirklich, nicht vor sieben Uhr und nicht nach acht Uhr wollten wir aufstehen. Das sollte zu schaffen sein, meist werde ich ja recht früh wach.

Anfang

Der zweite Tag - von L'Isle-sur-le-Doubs zum Lac d'Annecy

Wie erwartet wurde ich früh wach und war gut ausgeschlafen, also verließ ich schnell mein Zelt. Einige der Rad-Reisenden waren auch schion aktiv, um vor der großen Hitze einige Kilometer auf ihren Fahrrädern hinter sich zu bringen. Um sieben Uhr war der Himmel schon fast unverschämt strahlend blau und es war schon angenehm warm. Der Tag sollte bestimmt wieder heiß werden und darum erledigte ich dann auch zügig die Morgentoilette. Dabei sorgte ich gleich für frisches Wasser im Kessel und startete den Trangia-Kocher, um mit einem Kaffee in den Tag zu starten. Wir hatten gesterin im Supermarkt einen fair gehandelten Kaffee gekauft. Unsere Wahl ist auf diesen Kaffee gefallen, weil er in einer praktischen Dose angeboten wurde. Nach kurzer Zeit kochte das Wasser und ich goss den Kaffee auf. Es gibt auf unseren Touren immer "Prütt-Kaffee". Beim Prütt-Kaffee wird das Kaffeemehl einfach ich die Tasse gegeben und dann wird mit heißem Wasser die Tasse aufgefüllt. Man wartet einige Zeit, bis sich das Kaffeemehl am Boden abgesetzt hat und kann so den Kaffee ohne Krümel im Mund genießen. Ich weckte Moritz und wir tranken unseren Kaffee. Die Einkäufe von gestern wurden auch noch für das Frühstück angebrochen und wärend wir aßen, besprachen wir unsere Zielregion für diesen Tag. Wie gewohnt wurden wir uns schnell einig. Entweder sollte es zum Lac d'Annecy oder zum Lac du Bourget gehen. Beide Seen lagen nicht so weit von einander entfernt und lagen in einer guten Entfernung für eine Tagesetappe. Es wurde schnell gepackt und eine knappe Stunde später saßen wir wieder auf unseren Motorrädern.

Wir folgten zunächst dem Doubs auf der D683 bis Baumes-les-Dames und orientierten uns dann mehr südlich in Richtung Pontalier. In dieser Region ist man gut beraten, sich an die Geschwindigkeitsvorgaben zu halten. Frankreich hat die stationären Blitzer stark aufgerüstet. Es werden wohl Fotos von vorne, von hinten und auch von der Seite angefertigt, wenn man das Limit zu sehr strapaziert. Wir benahmen uns ordenlich und fuhren ohne Selfies durch die Landschaft. So ging es weiter nach Champagnole und dann nach Morbier, wo der leckere Käse herkommt. Und dort kommt nicht nur der leckere Käse her, sondern die Straßen werden kurviger und die Landschaft wird ebenfalls viel schöner. Hier konnte man sich schon ein wenig einschwingen und die Lockerheit in die Hüften bringen, die dann später für die Kurvenorgie in den Alpen gebaucht wurde.

Wir durchquerten den schönen Parc naturel du Haute-Jura. Die Landschaft ist wild-romantisch, enge Täler und bewaldete, etwas schroffe Hügel zeichnen die Gegend aus. Einige dunkle Wolken zogen in unserem Rücken auf und wir gaben etwas mehr Gas, um keinen Regenschauer abzubekommen. Bei Bellegarde-sur-Valserine wechselten wir auf die D1508 nach Annecy und mussten uns sputen, denn die ersten dicken Tropfen kamen schon herunter. Die Flucht gelang uns sehr gut, wir kamen schnell voran ohne dass wir ernsthaft nass wurden. Kurz vor Annecy machen wir noch mal Halt, wir mussten unbedingt etwas trinken. Die Mitnahme von reichlich Getränken war in diesem Urlaub Pflicht. Bei Temperaturen weit über 30 Grad und wolkenlosem Himmel tranken wir meist 4 - 5 Liter Wasser am Tag. Bei diesem Stopp vereinbarten wir auch, dass wir Annecy mit Hilfe von Google-Maps möglichst umfahren wollten. Es macht keinen Spaß in einem heißen Sommer durch die engen Häuserschluchten zu fahren. Und am Nachmittag im Berufsverkehr ist der Spaß noch geringer. Damit war auch geklärt, dass es nicht zum Lac du Bourget gehen wird, vorausgesetzt, wir würden einen Campingplatz am Lac d'Annecy finden, der uns aufnimmt. Moritz steckte sich den Knopf des Smartphones ins Ohr, lauschte den Anweisungen von Google-Maps und fuhr vor. Wir wollten auf die westliche Seite des Lac d'Annecy, dort gibt es eine Menge Campingplätze in direkter Nähe zum See oder sogar mit eigenem Seeufer.

Die Strecke, mit der uns Google durch Annecy lotste, würde ich nie wiederfinden. Zum Teil lotste uns das Gerät durch kleinste Straßen und die waren auch nicht immer ganz ohne Stau. Aber ich ging davon aus, dass diese Route immer noch entspannter zu fahren war, als die ausgeschilderten Routen, die mitten durch Annecy führen. So erreichten wir wieder die D1508, die an dieser Seeseite weitergeht. Die ersten Campingplätze, die direkt an der Straße liegen, hatten ihre Complete-Schilder aufgestellt. Also fuhren wir weiter. Wir kannten den Camping Solitär und den Camping Univers bereits aus den Vorjahren. Auf viel Rummel hatten wir keine große Lust und so wollten wir es zunächst beim Camping Univers probieren. Wir fanden ihn schnell wieder und der Campingplatz bot reichlich Möglichkeiten, unsere Zelte aufzuschlagen. Hier war von der Hochsaison überhaupt nichts zu spüren. Also überlegten wir, wo die Zelte am praktischten aufzustellen sein könnten. Vor allem am Morgen wollten wir pralle Sonne vermeiden und auch abends dürfte es ruhig schattig sein. Nach einigem hin und her und der Navigation mittels Sonnenstand, die Frage war schließlich wo die Sonne auf- und untergeht, fanden wir "unseren" Platz und bauten schnell die Zelte auf.

Campping Univers

Es logierten noch ein paar Franzosen auf dem Campingplatz und vom Patron war zunächst keine Spur zu sehen. Als wir mit den Aufbauarbeiten fertig waren und über einen Einkaufsbummel nachdachten, kam dann der Patron. Ein älterer Franzose, der nur französisch spricht und einen etwas muffeligen Eindruck hinterläst, begrüßte uns skeptisch. Wir hatten schließlich einfach einen Platz annektiert und ungefragt unsere Zelte aufgebaut. Wir ließen uns nicht abschrecken und begrüßten ihn zunächst mal auf Französisch, das kam immer gut an. Dann ließ ich meine einstudierten französischen Sätze los und da besserte sich seine Laune sofort. Ich folgte ihm zu einem kleinen Haus, es bestand aus einem kleinen Raum, der mit allem möglichen Zeug vollgestopft war. Ein zusammengeschusterter Tresen und ein Schreibtisch, der mit irgendwelchen Zetteln beladen war, komplettierte sein Büro. Die Formalitäten erledigte er mit sehr großer Sorgfalt und teilte mir dabei mit, dass übermorgen die Tour de France direkt an der Uferstraße vorbeifahren werde. Dann würde hier nichts mehr gehen. Da ich mit meinen Französischkenntnissen nie sicher sein kann, was mir wirklich mitgeteilt wurde, war ich zunächst skeptisch. Aber abwarten, wir konnten uns ja noch zeitig informieren.

Camping Univers

Camping Univers

Nun wollten wir einkaufen, es sollte selbst gekocht werden. Dabei fiel uns ein, dass ja Sonntag ist. Ob da ein Laden wohl geöffnet haben würde? Wir zogen noch mal die Lederkombi an und fuhren zur Uferstraße zurück. Auf dem Hinweg waren da einige Supermärkte zu sehen gewesen, sogar ein Lidl-Markt war dabei. Wir hatten Glück und ein Markt der großen Supermarkt-Ketten hatte tatsächlich geöffnet. Wir kauften alles für eines unserer Lieblingsgerichte, "Nudeln mit Käsesauce", ein und vergaßen auch den Brennspiritus nicht. Irgendwie schlich sich auch eine Flasche Rotwein in den Einkaufswaren und ein paar Dosen Bier wollten auch noch mitgenommen werden. Zusätzlich wurden schon Käse und Gemüse für das Frühstück eingekauft, in diesem Urlaub sollten sich Tomaten und Avocados zum Frühstücks-Standard entwickeln. Wir hofften morgens das Brot bei einem Bäcker zu bekommen, der nach unserer Erinnerung mit einem Verkaufswagen die Runde über die Campingplätze machte. Dann machten wir uns auf den Rückweg. Bevor das Kochen los ging, wollten wir dem See aber noch einen Besuch abstatten.

Lac d'Annecy

Geschwitzt hatten wir ja genug, jetzt sollte uns das klare Wasser erfrischen. Hoffentlich würde es zu keiner Umweltkatastrophe kommen, wenn wir uns so verschwitzt in die Fluten stürzten. Die paar Meter zum Seeufer waren schnell bewältigt. Die kleine Badebucht war gut besucht, kein Wunder, es war ja auch Wochenende. Wir legten sofort los und nach dem ersten Schock durch das vermeintlich kalte Wasser kam dann die Erfrischung. Das war wirklich Klasse, der See und das Panorama mit den Bergen trugen schon richtig was zum Urlaubsfeeling bei.

Campingküche

Nach der Erfrischung kam dann der anstrengende Teil des Nachmittags. Wir wollten ja Nudeln mit Käsesauce kochen. Wir schnitten Zwiebeln und Knoblauch klein, erhitzten etwas Olivenöl und schwitzen das Gemüse (ja, Knoblauch ist ein Gemüse!) leicht an. Dann kam der Schmelzkäse und der Roquefortkäse hinzu. Ganz zum Schluss kamen ein großer Schuss Sahne und geriebener Parmesankäse noch dazu. Ein paar Kräuter (Thymian und Estragon bieten sich hier an) und eine Prise Pfeffer runden die Käsesauce dann ab. Die Nudeln waren auch schnell gekocht und dank des Trangia-Abseisiebs blieben die Nudeln beim Abschütten auch im Kochtopf. Das Festmahl konnte beginnen. Schnell, einfach und lecker - so sollte die Campingküche sein. Nach dem Essen waren wir pappsatt und dem entsprechend träge. So kamen unsere Loungesessel wieder zum Einsatz, die waren nun genau das richtige Sitz- oder besser Liegemöbel. Wir genossen die Abendsonne und ließen uns es gut gehen. Am frühen Abend gingen wir zum Sonnenuntergang noch mal zum See und machten ein paar Fotos. Danach rief uns auch schon bald der Schlafsack und wir konnten dem Rufen nicht lange widerstehen.

Anfang

Der dritte Tag - kleiner Tagesausflug in die Berge

Ich war wieder früh wach und genoß den kühlen Morgen. Hier in den Bergen war das Klima sehr angenehm, tagsüber richtig warm und abends bzw. nachts kühlte es schön ab. Ich bereitete den Kaffee vor und hoffte, dass der Bäcker nun bald vorbei kommen würde. Üblicherweise kündigte er sich durch lautes Klingeln an, aber es war noch nichts zu höhren. Dann kam auch Moritz aus dem Zelt und freute sich über den Kaffee. Leider fehlte immer noch das entsprechende Backwerk zum Frühstück. Wir erfuhren dann von unseren Nachbarn, dass der Patron und der Bäcker sich wohl überworfen hatten und so ließ der Bäcker den Camping Univers einfach links liegen. Schade, dass es diesen Service nicht mehr gab, aber es war ja nicht zu ändern.

Wir besprachen beim Kaffee dann den Plan für den Tag. Klar, es sollte eine Motorradrunde werden. Die Berge waren nah und lockten dann doch zu sehr. Also wollten wir zeitig starten um bereits ein paar Höhenmeter gemacht zu haben, bevor die Sonne zu sehr herunter brezelte. Aber zuerst wollten wir schnell zusehen, dass wir ausreichend für das leibliche Wohl sorgten. Der nächste Bäcker sollte unbedingt angesteuert werden, um das Frühstück nachzuholen. Wir hatten Glück und direkt nachdem wir auf die Küstenstraße eingebogen waren, sahen wir auf der rechten Seite eine größere Bäckerei. Es gab auch Kaffee aus einer Siebträgermaschine und so versorgten wir uns zum Grande Cafe noir mit einem Sandwich, Croissont und Pain au Chocolat. Beim Frühstück überlegten wir uns, wohin die Tour eingentlich führen sollte. Sie sollte nicht zu weit gehen, also ca. 150 Kilometer betragen, und natürlich jede Menge Kurven aufzuweisen haben. Wir hatten im letzten Frankreich-Urlaub hier schon mal eine Tour gemacht, die war aber gute 300 Kilometer lang gewesen und ganz so weit sollte es heute nicht gehen. Also konsultierten wir noch mal das analoge Navi und suchten uns auf der Karte eine schöne Strecke heraus, die uns etwas in die Berge östlich vom Lac d'Annecy führte.

Zunächst fuhren wir die Uferstraße in Richtung Faverges, was wenig erbaulich war. Der Verkehr war doch erheblich und wir standen des öfteren in der immer wärmer werdenden Sonne. Doch dann ging es voran und in Faverges tankten wir erst mal die Motos voll. In den Bergen ist nicht immer eine Tankstelle zur Hand, wenn man eine benötigt. Meine SMR ist da durch den kleinen Tank und dem hohen Verbrauch doch etwas gehandicapt. Von Ferverges aus entschieden wir uns, etwas an Höhe zu gewinnen und folgten der kleinen D12 in Richtung Thones. Was wir noch nicht wußten war, dass die Tour de France sich zur gleichen Route entschlossen hatte, die wir nun fahren wollten. Zunächst ging es ganz entspannt ein Stück weit in die Höhe und die Straße wurde richtig kurvig. Dann tauchten plötzlich die ogligatorischen Wohnmobile, Zelte, Pavillions und sonstige Bauwerke an den Straßenrändern auf und dazwischen tummelten sich hunderte Radfahrer und jede Menge völlig aufgeregte Menschen. Das Üble daran ist, dass diese Menschenmenge sich so verhält, als wären sie die einzigen Besucher in der Gegend und dürften alles tun, was ihnen in den Sinn kommt. Als Radfahrer fährt man gerne spontan mal Schlangenlinien und die Fußgänger überqueren die Straße, ohne auf andere Verkehrsteilnehmer zu achten. Es war also nicht wirklich an spaßiges und entspanntes Motorradfahren zu denken, vielmehr mussten wir aufpassen, ohne Unfall durch diese Camps zu kommen. Ab dem Ort Serraval wurde es dann etwas besser, leider waren schöne Kurven hier nicht mehr so präsent. Aus diesem Grund entschieden wir in Les Clefs, dass wir noch einen Schlenker über La Clusaz und Saint-Jean-de-Sixt machen wollten. Und es stellte sich heraus, dass es eine gute Idee war, dort abgebogen zu sein. Es war wieder sehr kurvig und vor allem mit fast keinem Verkehr auf der kleinen Straße D16. Ab Saint-Jean-de-Sixt fuhren wir dann auf der D908 zunächst nach Thones.

Wohnmobiltross TDF

Wohnmobiltross TDF

Ab Thones ging es dann auf der D908 weiter in Richtung Annecy. Die D908 ist recht gut ausgebaut und macht dann nicht so viel Spaß, wie die kleineren und kurvenreichen Straßen. Aber wir waren ja noch nicht so verwöhnt und konnten die Fahrt dennoch genießen. Bei Alex änderten wir die Strategie und fuhren nicht mehr in Richtung Annecy sondern orientierten uns nach Bluffy. Das brachte, nachdem wir Alex hinter uns gebracht hatten, dann doch wieder richtigen Kurvenspaß. Auf der D42 fuhren wir hoch zum Col de la Forclaz. Ach was war das herrlich. Kleine enge Straßen, übersichtliche Gegend und Kurven ohne Ende. Schade, dass wir so schnell auf Col de la Forclaz ankamen. Hier machten wir eine Pause, die Aussicht ist einfach super und die vielen Paraglider und Drachenflieger sind ebenfalls sehr spektakulär anzuschauen. Das Restaurant L'Edelweiss hat zwar einen blöden Namen, aber dafür eine Terrasse mit einer tollen Aussicht. Wir genossen bei einer kalten Limonade die Aussicht auf den Lac d'Annecy.

Lac d'Annecy

Nach der Pause fuhren wir wieder zum See hinunter. Eine schöne Strecke, die bei Vesonne wieder auf die Uferstraße mündete. Danach fuhren wir zum Campingplatz zurück. Ein Blick auf den Kilometerzähler ergab, dass die kleine Runde dann gute 120 Kilometer umfasst hatte, also genau so, wie wir es vorgehabt hatten.

Nach dem Ausflug stellten wir fest: die Gästeanzahl auf dem Campingplatz hatte sich etwas verändert. Ein VW-Bus mit jungen Leuten, offensichtlich Radfahrer, war eingetrudelt und eine Familie mit Kindern hatte sich in unserer Nähe niedergelassen. Alle waren etwas desorientiert, da der Patron wieder mal durch Abwesenheit glänzte. Die Familie war recht aufgeregt, Moritz kümmerte sich und erzählte, dass der Patron meist nicht anwesend sei und sich schon melden würde. Er sprach auch mit den Jungs vom VW-Bus und wußte zu berichten, dass die Tour tatsächlich an der Uferstraße entlang ging und morgen alles gesperrt sein würde. Das bedeutete für uns, dass wir einen weiteren Tag auf dem Camping verbringen würden und zwar ohne Motorradtour oder aber noch heute weiterziehen müssten. Wir entschieden uns für die entspannte Alternative und beschlossen, wenn die Tour schon hier vorbeikomment wird, wollten wir auch live dabei sein.

Dann ging es wieder an den See für eine kleine Badeeinlage, die wie gestern, einfach nur klasse war. Allein dafür lohnt es sich, diesen Campingplatz zu wählen. Nach der Erfrischung klärten wir die weitere Tagegestaltung. Kochen wollten wir heute nicht und so bemühten wir Google, um ein Restaurant zu finden. Die Auswahl war begrenzt, da wir zu Fuß das Lokal erreichen wollten. Zwei Hotelrestaurants der gehobenen Klasse wurden angezeigt, darüber hinaus einige Pizzerien und ein modernes französisches Restaurant mit Namen Lac et Montagne. Irgenwie kam mir die Lage des Lac et Montagne bekannt vor, da war ich schon mal zum Essen. Aber es war damals ein italienisches Restaurant gewesen, wenn ich mich richtig erinnerte. Wir beschlossen, es im Lac et Montagne mal zu versuchen. Laut Homepage gab es eine moderne französische Küche.

Wir machten uns chic und zogen am frühen Abend los, um uns den Bauch vollzuschlagen. Wir hatten Glück, dass wir draußen einen freien Tisch ergattern konnten und die sehr hübsche Servicekraft reichte uns dann auch schon die Speisekarten. Wir entschieden uns dazu, jeweils ein Menü zu bestellen. Bei mir gab es das Menu Vegetarien und Moritz orderte das Menu Lounge. Die Teller kamen schnell und das Essen war zwar von den Portionen her überschaubar, aber sehr lecker. Wir aßen genüsslich, tranken etwas Wein zum Essen. So kosteten wir den Abend richtig aus und kehrten recht spät zum Camping zurück. Am nächsten Tag war ja herumlungern angesagt, da die Tour de France uns eine Zwangspause verordnet hatte.

Anfang

Der vierte Tag - Pause und Tour de France

Heute sollte es ganz entspannt angehen, wir saßen quasi fest. Von daher war ausschlafen vereinbart und daran hielten wir uns auch. Danach gab es einen ganz gemütlichen Kaffee und anschließend versuchten wir herauszubekommen, wann die Tour denn an der Uferstraße vorbeikommen sollte. Da gab es ganz unterschiedliche Meinungen auf dem Platz. Die jungen Leute waren der Meinung, es könnte so um 11 Uhr sein, ein holländisch-deutsches Paar meinte, es könnte so um 13 Uhr sein. Wir machten uns dann zeitig auf den Weg und waren um 11 Uhr an der Uferstraße.

TDF

Es war alles abgesperrt und einige Zuschauer waren auch schon dort. Vor den Radfahrern war noch nichts zu sehen, aber Begleitfahrzeuge der einzelnen Teams kamen vorbei und wurden mit großem Hallo begrüßt. Einzig was fehlte waren Kamellen, die leider nicht von den Fahrzeugen geworfen wurden, ansonsten erinnerte der Umzug schon etwas an Karneval. Moritz wollte dann noch etwas zu essen organisieren, aber der in der Nähe liegende Bäcker hatte geschlossen. War ja eigentlich klar, da niemand außer der Tour an der Bäckerei halten konnte und die Rennradler hatten anderes im Sinn, als eine gemütlich Pause beim Bäcker. Die hölländisch-deutsche Familie trudelte auch ein und der Holländer wußte eine Menge zu erzählen. Er fährt auch Motorrad und sein Sohn bald auch, wo es die beste Pizza gabe, wo sie schon überall in ihrem Urlaub waren, woher sie kamen und wohin sie wollten, usw., usw. er fand kein Ende. Der Mann war nur schwer zu stoppen und redete wie ein Wasserfall.

TDF

Dann kamen endlich die Radfahrer. Das ganze Spektakel dauerte etwa 12 Sekunden, dann war alles vorbei. Irgendwie enttäuschend, bevor man so richtig realisiert hatte, dass nun die berühmte Tour de France vorbeifährt und man selbst vor Ort ist, war schon alles wieder gelaufen.



Nun denn, so war es halt. Immerhin konnten wir von uns behaupten: "Wir waren dabei!". Auf der anderen Straßenseite war dann eine Pizzeria zu sehen (dort gab es die beste Pizza weit und breit - so die Empfehlung des Holländers) und wir kehrten dort ein. Moritz und ich teilten uns eine Pizza, abends sollte es ja noch etwas zu essen geben. Die Menschen gingen alle wieder ihres Weges und die Absperrungen wurden auch beiseite geräumt. Zu einer Weiterfahrt wollten wir uns dennoch nicht mehr entschließen, es war dann doch etwas spät geworden.

Zurück auf dem Campingplatz wartete schon der Patron auf uns. Wir hatten schließlich nur für zwei Nächte bezahlt und nun würden wir ja eine dritte Nacht bleiben. Ich drückte ihm das Geld für die eine Nacht in die Hand und sein Wohlbefinden war wieder hergestellt. Wir statteten dem See wieder einen Besuch ab und ließen den restlichen Nachmittag vorüber ziehen. Der Holländer tauchte wieder auf und wollte auch noch ein paar Geschichten loswerden. Abends kochten wir dann ganz gemütlich, es gab einen Bohneneintopf, und genossen auf unseren Loungesesseln den Abend.

Ach ja, die Planung für den nächsten Tag stand ja noch an. Wir wollten wieder früh los, war ja sowieso klar, aber wohin sollte die Reise denn gehen? Weiter in die Berge, darauf kann man sich immer schnell einigen. Die Frage war nur, suchen wir einen Platz, den wir schoin kennen, oder soll es etwas ganz neues sein? Ich schlug zunächst vor, nach Mens zu fahren. Der Campingplatz ist dort ganz okay, liegt direkt am Dorf und hat ein Freibad dabei. Moritz war es eigentlich egal, wohin es gehen sollte. Die Entfernung war auch akzeptabel, rund 200 Kilometer sollte die Distanz laut Google-Maps betragen. Das war locker zun schaffen, so unsere Einschätzung. Einen kleinen Haken gab es aber doch, die Tour de France würde am nächsten Tag durch Albertville gehen und das lag auf unserer Strecke. Bange machen galt aber nicht und wir beschlossen, das mögliche Problem dann mutig und spontan vor Ort zu lösen.

Anfang

Der fünfte Tag - vom Lac d'Annecy nach Mens

Der morgendliche Start war nun schon zur Routine geworden. Kaffee gab es an diesem Morgen nicht, wir wollten beim Bäcker frühstücken. So waren wir mit dem Packen und Aufrödeln des Gepäcks auch schnell fertig und hätten eigenlich los gekonnt, wenn da nicht der redselige Holländer gewesen wäre. Er hatte noch viel zu erzählen, wie tierlieb er wäre, das Motorradfahren ist ja so toll, ob wir mit den Packtaschen zufrieden sind und so weiter und so weiter. Irgendwann würgte ich seinen Redefluss dann einfach ab, aber die Telefonnummern wollte er noch austauschen und ein Foto von uns machen, das war ihm auch noch wichtig. Also gut, das war schnell erledigt und wir fuhren nun doch viel später los, als eigentlich vorgesehen war. Das Frühstück beim Bäcker stand ja auch noch aus und so kam es, dass wir erst um 11:30 Uhr vom Parkplatz des Bäckers in Richtung Albertville aufbrachen.

Über die Strecke nach Albertville gibt es nicht viel zu berichten, im Prinzip ist sie recht langweilig. Kurz vor Albertville begann dann das Verkehrschaos. Ein fetter Stau begrüßte uns am Stadtrand, da wir aber mittlerweilen den französischen Fahrstil bevorzugten, konnte der uns nicht lange aufhalten. In Albertville-Mitte sah das dann schon viel schwieriger aus. Ausgerechnet die Richtung, in der wir weiter mussten, war wegen der Tour gesperrt. Wir folgten einer Umleitung, die uns dann erfolgreich im Kreis geführt hat. Es musste doch eine Möglichkeit geben, um auf der N90 in Richtung Moutiers weiter zu kommen. Mit Hilfe der Hinweisschilder schien das unmöglich zu sein, also musste Google-Maps wieder ran. Moritz steckte sich die Kopfhörer in die Ohren und startete die Navigation. Ganz so einfach war es dann auch nicht, die Sperrungen kannte Google auch noch nicht, aber dann gelang uns ein Trick, indem wir auf der N90 erst in der falschen Richtung auffuhren und dann bei der Abfahrt quasi in der Gegenrichtung wieder auffuhren. Na also, geht doch. Der ganze Spaß hatte uns dann eine gute Stunde und einige Nerven gekosten. Die Tour de France wollten wir für den weiteren Urlaub definitiv links liegen lassen.

Col de la Madeleine

Col de la Madeleine

Mit dem Col de la Madeleine stand dann der erste etwas höhere Pass auf unserem Programm. Eigenlich eine schöne Strecke, aber die vielen Radfahrer, die im Dunstkreis der Tour die Straßen verstopften, waren auch hier sehr lästig. Oben an der Passhöhe angekommen, war kaum ein Platz zum Abstellen der Motorräder zu finden, so viele Räder standen hier herum. Ich bin dann einfach direkt vor das Schild mit den Passdaten gefahren und wir haben dort geparkt. Dann ging es wieder Talwärts und wir machten eine Kaffeepause in La Chambre. Das erste Lokal wollte uns nicht, weil wir nichts essen wollten. Beim zweiten Lokal wurden wir geduldet und bestellten uns erst mal einen Grand Cafe noir. Der tat richtig gut. Dann suchte ich noch eine Bank, die Bargeldreserve war bedenklich geschrumpft. Das war nicht einfach, die örtliche Credit agricole wurde umgebaut. Im Hinterhof fand ich dann einige große Container, in denen der Bankbetrieb aufrecht erhalten wurde und es gab auch einen Bankautomat, den ich dann nutzte. Zurück im Cafe gab es noch eine Limonade und dann brachen wir wieder auf.

Col du Glandon

Col du Glandon

In Saint-Etienne-de-Cuines verwurschtelte ich mich noch ein wenig, aber die Zufahrt zum Glandon fand ich dann doch noch. Die Auffahrt zum Col du Glandon war sehr schön, doch auch hier warf die Tour bereits ihre Schatten voraus. Auf der Passhöhe waren bereits die meisten Flächen bereits durch Wohnmobile belegt oder aber mit Flatterband abgesperrt. Trotzdem fanden wir einen Platz für unsere Motorräder. Moritz hatte bei der Auffahrt einige konditionelle Schwierigkeiten, er fühlte sich nicht wohl. Darum legten wir eine größere Pause ein und tranken etwas. Mit einem Imbiss konnte sich Moritz hier nicht weiter stärken, außer einem kleinen Kiosk mit Kaltgetränken gab es keine Verpflegungsmöglichkeit. Die Abfahrt war ebenfalls sehr schön. Aufgrund Moritz Schwächeperiode fuhren wir jedoch etwas langsamer, als gewohnt. Der große See hatte nicht mehr soviel Wasser, trotz der kleinen Wasserfälle, die ihn speisten. Der Sommer forderte halt seinen Tribut. Zum Thema Tribut zollen gilt es noch nachzureichen, dass am Col du Glandon meine Sonnenbrille, die mich seit Jahren begleitete, leider auch unter der Rubrik Verluste zu verbuchen war. Beim Herausnehmen viel ein Glas aus der Brille und zersprang. Nun denn, dann ist wohl doch die Zeit für eine neue Sonnenbrille angebrochen. Moritz hatte auch schon einen Verlust zu beklagen, seine Flip-Flops hatten den Dienst quittiert und er musste notgedrungen auf biedere Sandalen zurückgreifen.

Col du Glandon

Über die D526 ging es zum Col Ornans, den man ohne das Passschild nicht bemerken würde. La Mure ließen wir links liegen, fingen uns noch eine Umleitung ein und gelangten dann endlich nach Mens. Die Tagesetappe hatte es wirklich in sich gehabt. Besonders nervig war es, dass wir mit jedem Straßenschild nach Mens uns mit einer höheren Kilometerzahl als zuvor angezeigt, auseinander setzten mussten. Der Camping war dann schnell gefunden. Das war auch kein Wunder, wir kannten ihn ja vom letzten Urlaub. Damals hatte Moritz hier einen kleinen Umfaller, der dann einen neuen Bremshebel erforderte. Die Madame an der Rezeption machte ein kleines Drama aus meinen Buchungswünschen. Wir wollten auch hier drei Nächte bleiben. Nach meinem Hinweis, dass wir schon mal hier logiert hatten, schien es etwas besser zu laufen. Wir bekamen einen Stellplatz auf einer Wegesecke, was erst mal etwas Unruhe vermuten ließ. Aber nachdem wir die Kinder, die unablässlich mit ihren Fahrrädern unterwegs waren, davon überzeugt hatten, dass wir es nicht mögen, wenn sie mit den Fahrrädern zwischen Zelten und Motorrädern hindurchfuhren, wurde es ganz erträglich. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, gingen wir zum Supermarkt im Dorf und kauften ein. Nach dem Kochen wollten wir dann auch noch ins Dorf und uns in eine Bar setzen.

Camping Mens

Campingküche

Der Supermarkt war kleiner, als in meiner Erinnerung. Die Hoffnung, dass Moritz hier neue Flip-Flops erstehen könnte, wurde schnell zunichte gemacht. Die "frischen" Lebensmittel, wie Obst und Gemüse, waren alles andere als frisch. So entschlossen wir uns zum Gericht Nudeln mit Pesto. Das Pesto sollte etwas gepimpt werden, Knoblauch bot sich hier an. An der Kasse wollten wir auch noch Pfandflaschen zurück geben. Diese, für uns normale, Sache stieß auf völlige Ratlosigkeit bei der Dame an der Kasse. Letztlich gab sie uns den Hinweis auf einen in der Nähe stehenden Müllcontainer. Soweit das Thema Recycling in Europa, es scheint noch nicht gänzlich umgesetzt zu sein. Wir kehrten zum Camping zurück, kochten unsere Nudeln und spülten nach dem Essen auch gleich ab. Dann ging es noch ins Dorf und wir setzten uns in die erstbeste Bar. Hier genossen wir den Abend und schauten den Franzosen beim Leben zu.

Anfang

Der sechste Tag - Tagesausflug ins Vercors (eigentlich sollte es woanders hingehen)

Wir hatten uns für heute vorgenommen in die Alpen zu fahren. Die grobe Richtung sollte Alp d'Huez sein und insbesondere der Col de Noans stand auf der Liste für die heutige Ausfahrt. Nach dem Frühstück ging es dann auch schon los und wir fuhren zunächst ins Dorf um zu tanken. Der Treibstoff war auch hier recht teuer, überall in Frankreich schien der Literpreis Super über 1,40 Euro zu liegen. Das war deutlich mehr, als in Deutschland. Nachdem die Tanks gefüllt waren, machten wir uns auf die Suche nach der D66, die uns zum Col de Noans führen sollte. Wir versuchten unser Glück im Dorf und fanden auch schnell ein entsprechendes Verkehrsschild. Doch der erste Start war eher ein Fehlstart, weil die Hinweisschilder zu dünn gesät waren oder ich ein Schild übersehen habe.

Das Ergebnis war dann eine ganz kleine Straße, die sich schnell in eine Schotterpiste verwandelte und an idyllischen Bauernhöfen vorbei führte. Okay, wenden war dann wohl angesagt. Wir fuhren zurück und fanden sogar die D66 wieder, der wir dann folgten. Allerdings kam mir die Richtung nicht gerade koscher vor. Nach meiner Karte sollte es eigentlich in Richtung Südosten gehen, die Straße führte jedoch fast genau in die nördliche Richtung. Ich beriet mich kurz mit Moritz und wir kehrten um. Die D66 führte uns dann wieder an der Tankstelle am Dorfrand vorbei, aber das machte ja nichts aus.

Die D66 schlängelte sich mit schönen Kurven nun in Richtung Südwesten, immerhin besser als Norden, aber auch noch nicht wirklich in die Hochalpine Region. Nach rund 25 Kilometern war dann klar, dass diese Richtung auch nicht die Richtige war. Ein Hinweisschild auf den Col de Croix machte dies ganz deutlich. Bei Lalley erreichten wir die Route Napoleon. Wieder folgte eine kurze Beratung und wir entschlossen uns auf der Route Napoleon zum Col de Croix zu fahren und dort erst mal einen Kaffee zu uns zu nehmen. Gesagt getan, wir gaben kräftig Gas auf der breiten Straße und machen schnell die paar Kilometer in der Manier der französischen Motorradfahrer. Überholverbote und durchgezogene Linien gelten für diese Gruppe der Verkehrsteilnehmer nicht. Am Col angekommen nahmen wir bei einem Kaffee zunächst mal die Straßenkarte zu Rate. Der Entschluss für die weitere Streckenführung war dann auch schnell gefasst. Wir wollten nun eine kleine Runde durch das Vercors drehen, dass ja nun quasi direkt in westlicher Richtung lag.

Schlucht

Wir stiegen wieder auf und folgten der Route Napoleon noch bis zur D539 und bogen dort in Richtung Vercors ab. Durch eine wunderschöne Schlucht ging es dann über den Col de Grimone, an dem wir uns nicht weiter aufhielten. Wir fuhren weiter bis kurz vor Chatillion-en-Diois und bogen dann in Richtung Norden auf die D120 ein. Hier war es wieder sehr warm und wir kurvten bergauf durch das schöne Tal. Am Col de Menèe hielten wir vor dem Tunnel in der kleinen Parkbucht. Der Asphalt begann hier in der Sonne langsam zu schmelzen, so das wir beim Abstellen der Motorräder Vorsicht walten lassen mussten. Wir schauten zurück und hatten eine wunderbare Sicht in das Tal. Es hat schon etwas besonderes, wenn man mehrere Tage an einem Ort verweilt und dadurch die Gelegenheiten zu solchen Ausflügen hat.

Nachdem wir noch etwas getrunken hatten, ging es weiter durch den Tunnel. Tunneldurchfahrten waren immer spektakulär, durch die fehlenden DB-Killer in den Auspufftöpfen brach hinter uns immer ein Inferno los. Auf der anderen Seite des Passes ging es nun bergab. Nach einigen schönen Kurven hatten wir einen tollen Blick auf den Mont Aiguille. Mich erinnerte die Form des Berges an einen sehr schlechten Sience-Fiction-Film, in dem die Akteure zu diesem Berg gelotst wurden, um die Welt, das Universum und den Schokoladenpudding zu retten. Nach kurzer Fahrt erreichten wir wieder die Route Napoleon, die wir kreuzten.

Wir hatten mal wieder Lust, es richtig gehen zu lassen und blieben auf der Route Napoleon, die ja breit ausgebaut ist. Der Berufsverkehr versuchte zwar uns an einer zügigen Fahrt zu hindern, aber nicht mit uns. Wozu haben die Franzosen die Straße so breit gebaut? Genau, damit man gut überholen kann und das bischen Gegenverkehr konnte uns nicht erschrecken. Bei Lalley nahmen wir die D66, die wir auch schon auf der Hinfahrt gefahren waren. Das war eine herrliche kleine Runde, die zwar in eine völlig anderer Richtung als geplant geführt hatte, aber das tat dem Fahrspaß überhaupt keinen Abbruch. Und das besonders Schöne daran war, dass Moritz und auch ich überhaupt kein Problem damit hatten, dass wir unser ursprüngliches Vorhaben nicht umsetzen konnten. Zum Abschluß der kleinen Rundfahrt gönnten wir uns noch einen Cafe in Mens. Dabei fielen mir die unterschiedlichen Ausprägungen der Schornsteine auf.

Schornsteine und Dächer

Schornsteine und Dächer Schornsteine und Dächer

Schornsteine und Dächer Schornsteine und Dächer

Morgen war ja auch noch ein Tag, der mit einer schönen Runde gefüllt werden wollte. Somit waren alle zufrieden und wir konnten am Campingplatz unsere durchgeschwitzen Kombis in der Sonne trocknen und uns Gedanken über die heutige Verpflegung machen. Wir kamen schnell überein, dass wir die örtliche Gastronomie belästigen wollten. So machten wir uns chic, soweit das überhaupt möglich war, und gingen ins Dorf.

Die Auswahl an Restaurants war sehr überschaubar, und wir setzten uns zunächst in eine Bar und tranken einen Cafe Noir. Außer Pizza schien es kein weiteres Angebot zu geben, aber das machte ja nichts. Schräg gegenüber der Bar war eine Pizzeria, die wohl in erster Linie mit Pizza-to-go ihr Geschäft machte. Es gab zwar draußen ein paar Tische, die auf dem Parkstreifen der Durchfahrtsstraße aufgestellt waren, aber die sprachen mich nicht so richtig an. Für den Laden sprach allerdings, dass jede Menge Kunden dort ihre Pizza kauften und mit nach Hause nahmen. Moritz war mit dem Laden einverstanden, mir gefiel er nicht wirklich. Rund einhundert Meter weiter war ein Restauran, dass ebenfalls italienische Speisen verkaufte. Das sah etwas netter aus und da am Himmel sich einige dunkle Wolken zu türmen begannen, war ein Tisch in der Außengastronomie vielleicht nicht so ideal.

Moritz und ich gingen zu dem Restaurant und studierten die Speisekarte. Okay, hier wollten wir essen und nahmen zunächst draußen Platz. Nachdem wir die Speisekarte und unsere Getränke erhalten hatten, zogen wir doch in den Gastraum um, da frischer Wind aufkam und auch schon ein paar Regentropfen dabei waren. Es bahnte sich wohl ein Gewitter an. Drinnen bestellten wir uns Pizza und damit begann auch das Fiasko. Zum einen dauerte es ewig, bis endlich die Pizza kam. Die war dafür nur lauwarm und der Teig von meiner Pizza war noch nicht richtig durch. Ich hatte so richtig die Pappe auf und konnte nicht weiter essen. Das war mit abstand die miserabelste Pizza, die mir je serviert wurde. Moritz würgte seine Pizza auch nicht bis zum Ende herunter. Das Trinkgeld viel auf jeden Fall aus und wir überlegten schon, wie wir noch satt werden sollten. Zum Glück war das Gewitter an uns vorüber gezogen und wir konnten trockenen Fußes unseren Campingplatz erreichen. Wir hielten uns noch kurz in der Campingplatzbar auf, gingen dann aber doch recht früh zu unseren Zelten.

Platzhalter Foto

Anfang

Der siebte Tag - Tagesausflug in die Berge

Heute sollte also der 2. Versuch in die Berge zu fahren starten. Auch heute wollten wir über die D66 fahren, aber nun in der richtigen Richtung. Nach dem Frühstück, Moritz war so nett und besorgte die Standardzutaten beim Bäcker und im Supermarkt, wollten wir starten. Das Wetter war wieder herrlich, das Gewitter vom Vorabend hat keinen Wetterumschwung mit sich gebracht. Ich kümmert mich schon mal um den Kaffee, der wie immer in der Zubereitungsart "Prütt-Kaffee" serviert wurde. Also galt es frisches Wasser in den Kessel zu bekommen und anschließend den Trangia-Kocher zu starten. Gesagt getan und als das Wasser heftig kochte, wurde der Kaffee aufgebrüht. Moritz kam auch gerade vom Einkauf zurück und wir konnten das Frühstück genießen. So ließ es sich wirklich leben.

Nun sollte es aber los gehen, zunächst wieder der Abstecher zur Tankstelle. Meine SMR ist extrem durstig und das Tankvolumen nicht wirklich Tourentauglich. Nach rund 130 Kilometern sollte man dringend nach einer Tankstelle Ausschau halten. Aber was soll's? Spaß kostet eben auch etwas. Heute fuhren wir also die D66 in die andere Richtung. Wir ließen uns auch nicht davon beirren, dass wir zunächst in nördlicher Richtung unterwegs waren. Sicherheitshalber hat Moritz noch auf dem Handy die Navigationsapp gestartet, aber auch er hatte nichts zu beanstanden. Bei Saint-Sebastien änderte sich auch die grobe Richtung und es ging in süd-östlicher Richtung weiter. Ein paar Wolken zogen auf und sogar ein paar Regentropfen kamen vom Himmel. Aber nichts ernsthaft schlechtes Wetter war angesagt und in Richtung Berge sah der Himmel auch schön blau aus. Wir fuhren durch eine schöne Schlucht mit idyllischen Flußlauf. Dann öffnete sich die Schlucht wieder und der Lac du Sautet kam in Sicht. Am Lac du Sautet stellte sich die Frage links oder rechts herum zu fahren. Rechts war die bessere Wahl und wir umfuhren den See am westlichen Ufer. Die D537 war nun unsere Straße zum Col du Noyer, der unser nächstes Ziel war.

Monestier-d'Ambel ließen wir links liegen und folgten der schön geschwungenen Straße. In Devoluy war die Straße zum Col du Noans gesperrt, aber es war eine Umleitung eingerichtet. Die Umleitung führte uns dann zur Sperrung an der anderen Dorfseite, das war ja super eingerichtet. Aber es gab noch eine Zufahrt zum Col, die etwas weiter südlich lag und oberhalb von Devoluy verlief. Die nahmen wir dann auch und fuhren die Passstraße hoch. Ein paar ganz nette Kurven waren schon zu fahren, aber spektakulär ist die Auffahrt von dieser Seite wirklich nicht. Dafür ist aber an der Passhöhe die Gastronomie zu empfehlen. Der Cafe Noir war wirklich gut und wir genossen den schönen Blick auf die Berge, die den Pass links und rechts säumten. Wir machten eine kleine Pause und überlegten dabei, wie wir weiter fahren wollten. Zu groß sollte die Runde auch nicht werden, so 150 bis maxomal 200 Kilometer sollten uns für heute reichen. Aber wir hatten ja auch erst rund 40 Kilometer absolviert und Spaß machten die Touren ja immer reichlich.

Weiter ging es und ich muss sagen, nach ein paar hundert Metern verschlug es uns den Atem. Die Aussicht ins nächste Tal, in dem die N85 verläuft, war einfach überwältigend. Zum einen sieht man die Straße, die sich in schönen Kurven ins Tal schlängelt, und zum anderen ergibt sich ein weiter Blick ins Tal. Einfach nur toll! Wir fuhren weiter und einige enge Kurven beanspruchten unsere Aufmerksamkeit. Unten angelangt ging es auf kleinsten Straßen zur N85 weiter. Teilweise hatte man den Eindruck, die Sträßchen führten direkt über die Höfe der umliegenden Bauernhöfe. Ich mag diese kleinen, engen Straßen ja sehr, Moritz ist da nicht ganz so begeistert. Er mag lieber übersichtliche und besser ausgebaute Straßen, auf denen man mehr Tempo aufnehmen kann.

Auf der N85 oder besser auf der Route Napoleon fuhren wir dann links, in Richtung Norden. Und das war eine Straße ganz nach dem Geschmack von Moritz. Breit, kurvig und guter Asphalt. Mir gefiel sie auch und so ließen wir es mal wieder krachen. Das Tempolimit von 80 km/h konnten wir auf diesem Stück Straße leider nicht weiter berücksichtigen und wir waren nicht die einzigen Verkehrsteilnehmer, die so handelten. Wenn Dörfer an der Route Napoleon lagen, drosselten wir unser Tempo natürlich, wir sind ja schließlich verantwortungsvolle Raser. Das machte eine Menge Spaß und wir waren fast etwas traurig, als wir kurz vor La Mure auf die D526 abbogen.

Als wir die Brücke über die Le Drac erreichten, sahen wir eine Vorrichtung für Bungee-Springer am Brückengeländer befestigt und es waren auch einige Leute dort zu sehen. Das wollten wir uns anschauen und hielten nach der Brücke auf einem kleinen Parkplatz, der einen guten Blick auf die Brücke und die Drac tief darunter bot. Da gehörte schon eine Menge Mut zu, sich dem Gummiseil anzuvertrauen. Es dauerte auch eine ganze Weile, bis sich der Bungee-Springer dann entschließen konnte, sich in die Tiefe zu stürzen. Vielleicht war es auch eher der kleine Schubs, den der Betreuer ausübte, um den Sprung dann wirklich einzuleiten.

Wir fuhren dann die Serpentinen der D227 hoch, da sich in Richtung La Jargne eine Baustelle mit Umleitung ankündigte. Das war auch überhaupt nicht schlimm, denn hier ging es wieder sehr kleinteilig zur Sache. Das ist das ideale Geläuf für die SMR, enge Kurven und das damit verbundene bremsen und beschleunigen. Bei Saint Sebastien bogen wir scharf rechts ab und fuhren dann über Saint-jean-d'Herans zurück nach Mens. In Mens tankten wir dann gleich wieder voll, denn die SMR würde nach wenigen Kilometer sowieso wieder nach frischem Sprit jammern und am nächsten Tag wollten wir ja auch weiter ziehen.

Heute war, nach den kulinarischen Erfahrungen am Vorabend, wieder die eigene Küche gefragt. Nachdem wir die Lederkombis gegen unsere Zivilkleidung getauscht hatten, ging es ab zum Supermarkt. Erstaunlicher Weise war das Obst und Gemüse hier in recht fragwürdigem Zustand, das kenne ich so eigentlich nicht. Aber wir fanden ausreichend Lebensmittel, da wir uns wieder für ein Nudelgericht entschieden hatten. Und es sollte auch kein großes Experiment werden, also kauften wir die Zutaten für eine Käsesauce ein. Dazu sollte es einen Tomatensalat geben, der in diesem Urlaub unser Herz oder besser unsere Mägen erobert hatte.

So beladen kehrten wir zum Campingplatz zurück und begannen mit der Zubereitung des Essens. Zum Glück war das schnell erledigt. Eine Zwiebel und ein paar Knoblauchzehen wurden geschält, zerkleinert und in Olivenöl angeschwitzt. Dann kam der Schmelzkäse in den Topf und anschließend der Roquefortkäse hinzu. Ein großer Schluck Sahne und zum Schluß hin der geriebene Parmesankäse rundeten die Sauce ab. Nun noch mit Pfeffer und Salz abschmecken und fertig ist die Sauce. Die Nudeln wurden auch gekocht und der Tomatensalat ist eh fix gemacht. Lecker war es allemal und wir waren wieder mal pappsatt. Um die Anstrengung zu verarbeiten kamen unsere Loungesessel wieder zum Einsatz. Mittlerweile hatten wir den Trick mit der Luftbefüllung raus. Es sah zwar immer noch recht witzig aus, wenn wir mit den schlaffen Säcken über den Campingplatz sprinteten, aber wir waren effektiver geworden und benötigten maximal zwei Sprints, um die Sessel ausreichend mit Luft zu füllen.

Wir besprachen noch kurz wohin die Reise morgen gehen sollte. Die grobe Richtung Provence war schnell festgelegt, eher ins flache Land als in die Seealpen. Mal schauen, was dabei konkret werden sollte und wo wir in der nächsten Nacht schlafen würden. Wir packten, soweit wie sinnvoll, schon mal unsere Packtaschen und die Tankrucksäcke, dann sollte es am nächsten Morgen nicht so ein anstrengendes gerödel geben.

Platzhalter Foto

Anfang

Der achte Tag - von Mens nach Aups

Heute ziehen wir nach schönen Tagen in Mens weiter nach Süden. Wir konnten uns noch nicht so genau festlegen, wohin es konkret gehen sollte. Irgendwo in der Provence wollten wir unterkommen, am besten in Reichweite zur Cote A'zur. Wir frühstückten kurz, packten unsere Sachen zusammen und luden sie auf die Motorräder. Dann konnte es losgehen, bezahlt hatten wir ja schon.

Zunächst fuhren wir zur D1075, wieder über Lalley, das kannten wir ja schon. Dann ging es weiter nach Süden. Nach einer Weile kam am Straßenrand eine Parkbucht, dort stand ein zum Verkaufsstand aufgemotzter Campingwagen. Wir stoppen und bestellten einen Cafe, der nicht einmal schlecht war. Allenfalls das er im Pappbecher serviert wurde, ließe sich bemängeln. Moritz hatte wieder Hunger und so nahmen wir draußen auf einem Stein platz und Moritz holte aus seinem Tankrucksack seine Reserver-Ration. Das Schild "eigene Speisen verzehren ist verboten" übersahen wir dabei geflissentlich. Nach dem kurzen Snack machten wir uns wieder auf und fuhren in Richtung Sisteron weiter.

Der Verkehr war schon recht heftig, besonder die Ortsdurchfahrten hatten es in sich. Die Temperaturen stiegen unaufhaltsam und die Staus in den Orten boten für uns auch kein Durchkommen. Selbst für Motos war das etwas zu eng und oft auch verwinkelt und unübersichtlich. Aber da half ja alles nichts, wir wollten weiter nach Süden und das war der Weg dorthin. Endlich kam Sisteron in Sicht und wir fuhren direkt am Ortseingang auf einen kleinen Parkplatz. Der war natürlich voll besetzt, da man von hier aus gut die Zitadelle oben auf dem Felsen erreichen konnte. Aber es gab ja noch einen breiten Bürgersteig, den wir nutzen konnten. Das wichtichste war jetzt viel zu trinken. Zum Glück hatten wir vorgesorgt und in unseren Tankrucksäcken entsprechende Wasserflaschen mitgenommen. Die Temperatur des Mineralwassers hätte bestimmt auch zum Tee kochen ausgereicht, aber es war flüssig und nur das zählte.

Sisteron

Sisteron

Durch die Stadt wollten wir möglichst nicht weiter fahren, da bahnte sich der Verkehrskollaps an. So fuhren wir ein paar Meter zurück und überquerten die Durance. Dann ging es auf dieser Flussseite auf der D4 weiter, die nach einigen Kilometern wieder auf die N85 führte. Bei Volonne nutzten wir diese Gelegenheit und bogen rechts ab, um die N85 zu erreichen. Die N85 ist gut ausgebaut und wir kamen schnell voran, so dass wir ruck-zuck in Digne-les-Baines waren. Dort galt es zunächst mal eine Tankstelle aufzusuchen. Am Ortsrand gab es einige Supermärkte und ein Gewerbegebiet, dort wurden wir fündig und tränkten die Motos. Dann ging es weiter in die Provence. Wir blieben bis Chateauredon auf der N85 und wechselten hier auf die D907. In Pouimoisson folgten wir der D952 um nach Moustiers-Sainte-Marie zu gelangen. Dort folgten wir der D957 und kamen nach wenigen Kilometern an die Brücke, die die Verdonschlucht vom Lac-de-Saint-Croix trennt. Eine kleine Pause gönnten wir uns hier natürlich auch, der Ausblick in die Schlucht ist doch sehr schön. Da Aups in der Nähe lag, wollten wir beim Camping International unser Glück versuchen. Ich kannte den Campingplatz von früheren Reisen und hatte schon das ein oder andere mal dort Station gemacht. In den letzten Jahren waren die Versuche, dort spontan unterzukommen allerdings gescheitert. Aber wer nicht fragt bekommt auch keine Antwort. Moritz fand die Idee auch gut uns so ging es weiter auf der D957 nach Aups. Hier gibt es ein paar sehr schöne Streckenabschnitte. Breit ausgebaut mit bestem Asphalt. Das lud zur zügigen Fahrweise ein und wir ließen uns auch nicht lange bitten. Mit Gepäck fahren wir zwar immer etwas zurückhalten, aber Spaß macht es trotzdem und die Fußrasten waren in den Kurven auch nicht so weit vom Asphalt entfernt.

Dann kam Aups in Sicht, große Veränderungen des Dorfs waren nicht zu erkennen. Nach der Fahrt durchs Dorf, vorbei am Friedhof und der Feuerwehr, kamen wir nach wenigen Metern zum Camping International. Die Rezeption war nicht besetzt und ich schaute an der Bar nach, ob ich vielleicht den Patron Pierre dort finden würde. Der war nicht zu sehen, aber ein junger Mann mit ähnlichen Gesichtszügen wie Pierre kam auf mich zu. Sein Englisch war perfekt und in der Rezeption erfuhren wir, dass er der Zweitgeborene sei. Eine weiter Generation schien also den Campingplatz zu übernehmen. Wir hatten Glück und eine kleine Auswahl an Stellplätzen war frei. Wir beschlossen, einen Rundgang zu machen und die Plätze in Augenschein zu nehmen. In praller Sonne wollten wir unsere Zelte nicht aufstellen und so wählten wir einen Platz unter Pinien aus. Das Sanitärgebäude war auch in der Nähe, also war alles perfekt.

Camping International

Zurück an der Rezepzion buchten wir gleich für vier Nächte. Die Zelte waren schnell aufgebaut und wir beschlossen noch einen kleinen Ausflug ins Dorf zu unternehmen. Gesagt getan und in Aups hatte sich zu meinem letzten Aufenthalt wirklich kaum etwas verändert. Wir nahmen noch in einem Cafe Platz und überlegten, ob wir selbst kochen wollten oder lieber die örtliche Gastronomie aufsuchen. Wie die Auswahl ausgefiel, könnt ihr euch denken.

Camping International

Anfang

Der neunte Tag - kleiner Tagesausflug

Nachdem wir gestern ja nur einen Platzwechsel vorgenommen hatten, wollten wir heute wieder eine kleine Tour fahren. Die Temperatur war wieder erstklassig hoch und wir hatten beide Startschwierigkeiten. Zuerst versuchten wir bei der Campingplatzbar unser Frühstück zu kaufen. Leider hatten wir gestern vergessen, unsere Croissonts vorzubestellen und so musste ich unverrichteter Dinge wieder abziehen. Zumindest für den nächsten Tag habe ich unser Standard-Frühstückgedeck bestellt. Also ging es zurück zu den Zelten und ich setzte erst mal das Wasser für einen Kaffee auf. Und als das Wasser anfing zu kochen, kam auch Moritz aus seinem Zelt. Wir brühten den Kaffee auf und überlegten wie es weiter gehen sollte. Ohne ein ordentliches Frühstück ging natürlich gar nichts. Die Frage war nur, fahren wir mit den Mopeds ins Dorf oder laufen wir die paar Meter? Wir entschieden uns für den Fußmarsch und machten uns nach der Morgentoilette auf den Weg. Im Dorf war schon ordentlich was los. Leider war kein Wochenmarkt, der war immer recht schön. Also auf zum Bäcker und Frühstück einkaufen. Das war schnell erledigt und wir suchten uns ein Cafe um das Frühstück einzunehmen. Das war auch schnell gefunden und wir stärkten uns.

Die Frage war natürlich, was wir mit dem angebrochenen Tag anfangen wollten. Irgenwie kamen wir nicht so richtig in Schwung. Wir bestellten eine zweite Runde Kaffee und überlegten, ob wir noch zum Meer fahren sollten oder lieber die Umgebung usnicher machen wollten. Für den Ausflug ans Meer konnten wir uns nicht so richtig erwärmen und so stand es fest, dass wir eine kleine Runde ins Umland machen würden. Wir machten noch einen kleinen Stadtrundgang um zu erkunden, ob wir abends auswärts essen wollten. Wir wurden aber nicht so richtig fündig und beschlossen, dass wir nach unserem Ausflug den Supermarkt beehren wollten.

Zurück am Campingplatz zogen wir unsere Kombis über, was angesichts der Temperaturen schon eine kleine Überwindung darstellte. Dann ging es aber los und der Fahrtwind belohnte uns mit angenehmer Frische. Wir fuhren zum Lac-de-Saint-Croix, die Strecke dorthin ist gut ausgebaut, breit und guter Asphalt, und wir gaben reichlich Gas. Die 30 Kilometer bis zur Brücke am See waren dann auch sehr schnell erledigt. An der Brücke schauten wir den Mutigen zu, die von den Steilwänden der Schlucht in den Verdon sprangen. Da konnte man zwischen unterschiedlichen Absprunghöhen auswählen, die meisten sprangen wohl so aus 7 - 10 Metern Höhe in den Verdon. So manches mal wurde es beim Eintauchen knapp mit den Wassersportlern, die mit Tret- und Paddelbooten unterwegs waren. Eigentlich ein Wunder, dass hier nicht ständig der Krankenwagen vorfährt. Wir überlegten, wie wir weiter fahren sollten. Wir nahmen die gleiche Strecke zurück, jetzt wurden wir allerdings mit deutlich höherem Verkehrsaufkommen konfrontiert. Aber wir sind ja Motorradfahrer in Frankreich und dürfen alles. Wobei die Überholmanöver in dem kuvigen Geläuf schon mit Vorbedacht vollzogen werden sollten. Ein paar heftige Bremsungen waren dann auch dabei, als es enger mit dem Gegenverkehr wurde.

Wir fuhren dann direkt zum großen Supermarkt, der am südlichen Stadtrand lag. Dumm war nur, dass wir keine Tankrucksäcke dabei hatten, aber irgendwie würden wir den Einkauf schon zum Campingplatz transportiert bekommen. Wir hatten schon lange kein Nudelgericht mehr gekocht und so viel die Wahl wieder auf Nudeln mit Käsesauce. Moritz schaute auch noch mal nach neuen Flip-Flops, die Alten hatten den Strapazen eines Campingurlaubs nicht stand gehalten. Aber er hatte keinen Erfolg, Flip-Flops schienen in France keine Saison zu haben. Für meine Sonnenbrille habe ich auch keinen adäquaten Ersatz gefunden, gut dass ich das getönte Visier am Helm hatte. Aber die Zutaten für unser Abendessen und auch ein paar Kleinigkeiten für den nächsten morgen bekamen wir eingekauft. Wir verstauten alles in zwei Plastiktüten und ich spannte meine Tüte mit den Mini-Rockstraps auf dem Sitz hinter mir fest. Moritz verstaute einen Teil unter der Sitzbank und den Rest stopfte er sich in die Lederkombi, es waren ja nur ein paar Kilometer bis zum Platz.

Zurück am Campingplatz wurde zunächst eine Abkülung fällig. Dazu war schließlich der kleine Swimmingpool gebaut worden. Hier ließ es sich auch gut aushalten, es muss ja nicht immer das Mittelmeer sein.

Poolblick

Mittlerweile war es später Nachmittag und wir hatten auch ordenlichen Hunger. Also wurde die Küche aufgebaut und die Messer gewetzt. Nebenbei luden wir im nahen Sanitärgebäude unsere Mobiltelefone auf und Moritz versuchte seiner Powerbank ebenfalls zu neuer Ladung zu verhelfen. Wir warfen während des Kochens ab und zu einen Blick in Richtung Ladestation und plötzlich sprang Moritz auf und rannte los. Ich war etwas verdutzt, denn mir war nichts aufgefallen, was einen Sprint erfordert hätte. Moritz kam nach ein paar Minuten zurück und berichtete, dass ein Campingplatzgast gefallen an seinem Mobiltelefon und der Powerbank gefunden hatte. Als er ihn zur Rede stellte, viel ihm nur die lahme Ausrede ein, dass er die Sachen an der Rezeption abgeben wollte, da er geglaubt habe, sie wären vom Besitzer vergessen worden. Interessant dabei war noch, dass mein reichlich ramponiertes Mobiltelefon direkt neben den Sachen von Moritz gelegen hatte. Das wurde vom "ehrlichen Finder" wohl übersehen. Das war ja gerade noch mal gut gegangen. Wir kochten unser Essen fertig und genossen anschließend die leckeren Nudeln.

Nach dem Spülen machten wir uns auf den Weg zur Campingplatzbar. Dort erfuhren wir, dass es einen Karaoke-Abend geben würde. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir suchten uns einen Tisch aus und bestellten uns eine Karaffe mit dem rosafarbenen Traubensaft. Gut gekühlt lies sich der Fruchtsaft trinken, so ließ es sich aushalten. Die Karaoke-Show war dann Klasse, wobei die meisten Darbietungen schon nahe der Körperverletzung rangierten. Anschließend gab es noch Tanzmusik, die auch sehr nett war.

Karaokeabend Gut geht's

Anfang

Der zehnte Tag - Verdonschlucht

An unserem 10. Reisetag sollte die Verdonschlucht das Ziel sein. Ein "Must-see", wenn man gerade in der Gegend ist. Und obwohl ich schon einige Male mit dem Motorrad und auch dem PKW die Schlucht besucht habe, so hat sie doch nichts von ihrem Reiz verloren. Die bizarre Landschaft ist immer wieder beeindruckend und ich habe mich nie gelangweilt oder gedacht: "Oh je, schon wieder die Verdonschlucht". Nach dem Frühstück wollten wir dann auch los und sind zunächst durch Aups gefahren, um in die nördliche Richtung zu kommen. Wir wollten zunächst die Nordseite, also die Rive Gauche, der Gorges du Verdon befahren, an der auch die Route des Cretes liegt. Dazu nahmen wir die D 957 in Richtung Moustiers-Sainte-Marie unter die Räder. Immer wieder schön ist die gut ausgebaute Straße, die zum Power-Cruisen einlädt. An der Brücke am Ausgang der Schlucht machten wir unseren ersten Stopp. Wie gewohnt war die Schlucht von Wassersportlern gut besucht.

Verdonschlucht - Ausgang

Anschließend fuhren wir zunächst an der D982, die den Einstieg zur Rive Gauche bildet, vorbei und suchten uns eine Tankstelle. Die erste sollte es gleich sein, eine Garage mit Zapfsäule fanden wir vor und einen recht brummigen Franzosen. Der Tankwart bestand darauf, dass er den Tankschnorchel bediente und wir ließen ihn gewähren. Wegen des guten Service bekam er dann auch ein Trinkgeld von mir, das ihn sichtbar fröhlicher machte. Dann wendeten wir die Motorräder und fuhren ein paar hundert Meter bis zum Abzweig der D982 zurück. Und der Kurvenspaß geht auch sofort los. Die Straße ist etwas schmal und zunächst auch schlecht einsehbar, es stehen zuviele Bäume herum. Aber nach wenigen Metern in die Höhe läßt der Baumbewuchs stark nach und man kann immer gut in die Schlucht schauen. Halteplätze gibt es jede Menge, Touristen allerdings ebenso. Verdonschlucht - Kurve

Unser Plan war, die Route des Cretes auf jeden Fall zu fahren. Wenn wir schon mal hier sind, sollte es ja auch das volle Programm geben. Bis La Palud kamen wir schnell voran und hatten dabei auch noch tolle Ausblicke in die Schlucht. Um die Route des Cretes komplett fahren zu können ist es wichtig, den richtigen Einstieg zu nehmen. Die Routes des Cretes ist nähmlich eine Rundstrecke, die bei La Palud beginnt und auch wieder endet. Die Besonderheit ist, dass ein Teilstück eine Einbahnstraße ist und wenn man den falschen Einstieg nimmt, schaut man dumm aus der Wäsche. Für uns hieß es darum erst mal durch La Palud zu fahren und einige hundert Meter abzuwarten, bis die Abzweigung zur Routes des Cretes kommt. Die Route des Cretes hat die schöne Bezeichnung D23 und beträgt rund 22 Kilometer. Sie gibt besonders spektakuläre Aus- und Einblicke in die Gorges du Verdon preis. Gleich am ersten Stopp kann man tief in die Schlucht schauen, nichts für Menschen mit Höhenangst, denn es geht am Geländer direkt steil in die Tiefen. Hier liegen zwei Aussichtspunkte direkt nebeneinander. Wir parkten am ersten direkt am Geländer, Platz für Motorräder gibt es ja immer. Dann kamen einige Touristen mit ihren PKW's und suchten eine Abstellmöglichkeit für ihre Blechbüchsen. Das war nicht so einfach, da der Aussichtspunkt direkt an einer spitzen Kehre liegt und keine größeren Parkmöglichkeiten bietet. Also fuhren die ersten auf die Innenfläche der Spitzkehre, die aber nur sehr rustikal eingeebnet war. Wir sahen schon die aufgerissenen Ölwannen vor uns, aber das Einparken ging ohne größere Blessuren von statten. Okay, der Bugspoiler schrappte etwas über die Felsen, aber der war ja aus biegsamen Kunststoff und musste das eben aushalten. Wir machten es uns in der Zwischenzeit gemütlich und nahmen einen Imbiss zu uns. Croissonts und Käse hatten wir dabei und ein Baguette war auch noch im Angebot. Die Abfahrt der Touristen wollten wir uns nicht entgehen lassen. Kurz gesagt gab es keine sichtbaren Schäden an den Autos, obwohl es ganz schön laut knirschte und krachte. Öllachen blieben auch keine zurück, aber ich denke, die Spurstangen haben ganz schön gelitten. Verdonschlucht - Rundblick

Wir fuhren dann weiter bis Pont de Soleils, um dort auf die andere Seite, zur Rive Droit zu gelangen. Es war wieder sehr heiß und wir hatten leichte Konditionsschwächen während wir über das Hochplateau fuhren. Aber es half ja alles nichts, wir wollten ja auch wieder zurück zum Camping. Moritz hing etwas hinterher und ich ließ es langsamer gehen. Das war sowieso eine gute Idee, denn die entgegenkommenden Autofahrer nahmen oft die ganze Straßenbreite für sich ein und besonders in unübersichtlichen Kurven wurde es oft sehr eng. Dazu kam noch, dass der Asphalt an vielen Stellen aufgeweicht bis flüssig war und die Haftungseigenschaften von Schmierseife aufwies. Also etwas Piano gehen zu lassen, war nicht die schlechteste Taktik. Ein paar Pausen gab es natürlich auch noch, obwohl ich nicht mehr so viele Fotos machen wollte und auch nicht gemacht habe. Verdonschlucht - Moritz

Verdonschlucht - Ulrich

Dann kam das Ende in Sicht. An machen Stellen konnte man schon das türkisfarbene Wasser des Lac de Saint-Croix sehen. Sieht zwar kitschig aus, ist aber so. Verdonschlucht - Ausgang

Verdonschlucht - Ausgang

Dann ging es noch die Serpentinen nach Aiguines hinunter zu bezwingen, die wieder viel Spaß machten. In Aiguines nahmen wir die die D 619 um wieder die Richtung Aups zu kommen. Am frühen Abend waren wir dann wieder auf dem Campingplatz und ließen den schönen Tag ausklingen.

Anfang

Der elfte Tag - kleine Heizerrunde

Einen größeren Ausflug sollte es heute nicht geben, morgen früh wollten wir uns wieder in Richtung Heimat orientieren. Wollen wollten wir eigentlich nicht, aber leider hat so ein Urlaub immer ein Ende-Termin. Trotzdem wir schon im letzten Drittel des Urlaubs waren, mussten wir eine Waschtag einlegen. Eine größere Tour war also schon aus diesem Grund nicht sinnvoll. Nach dem Frühstück schwangen wir uns auf die Motos und brezelten einfach durch die Gegend. Am Ende der Tour sollte es dann noch zum Supermarkt gehen, um für das leibliche Wohl zu sorgen und um schon mal für den nächsten Morgen vollzutanken. Über die Runde mit den Motorrädern gibt es nicht so viel zu berichten. Im Prinzip kann man in dieser Gegend auf fast jeder Straße viel Fahrspaß erleben und genau das haben wir dann auch getan. Am Ende der Tour tankten wir dann wie geplant und machten im Supermarche noch unsere Besorgungen. Dann ging es zurück zum Campingplatz, die Hausarbeit wartete ja auch noch. Das Wäschewaschen ging schnell von der Hand und wir hängten die frischen Sachen zum Trocknen auf. Das sollte bei den Temperaturen ja kein Problem darstellen. Anschließend stärkten wir uns an der Campingplatzbar mit erfrischenden Getränken.

Waschtag

Im Restaurant

Als wir mit den Motos zurückgekommen waren, hatten wir schon die Aufregung am Parkplatz des Campings bemerkt. Ein großes Boule-Tunier war in vollen Gange. Es wurde Teamweise gespielt und einige Teams waren sogar mit eigenen T-Shirts ausgestattet, echte Profis also. Wir schauten eine Weile zu und gingen dann zu unseren Zelten, das Essen kochte sich schließlich nicht von selbst. Bouletunier

Nach dem Essen war die Wäsche auch trocken und wir begannen etwas wehmütig schon mal Ordnung in unsere Sachen und in den Zelten zu schaffen. Morgen sollte es dann früh los gehen und da sollte soviel wie möglich schon griffbereit sein. Auch die Liegestühle, die uns unsere belgischen Nachbarn ausgeliehen hatten, gaben wir noch zurück. Im Supermarche hatten wir eine gute Flasche Rotwein gekauft, die wir als Dankeschön für die ausgeliehenen Sachen überreichten. Das Ehepaar war richtig gerührt und hat sich sehr gefreut. Dann gingen wir noch zur Campingplatzbar, dort fand die Siegerehrung vom Boule-Tunier statt und anschließend war natürlich wieder Party mit Musik und Tanz angesagt. Außerdem wollten wir noch unsere Zugangskarten für den Campingplatz zurück geben, da wir schließlich Pfand gezahlt hatten. Wir blieben eine ganze Weile bei der Party und amüsierten und köstlich. Wir waren aber nicht die letzten Gäste, die gingen, schließlich wollten wir morgen früh fit und ausgeschlafen aufstehen.

Anfang

Der zwölfte Tag - von Aups nach Serrieres-en-Chautagne

Blöde Sache, heute begann die Rückreise. Wir waren früh wach und zuerst gab es einen Kaffee, das Gebäck war noch nicht eingetroffen. Das machte aber nichts aus, wir packten unsere Sachen und starteten dann auch schnell. Wir waren gespannt, bis wohin es uns wohl treiben würde. Moritz meinte, wenn wir es bis L'Isle-sur-le-Doubs schaffen würden, das wäre wohl Klasse. Aber daran war nicht zu denken, der Ritt wäre wohl etwas zu viel des Guten. Wir fuhren zunächst nach Digne-les-Baines und überlegten uns, dass wir über den Lac-de-Serre-Poncon fahren wollten. Das war eine gute Idee, da blieben wir der viel befahrenen Route Napoleon fern. Vom See aus ging es nach Gap und dann weiter in Richtung Norden. Eine kurze Pause musste dann auch mal sein. Etwas essen und jede Menge trinken, das war auch wichtig.

kurzer Stop

Von Gap aus ging es dann nach Grenoble. Da mussten wir gut aufpassen, da wir keine Umweltplakette hatten und die ist dort vorgeschrieben. Wir umfuhren dann Grenoble über Saint-Martin-d'Uriage, das war eine gute Idee mit wenig Verkehrsaufkommen und schöner Gegend. Dann wollten wir auf der D 1090 weiter in Richtung Chambery fahren und das gestaltete sich etwas schwierig, denn die Straße wollte sich einfach nicht finden lassen. Endlich klappte es dann doch und wir waren schon etwas genervt, wozu die Hitze einen gehörigen Beitrag leistete. Wir sahen eine Supermarkt am Straßenrand und waren uns sofort einig, dass wir hier einen weiteren Stopp einlegen wollten. Gesagt getan, Moritz blieb bei den bepackten Motos und ich erkundete den Supermarkt. Am wichtigsten waren die Getränke, es gab aber auch noch feste Nahrung. Vegetarische Brühwürstchen von Herta gab es im Regal, dass war kaum zu glauben. Herta ist eine Fleischwarenfabrik auch dem Nachbarort Herten und Zuhause hatte ich diese Wurst noch in keinem Laden gesehen, aber hier in den französischen Alpen verkauften sie das Produkt. Die mussten also auch mit. Wir packten alles ein und fuhren ein paar Kilometer, um an einen ruhigeren Ort unseren Imbiss zu uns zu nehmen. Dann ging es weiter über Chamberie nach Aix-les-Baines. Hier wollten wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit schauen. Der uns bekannte Campingplatz war allerdings voll und so machten wir nur eine kurze Pause am Lac-du-Bourget. Die Reste des Einkaufs mussten nun auch noch dran glauben, es war ja schon später Nachmittag. Am Lac du Bourget

Wir wollten noch ein Stück in Richtung Haute-Jura fahren und beim nächsten Dorf mit Camping unsere Zelte aufschlagen. Zunächst mussten wir ein Stück durch Aix und dann die D 991 finden, um Aix in nördlicher Richtung zu verlassen. Das funktionierte ganz gut und wir fuhren ein ganzes Stück parallel zum Seeufer entlang. Dann kamen einige Dörfer oder Vororte von Aix, die uns weder optisch ansprachen noch einen Campinplatz vorweisen konnten. Ich erinnerte mich an einen Platz aus einem früheren Aufenthalt in dieser Gegend, aber ich konnte mich nicht mehr erinnern, wo genau der lag. Dann kamen wir nach Ruffieux zu einem ganz kleinen Dorf und dort lag der Camping Le Clairet. Direkt an einem Badeteich mit Fontäne. An der Rezeption, die aus einem kleine hölzernen Gartenhäuschen bestand, traf ich eine Französin an, die natürlich ausschließlich Französisch sprach. Nun gut, um einen Platz für eine Nacht zu order, reichte meine Stammelei gerade noch aus. Das funktionierte sehr gut und wir bekamen einen ruhigen und großen Stellplatz zugewiesen. Es gab auch noch einen Schlüssel für das Badehaus, den wir bei Abreise einfach in einen Briefkasten werfen durften. Prima, das hatte also gut geklappt. auf dem Campingplatz

Die Zelte waren schnell aufgebaut und wir gingen zunächst mal duschen. Das war unbedingt notwendig, wir hatten heute sehr geschwitzt und konnten die Dusche entsprechend genießen. Danach wollten wir noch einen Ausflug ins Dorf machen, ich hatte bei der Anfahrt aus den Augenwinkeln ein Restaurant gesehen. Vorbei ging es wieder am Badeteich und in den Ort. Badeteich

Das Dorf war wenig ergiebig. Eine Metzgerei hatte gerade so eben noch geöffnet, ein Restaurant war geschlossen, ob nur an diesem Tag oder dauerhaft war nicht erkennbar, und wir hatten schon ein wenig Frust, denn irgendwo noch nett zu sitzen und Speise und Trank zu ordern, das wollten wir schon noch. Dann kam doch noch das Restaurant, dass ich bei der Hinfahrt gesehen hatte. Bei der Gelegenheit fanden wir auch den Bäcker des Dorfs, den wir dann am nächsten Tag beehren wollten. Salade de Chevre chaud

# Wir waren die ersten Gäste und hatten freie Paltzwahl. Wir entschieden uns für die Terasse und bestellten erstmal ein kühles Bier. Das zischte schon gewaltig. Dann kümmerten wir uns um die Speisekarte, Moritz entschied sich für ein Fleischgericht, ich bestellte einen Salade-de-Chevre-chaud. Viel mehr Auswahl gab es für einen Vegetarier hier auch nicht. Der heiße Ziegenkäse war allenfalls mittelmäßig, im Land des Salade-de-Chevre-chaud hatte ich deutlich mehr erwartet. Moritz wurde auch so gerade eben satt, die Portion war schon etwas übersichtlich. Wir blieben dann auch nicht so lange, denn die ortsansässigen Mücken hatten auch großen Hunger und quälten uns schon die ganze Zeit über. Teich mit Fontäne

Nach einem letzten Blick auf den Teich suchten wir unsere Schlafsäcke auf. Wir waren beide recht erschöpft und konnten sehr gut schlafen.

Anfang

Der dreizehnte Tag - von Serrieres-en-Chautagne nach L'Isle-sur-l'Doubs

Heute galt es, wieder ordenlich Kilometer zu machen. Ein Anfall von Nießen bei unseren Nachbarn riss mich früh aus dem Schlaf. Es war gerade so richtig hell geworden und das Wetter sah wieder prächtig aus. Ich weckte Moritz und wir packten unsere Siebensachen, erledigte die Morgentoilette und warfen den Badehaus-Schlüssel in den Briefkasten. Heute wollten wir bis nach L'Isle-sur-le-Doubs kommen und das waren gute 250 bis 300 Kilometer. Wir kamen gut voran und fuhren über die D 991 bis nach Chessenaz, dann ging es weiter auf der D 1508 nach Bellegarde-sur-Valserine. Von dort aus wollten wir durch das Haute-Jura fahren. Wir nahmen die D991 und fuhren durch ein sehr schönes Tal. Am Wegesrand entdeckten wir eine Käserei, das wollte ich mir nicht entgehen lassen und wir stoppten auf dem großen Parkplatz. Im Hofladen versorgte ich uns mit Ziegenkäse, das war wohl die letzte Gelegenheit ordenlichen Ziegenkäse zu bekommen, bevor wir wieder Zuhause ankamen.

Frühstückspause

An einem malerischen Wasserfall stoppten wir dann, um unseren Käse zu verspeisen. Das Sonnenlicht viel auf eine ganz besondere Weise auf Motritz Motorrad, irgendwie hatte das schon fast etwas spirituelles. Lichtspiel

Dann ging es weiter über Morez, Champagnole und Pontarlier nach L'Isle-sur-le-Doubs. So schloss sich der Kreis unserer Motorradtour wieder. Wir kannten uns ja aus und bauten fix die Zelte auf. Dann fuhren wir noch mal zum Supermarkt und kauften ein und tankten die Motos voll. Zum Abschlussmenu gab es noch einmal Nudeln mit Käsesauce, denn in der Pizzeria wollten wir nach unseren Erfahrungen auf der Hinreise nicht noch einmal essen. Moritz beschloss sein Zelt ohne Außenzelt aufzubauen, was bei den Temperaturen eine gute Idee waren und wir chillten den Rest des Abends auf dem Campingplatz. heute mal oben ohne

im Loungesessel

blauer Himmel

Anfang

Der vierzehnte Tag - von L'Isle-sur-l'Doubs nach Gelsenkirchen

Als ich an unserem letzten Tag der Frankreichtour wach wurde, war es noch sehr früh. Also hieß es sich noch einmal in den Schlafsack zu wickeln.

Morgendämmerung

Beim zweiten Mal wachwerden sah es schon besser aus, die Sonne war gerade aufgegangen und also konnte auch ans Aufstehen gedacht werden. Heute war es also wieder so weit, der Motorradurlaub neigte sich definitiv dem Ende zu. Schade, diese Tour war wieder sehr schön gewesen. Aber jammern hilft ja nicht, also kochte ich den morgendlichen Kaffee und erledigte schon mal das Duschen. Moritz war auch schon wach geworden und in unserer Nachbarschaft klapperten die Radfahrer beim Abbau ihrer Zelte auch schon mit den Zeltstangen. Frühstück war auf jeden Fall angesagt, denn heute wurde es noch einmal anstrengend. Ein paar Kilometer ging es noch über die Landstraßen und dann kam auch schon die Autobahnauffahrt. Und Autobahnfahrten ermüden mich immer sehr. Da kann ich besser stundenlang über die Landstraßen brettern als stur geradeaus zu fahren. Aber wir wollten heute Zuhause ankommen und das wäre bei einer Route nur über Landstraßen ein etwas zu ehrgeiziges Vorhaben gewesen. Nach dem Frühstück wurden die Sachen verpackt und aufgeladen und es ging los.
Sonnenaufgang

Über die Autobahnetappe gibt es nicht viel zu berichten. Vielleicht, dass uns das Hinterteil zum Schluss dann doch sehr geschmerzt hat. Und das, obwohl wir ja in den zwei Wochen eigentlich genug Sitzfleisch aufgebaut haben sollten.
Zurück Zufrieden

Am späten Nachmittag erreichten wir dann wieder die heimischen Gefilden. Zufrieden mit uns und der Welt, mit der Gewissheit, dass uns die Erinnerungen an diese schöne Motorradtour niemand mehr nehmen kann.

Anfang

Fazit:

Der sehr schöne Motorradurlaub war nach genau 2 Wochen und rund 4.500 Kilometern nun zu Ende. Schäden an Personen oder Material waren nicht aufgetreten, wenn man mal von meiner Sonnenbrille und Moritz Flip-Flops absieht. Die SMR war zwischendurch recht zickig bei der Gasannahme, Aussetzer und Fehlzündungen kamen dann recht häufig vor. Aber davon habe ich mir die Tour nicht verleiden lassen. Wieder mal Frankreich zu besuchen, war die richtige Entscheidung gewesen. Bisher wurde ich von Frankreichtouren nie enttäuscht. Mal schauen was im nächsten Jahr so geht.


Das ist das Ende!